Hygiene in der Regionalanästhesie: S1-Leitlinie (DGAI)
📋Auf einen Blick
- •Die hygienische Händedesinfektion ist die wichtigste und wirksamste Maßnahme zur Infektionsprävention.
- •Bei neuroaxialen Punktionen sind Mund-Nasen-Schutz, Haube und sterile Handschuhe obligatorisch.
- •Für die Anlage neuroaxialer Katheter wird zusätzlich ein steriler OP-Mantel empfohlen.
- •Ultraschallsonden müssen bei neuroaxialen und peripheren Katheterverfahren zwingend steril abgedeckt werden.
- •Ein routinemäßiger Wechsel von Regionalanästhesie-Kathetern wird nicht empfohlen, stattdessen ist eine tägliche Indikationsprüfung erforderlich.
Hintergrund
Die Einhaltung adäquater Hygienestandards ist entscheidend für die Patientensicherheit in der Regionalanästhesie (RA). Infektionen sind zwar selten, können aber schwerwiegende Folgen wie Abszesse, Meningitiden oder eine Sepsis nach sich ziehen. Die S1-Leitlinie der DGAI definiert präventive Maßnahmen zur Vermeidung von exogenen und endogenen Infektionen bei peripheren und neuroaxialen Blockaden.
Risikoklassifikation nach KRINKO
Die Anforderungen an die Hygiene richten sich nach der Art des Eingriffs. Die Leitlinie ordnet die Verfahren in Anlehnung an die KRINKO-Empfehlungen folgenden Risikogruppen zu:
| Verfahren | KRINKO-Risikogruppe |
|---|---|
| Periphere einzeitige Blockade | 1 / 2 |
| Peripheres Katheterverfahren | 2 |
| Spinalanästhesie (einzeitig) | 3 |
| Epiduralanästhesie (Katheter) | 4 |
Vorbereitung des Patienten
- Haarentfernung: Nur falls zwingend nötig, idealerweise mit einem chirurgischen Clipper (elektrischer Rasierer), nicht durch Rasur.
- Hautdesinfektion: Remanenzhaltige alkoholische Lösungen (z. B. mit Chlorhexidin oder Octenidin) sind insbesondere bei Katheteranlagen sinnvoll. Rein alkoholbasierte Lösungen sollten hier nicht als Standard dienen.
- Desinfektionstechnik: Bei neuroaxialen Verfahren ist eine Wischdesinfektion üblich. Bei einzeitigen peripheren Punktionen reicht eine Sprühdesinfektion unter Beachtung der Einwirkzeit.
- Abdeckung: Großflächige sterile Abdecktücher sind bei neuroaxialen Prozeduren und peripheren Kathetern erforderlich. Bei einzeitigen peripheren Blockaden kann aus ökologischen und ökonomischen Gründen darauf verzichtet werden.
Vorbereitung des Behandlers
Die hygienische Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt ist die wichtigste Maßnahme zur Infektionsprävention. Das Tragen von Schmuck, Uhren und künstlichen Fingernägeln ist strikt untersagt.
| Maßnahme | Periphere Blockade (einzeitig) | Peripherer Katheter | Spinalanästhesie | Epiduralkatheter |
|---|---|---|---|---|
| Handschuhe | Medizinische Einmalhandschuhe | Sterile Handschuhe | Sterile Handschuhe | Sterile Handschuhe |
| Mund-Nasen-Schutz & Haube | Empfohlen | Empfohlen | Obligatorisch | Obligatorisch |
| Steriler OP-Mantel | Nein | Nein (außer bei komplexen Systemen) | Nein | Empfohlen |
Ultraschallgestützte Punktionen
- Sterile Hülle: Generell erforderlich bei neuroaxialen Punktionen und peripheren Kathetertechniken. Die Hülle muss ausreichend lang sein, um Kontaminationen durch das Kabel zu vermeiden.
- Desinfektion: Der Schallkopf samt Kabel muss vor und nach jeder Anwendung desinfiziert werden, da sterile Überzüge Mikroporen aufweisen können.
- Punktion: Eine Nadelführung durch Ultraschallgel oder Desinfektionsmittelansammlungen ist zu vermeiden, da diese Substanzen potenziell neurotoxisch wirken können.
Kathetermanagement und Verlaufskontrolle
- Verweildauer: Ein routinemäßiger Wechsel nach definierten Liegedauern wird nicht empfohlen. Die Indikation ist jedoch täglich streng zu überprüfen.
- Tunnelung: Bei geplanter Liegedauer von mehr als 3 Tagen und erhöhtem Infektionsrisiko wird eine Tunnelung empfohlen.
- Kontrolle: Tägliche klinische Überprüfung (visuell und palpatorisch) der Einstichstelle durch qualifiziertes Personal.
- Diskonnektion: Bei versehentlicher Diskonnektion unter 4 Stunden: Desinfektion, großzügige sterile Resektion des proximalen Katheterteils und Rekonnektion. Bei über 4 Stunden Diskonnektionszeit muss der Katheter entfernt werden.
Infektionsmanagement
Infektionen werden nach den Kriterien des Netzwerkes Regionalanästhesie (net-ra) eingeteilt:
| Schweregrad | Kriterien (mind. 2 müssen erfüllt sein, außer bei Schwer) |
|---|---|
| Leicht | Rötung, Schwellung, Druckschmerz |
| Mittelschwer | Eiteraustritt, Entzündungsparameter ↑, Fieber, systemische Antibiose nötig |
| Schwer | Chirurgischer Eingriff nötig (Stichinzision oder operative Revision) |
Klinische Konsequenz: Bei neurologischen Defiziten oder meningealen Zeichen nach rückenmarksnahen Verfahren muss unverzüglich eine Diagnostik (MRT) und ggf. eine spezifische Therapie (chirurgische Fokussanierung, Antibiose) eingeleitet werden.
💡Praxis-Tipp
Vermeiden Sie das Einstechen der Punktionsnadel durch Ultraschallgel oder Desinfektionsmittel, da diese Substanzen potenziell neurotoxisch wirken können. Wischen Sie überschüssiges Gel vor dem Einstich im Punktionsbereich ab.