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Candida-Infektionen: Leitlinie (AWMF/DMykG/PEG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Candida albicans ist der häufigste Erreger, Non-albicans-Arten wie C. glabrata nehmen jedoch zu.
  • Mittel der ersten Wahl bei einer Candidämie sind Echinocandine (Anidulafungin, Caspofungin, Micafungin).
  • Fluconazol wird zur Initialtherapie bei Sepsis nicht empfohlen, ist aber als Step-Down-Therapie ab Tag 5 möglich.
  • Bei Verdacht auf Candidämie müssen mindestens zwei separate Blutkultur-Paare abgenommen werden.
  • Ein zentraler Venenkatheter (ZVK) sollte bei einer Candidämie immer entfernt oder via Neupunktion gewechselt werden.
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Hintergrund

Candida-Infektionen sind eine bedeutende Ursache für Morbidität und Letalität, insbesondere bei immunsupprimierten und intensivmedizinisch betreuten Patienten. Candida albicans ist unverändert der wichtigste Erreger. Je nach lokaler Epidemiologie werden jedoch zunehmend Non-albicans-Arten (z. B. C. glabrata, C. parapsilosis, C. krusei) sowie multiresistente Erreger wie Candida auris nachgewiesen.

Invasive Infektionen entstehen meist endogen bei bestehender Kolonisation von Haut oder Schleimhäuten, oder exogen über zentralvenöse Katheter (ZVK).

Risikofaktoren für invasive Candidosen
Langdauernder Einsatz von Breitspektrumantibiotika
Systemische Gabe von Glukokortikosteroiden
Anlage zentralvenöser Katheter (ZVK)
Parenterale Ernährung
Komplizierte abdominalchirurgische Eingriffe
Protrahierte Granulozytopenie & hämatologische Neoplasien
Akutes Nierenversagen oder chronische Dialyse

Diagnostik

Die Diagnose einer systemischen Candida-Infektion basiert primär auf der kulturellen Anzucht aus sterilen Körperflüssigkeiten oder Gewebe.

  • Blutkulturen: Bei Verdacht auf Candidämie mindestens zwei separate Paare venöser Blutkulturen (je 10 ml) unmittelbar vor Beginn der Therapie abnehmen.
  • Identifikation: Ein Erregernachweis muss immer mit Identifikation auf Spezies-Ebene erfolgen (z. B. mittels MALDI-TOF MS).
  • Resistenztestung: Eine in-vitro-Empfindlichkeitstestung (MHK-Bestimmung) sollte bei allen Isolaten aus sterilen Proben durchgeführt werden.
  • Zusatzdiagnostik: Bei allen Patienten mit Candidämie sollte vor Therapieende eine Fundoskopie zum Ausschluss einer Chorioretinitis oder Endophthalmitis erfolgen.

Therapie der Candidämie

Eine Candidämie muss umgehend systemisch behandelt werden. Die Initialtherapie mit Fluconazol wird beim kritisch kranken Patienten mit Sepsis nicht mehr empfohlen.

TherapielinieWirkstoffeBemerkung
1. Wahl (Initialtherapie)Echinocandine (Anidulafungin, Caspofungin, Micafungin)Bevorzugt bei Sepsis, kritisch Kranken und Vortherapie mit Azolen.
AlternativeLiposomales Amphotericin B (L-AmB) oder VoriconazolBei Kontraindikationen, Unverträglichkeit oder Resistenzen gegen Echinocandine.
Step-Down-TherapieFluconazol (oral/i.v.)Ab Tag +5 möglich bei klinischer Besserung, negativen Blutkulturen und nachgewiesener Sensibilität.

Therapiedauer

Bei einer unkomplizierten Candidämie (erfolgte Fokussanierung, keine metastatischen Absiedelungen) beträgt die Mindesttherapiedauer 14 Tage nach der ersten negativen Blutkultur und vollständiger Rückbildung der Symptome.

Kathetermanagement

Jede Candida-positive Blutkultur ist behandlungsbedürftig. Ein zentraler Venenkatheter (ZVK) gilt als potenzieller Fokus.

  • Der ZVK (inkl. Port- und Shaldonkatheter) sollte immer entfernt oder via Neupunktion gewechselt werden.
  • Ein alleiniger Wechsel über einen Seldingerdraht wird nicht empfohlen.

Spezifische Organinfektionen

Bei Organbeteiligungen muss die Therapieauswahl an die Gewebepenetration der Antimykotika angepasst werden.

OrganmanifestationTherapieempfehlungBesonderheiten
ZNS-InfektionLiposomales Amphotericin B + 5-FlucytosinEchinocandine haben eine zu geringe ZNS-Penetration.
EndophthalmitisAzole (Fluconazol/Voriconazol) oder L-AmBEchinocandine penetrieren schlecht in den Glaskörper. Ggf. intravitreale Therapie.
EndokarditisL-AmB + Echinocandin oder 5-FlucytosinChirurgische Sanierung der Herzklappe ist essenziell.
PeritonitisSystemische Therapie nach ErregernachweisUnverzügliche chirurgische Sanierung des intraabdominellen Fokus.

💡Praxis-Tipp

Entfernen Sie bei einer Candidämie nach Möglichkeit immer den zentralen Venenkatheter (ZVK) und veranlassen Sie routinemäßig eine Fundoskopie zum Ausschluss einer Endophthalmitis.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt Echinocandine (Anidulafungin, Caspofungin oder Micafungin) als Therapie der ersten Wahl.
Fluconazol eignet sich nicht als Initialtherapie bei Sepsis, kann aber bei klinischer Stabilität, negativen Blutkulturen und nachgewiesener Sensibilität ab Tag 5 als Step-Down-Therapie verwendet werden.
Die Therapiedauer beträgt mindestens 14 Tage nach der ersten negativen Blutkultur und vollständiger Rückbildung der Symptome.
Mindestens zwei separate Paare venöser Blutkulturen (je 10 ml) vor Beginn der antimykotischen Therapie sowie eine Spezies-Identifikation und Resistenztestung.

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