AkdÄ2020

COVID-19 Off-Label-Therapie: AkdÄ-Sicherheitsinformation

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AkdÄ (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Zu Beginn der COVID-19-Pandemie wurden verschiedene bereits zugelassene Medikamente im Rahmen von klinischen Studien und individuellen Heilversuchen auf ihre Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 untersucht.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) hat in einer Drug Safety Mail (Stand März 2020) eine Übersicht zu zentral beschafften Arzneimitteln für diese Off-Label-Behandlung veröffentlicht.

Das Dokument fasst pharmakologische Eigenschaften, in Studien erprobte Dosierungen sowie sicherheitsrelevante Aspekte wie Kontraindikationen und notwendige Monitoring-Maßnahmen zusammen. Es wird betont, dass vor jedem Einsatz eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen muss.

Empfehlungen

Die AkdÄ-Information nennt spezifische Überwachungsmaßnahmen und Warnhinweise für die eingesetzten Wirkstoffe:

Lopinavir/Ritonavir

Laut Dokument sind Lopinavir und Ritonavir potente CYP3A4-Inhibitoren. Es werden regelmäßige Blutbildkontrollen empfohlen, einschließlich Leukozyten, Neutrophilen, CRP, Blutzucker, HbA1c und Leberenzymen.

Favipiravir und Camostat

Bei der Anwendung von Favipiravir wird auf einen möglichen Harnsäureanstieg im Blut hingewiesen. Für Camostat nennt die Übersicht mögliche Überempfindlichkeitsreaktionen und weist darauf hin, dass Wechselwirkungen mit dem Kinin-Kallikrein-System sowie der Gerinnungskaskade nicht ausgeschlossen sind. Zudem werden Kaliumkontrollen erwähnt.

Hydroxychloroquin und Chloroquin

Das Dokument warnt vor einer QT-Zeit-Verlängerung, insbesondere bei Kombination mit anderen Medikamenten wie Antidepressiva, Chinolonen oder Makroliden. Es wird ein strenges Monitoring empfohlen:

  • Bestimmung von CK und LDH im Blut vor Therapiebeginn

  • Regelmäßiges eGFR-Monitoring

  • EKG-Überwachung, besonders bei kardiovaskulären Risikofaktoren

  • Dosisreduktion auf maximal 3 mg/kg Körpergewicht bei einer eGFR unter 30 ml/min

Dosierung

Die Übersicht listet folgende Test-Dosierungen aus klinischen Studien auf:

WirkstoffTest-Dosierung bei COVID-19Zugelassene Indikation
Lopinavir/RitonavirTag 1–14: 2 x tgl. 400 mg/100 mgHIV-1 Infektion
FavipiravirTag 1: 2 x tgl. 1600 mg, Tag 2–5: 2 x tgl. 600 mgPandemie-Influenza
CamostatTag 1–5: 3 x tgl. 200 mgChronische Pankreatitis, Refluxösophagitis
HydroxychloroquinTag 1: 2 x tgl. 400 mg, Tag 2–5: 2 x tgl. 200 mg (oder 3 x tgl. 200 mg über 10 Tage)Rheumatoide Arthritis, Malaria, SLE
ChloroquinTag 1–10: 2 x tgl. 500 mgRheumatoide Arthritis, Malaria, SLE

Kontraindikationen

Die Information listet folgende absolute Kontraindikationen gemäß der jeweiligen Fachinformationen auf:

WirkstoffAbsolute Kontraindikationen
Lopinavir/RitonavirSchwere Leberinsuffizienz
FavipiravirSchwangerschaft
CamostatKeine Angaben in der Fachinformation
HydroxychloroquinRetinopathie, Makulopathie, G6PD-Mangel, Blutbilderkrankungen, Myasthenia gravis, Stillzeit, Kinder < 6 Jahre (< 35 kg)
ChloroquinRetinopathie, Gesichtsfeldeinschränkungen, G6PD-Mangel, Myasthenia gravis, Schwangerschaft, Stillzeit
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💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Warnhinweis der Information betrifft die kardiale Sicherheit von Hydroxychloroquin und Chloroquin. Es wird nachdrücklich auf das Risiko einer QT-Zeit-Verlängerung hingewiesen, weshalb eine EKG-Überwachung und Vorsicht bei der Kombination mit anderen QT-verlängernden Medikamenten angeraten wird.

Häufig gestellte Fragen

Laut Dokument ist die gleichzeitige Gabe von Medikamenten, deren Clearance stark von CYP3A4 abhängt, kontraindiziert. Dazu zählen unter anderem Colchicin, Simvastatin, Midazolam und Vardenafil.

Die Information weist darauf hin, dass Favipiravir in der Schwangerschaft absolut kontraindiziert ist. Bei Frauen im gebärfähigen Alter muss vor Behandlungsbeginn eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen werden.

Es wird die Bestimmung von Creatin-Kinase (CK) und Lactatdehydrogenase (LDH) vor Therapiebeginn genannt. Zudem wird ein regelmäßiges Monitoring der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) empfohlen.

Als schwerwiegende Nebenwirkungen nennt die Übersicht unter anderem anaphylaktischen Schock, Thrombozytopenie, Hyperkaliämie und hepatische Dysfunktion. Die Häufigkeit dieser Ereignisse ist laut Fachinformation unbekannt.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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