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Hygiene in der Regionalanästhesie: S1-Leitlinie (DGAI)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die hygienische Händedesinfektion ist die wichtigste und wirksamste Maßnahme zur Infektionsprävention.
  • Bei neuroaxialen Punktionen sind Mund-Nasen-Schutz, Haube und sterile Handschuhe obligatorisch.
  • Für die Anlage neuroaxialer Katheter wird zusätzlich ein steriler OP-Mantel empfohlen.
  • Ultraschallsonden müssen bei neuroaxialen und peripheren Katheterverfahren zwingend steril abgedeckt werden.
  • Ein routinemäßiger Wechsel von Regionalanästhesie-Kathetern wird nicht empfohlen, stattdessen ist eine tägliche Indikationsprüfung erforderlich.
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Hintergrund

Die Einhaltung adäquater Hygienestandards ist entscheidend für die Patientensicherheit in der Regionalanästhesie (RA). Infektionen sind zwar selten, können aber schwerwiegende Folgen wie Abszesse, Meningitiden oder eine Sepsis nach sich ziehen. Die S1-Leitlinie der DGAI definiert präventive Maßnahmen zur Vermeidung von exogenen und endogenen Infektionen bei peripheren und neuroaxialen Blockaden.

Risikoklassifikation nach KRINKO

Die Anforderungen an die Hygiene richten sich nach der Art des Eingriffs. Die Leitlinie ordnet die Verfahren in Anlehnung an die KRINKO-Empfehlungen folgenden Risikogruppen zu:

VerfahrenKRINKO-Risikogruppe
Periphere einzeitige Blockade1 / 2
Peripheres Katheterverfahren2
Spinalanästhesie (einzeitig)3
Epiduralanästhesie (Katheter)4

Vorbereitung des Patienten

  • Haarentfernung: Nur falls zwingend nötig, idealerweise mit einem chirurgischen Clipper (elektrischer Rasierer), nicht durch Rasur.
  • Hautdesinfektion: Remanenzhaltige alkoholische Lösungen (z. B. mit Chlorhexidin oder Octenidin) sind insbesondere bei Katheteranlagen sinnvoll. Rein alkoholbasierte Lösungen sollten hier nicht als Standard dienen.
  • Desinfektionstechnik: Bei neuroaxialen Verfahren ist eine Wischdesinfektion üblich. Bei einzeitigen peripheren Punktionen reicht eine Sprühdesinfektion unter Beachtung der Einwirkzeit.
  • Abdeckung: Großflächige sterile Abdecktücher sind bei neuroaxialen Prozeduren und peripheren Kathetern erforderlich. Bei einzeitigen peripheren Blockaden kann aus ökologischen und ökonomischen Gründen darauf verzichtet werden.

Vorbereitung des Behandlers

Die hygienische Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt ist die wichtigste Maßnahme zur Infektionsprävention. Das Tragen von Schmuck, Uhren und künstlichen Fingernägeln ist strikt untersagt.

MaßnahmePeriphere Blockade (einzeitig)Peripherer KatheterSpinalanästhesieEpiduralkatheter
HandschuheMedizinische EinmalhandschuheSterile HandschuheSterile HandschuheSterile Handschuhe
Mund-Nasen-Schutz & HaubeEmpfohlenEmpfohlenObligatorischObligatorisch
Steriler OP-MantelNeinNein (außer bei komplexen Systemen)NeinEmpfohlen

Ultraschallgestützte Punktionen

  • Sterile Hülle: Generell erforderlich bei neuroaxialen Punktionen und peripheren Kathetertechniken. Die Hülle muss ausreichend lang sein, um Kontaminationen durch das Kabel zu vermeiden.
  • Desinfektion: Der Schallkopf samt Kabel muss vor und nach jeder Anwendung desinfiziert werden, da sterile Überzüge Mikroporen aufweisen können.
  • Punktion: Eine Nadelführung durch Ultraschallgel oder Desinfektionsmittelansammlungen ist zu vermeiden, da diese Substanzen potenziell neurotoxisch wirken können.

Kathetermanagement und Verlaufskontrolle

  • Verweildauer: Ein routinemäßiger Wechsel nach definierten Liegedauern wird nicht empfohlen. Die Indikation ist jedoch täglich streng zu überprüfen.
  • Tunnelung: Bei geplanter Liegedauer von mehr als 3 Tagen und erhöhtem Infektionsrisiko wird eine Tunnelung empfohlen.
  • Kontrolle: Tägliche klinische Überprüfung (visuell und palpatorisch) der Einstichstelle durch qualifiziertes Personal.
  • Diskonnektion: Bei versehentlicher Diskonnektion unter 4 Stunden: Desinfektion, großzügige sterile Resektion des proximalen Katheterteils und Rekonnektion. Bei über 4 Stunden Diskonnektionszeit muss der Katheter entfernt werden.

Infektionsmanagement

Infektionen werden nach den Kriterien des Netzwerkes Regionalanästhesie (net-ra) eingeteilt:

SchweregradKriterien (mind. 2 müssen erfüllt sein, außer bei Schwer)
LeichtRötung, Schwellung, Druckschmerz
MittelschwerEiteraustritt, Entzündungsparameter ↑, Fieber, systemische Antibiose nötig
SchwerChirurgischer Eingriff nötig (Stichinzision oder operative Revision)

Klinische Konsequenz: Bei neurologischen Defiziten oder meningealen Zeichen nach rückenmarksnahen Verfahren muss unverzüglich eine Diagnostik (MRT) und ggf. eine spezifische Therapie (chirurgische Fokussanierung, Antibiose) eingeleitet werden.

💡Praxis-Tipp

Vermeiden Sie das Einstechen der Punktionsnadel durch Ultraschallgel oder Desinfektionsmittel, da diese Substanzen potenziell neurotoxisch wirken können. Wischen Sie überschüssiges Gel vor dem Einstich im Punktionsbereich ab.

Häufig gestellte Fragen

Nein, ein routinemäßiger Wechsel nach einer bestimmten Liegedauer wird nicht empfohlen. Die Indikation zur Fortführung der Kathetertherapie sollte jedoch täglich streng überprüft werden.
Ein steriler OP-Mantel wird primär bei der Anlage von neuroaxialen Kathetern (z.B. Epiduralkatheter) empfohlen. Bei einzeitigen Spinalanästhesien oder peripheren Blockaden ist er nicht erforderlich.
War der Katheter weniger als 4 Stunden diskonnektiert, kann das proximale Ende desinfiziert, großzügig steril reseziert und mit einem neuen Konnektor versehen werden. Bei über 4 Stunden Diskonnektion sollte der Katheter entfernt werden.
Für Katheteranlagen werden remanenzhaltige alkoholische Lösungen (Chlorhexidin oder Octenidin) empfohlen. Bei neuroaxialen Verfahren erfolgt meist eine Wischdesinfektion, bei peripheren einzeitigen Blockaden genügt eine Sprühdesinfektion.

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