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Infectious Diseases Society of America (IDSA)2016InfektiologiePneumologie

Aspergillose: Diagnose & Therapie (IDSA-Leitlinie)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Infectious Diseases Society of America (IDSA) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Voriconazol ist das Mittel der Wahl für die Primärtherapie der invasiven pulmonalen Aspergillose (IPA).
  • Die Diagnostik stützt sich auf CT-Thorax, Bronchoskopie mit BAL sowie Biomarker wie Galactomannan (GM).
  • Ein therapeutisches Drug Monitoring (TDM) wird für Triazole (Voriconazol, Posaconazol, Itraconazol) stark empfohlen.
  • Echinocandine sollten nicht als primäre Monotherapie, sondern nur als Salvage-Therapie oder in Kombination eingesetzt werden.
  • Eine antimykotische Prophylaxe (z. B. mit Posaconazol) ist bei Hochrisikopatienten wie solchen mit prolongierter Neutropenie oder GVHD indiziert.
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Hintergrund

Aspergillus-Arten sind eine bedeutende Ursache für lebensbedrohliche Infektionen bei immunsupprimierten Patienten. Die IDSA-Leitlinie fasst die aktuelle Evidenz zur Diagnose, Behandlung und Prävention der verschiedenen Formen der Aspergillose zusammen, mit besonderem Fokus auf die invasive Aspergillose (IA).

Risikofaktoren und Prävention

Zu den Hochrisikopatienten zählen Personen mit prolongierter Neutropenie, allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation (HSCT), soliden Organtransplantationen (SOT) sowie Patienten unter hochdosierter Kortikosteroidtherapie.

  • Starke Empfehlung: Hospitalisierte allogene HSCT-Empfänger sollten in einer geschützten Umgebung (z. B. HEPA-Filter) untergebracht werden.
  • Starke Empfehlung: Verzicht auf Pflanzen oder Schnittblumen in Patientenzimmern bei Hochrisikopatienten.
  • Starke Empfehlung: Hochrisiko-Patienten sollten im ambulanten Bereich Gartenarbeit, Kompostierung und Baustellen meiden.

Diagnostik

Die Diagnostik der invasiven pulmonalen Aspergillose (IPA) erfordert eine Kombination aus Bildgebung, mikrobiologischer Aufarbeitung und Biomarkern.

DiagnostikumIndikation / EinsatzgebietEmpfehlung / Bemerkung
CT-ThoraxBei klinischem Verdacht auf IPAStarke Empfehlung, unabhängig vom Röntgen-Thorax. Kontrastmittel nur bei Läsionen nahe großer Gefäße.
Bronchoskopie (BAL)Bei Verdacht auf IPAStarke Empfehlung. BAL-Probe für Kultur, Zytologie und Galactomannan einsenden.
Galactomannan (GM)Hämatologische Malignome, HSCTStarke Empfehlung für Serum und BAL. Nicht zum Screening bei SOT, CGD oder unter antimykotischer Prophylaxe.
(1→3)-β-D-GlucanHochrisikopatientenStarke Empfehlung, jedoch nicht spezifisch für Aspergillus.
PCRBlut- oder BAL-ProbenStarke Empfehlung zur fallweisen Nutzung, jedoch nicht als alleiniger Standard, da kommerzielle Assays noch nicht ausreichend validiert sind.

Therapie der invasiven Aspergillose

Triazole sind die bevorzugten Wirkstoffe für die Behandlung und Prävention der IA. Ein therapeutisches Drug Monitoring (TDM) wird für Patienten unter Triazol-Therapie stark empfohlen, sobald der Steady-State erreicht ist.

WirkstoffklassePrimärtherapieSalvage-TherapieBemerkung
TriazoleVoriconazol (Starke Empfehlung), IsavuconazolPosaconazol, ItraconazolMittel der Wahl. TDM erforderlich. Interaktionen beachten (CYP3A4).
PolyeneLiposomales Amphotericin BLipid-formulierte AmBEinsatz, wenn Voriconazol kontraindiziert ist.
EchinocandineNicht empfohlen als MonotherapieCaspofungin, MicafunginNur als Salvage-Therapie oder in Kombination.

Die Behandlungsdauer der IPA sollte mindestens 6 bis 12 Wochen betragen, abhängig vom Grad der Immunsuppression, dem Ort der Erkrankung und dem klinischen Ansprechen.

Spezifische Manifestationen

  • ZNS-Aspergillose: Voriconazol als Primärtherapie (starke Empfehlung).
  • Aspergillus-Endophthalmitis: Systemisches Voriconazol plus intravitreales Voriconazol oder Amphotericin B deoxycholat (starke Empfehlung).
  • Aspergillom (Fungal Ball): Bei asymptomatischen Patienten ohne Größenprogression reine Beobachtung. Bei Symptomen (v. a. Hämoptysen) chirurgische Resektion (starke Empfehlung).

Prophylaxe

Eine antimykotische Prophylaxe ist bei bestimmten Hochrisikogruppen indiziert:

PatientengruppeEmpfohlene ProphylaxeEvidenz
Prolongierte NeutropeniePosaconazol, VoriconazolStarke Empfehlung
Allogene HSCT mit GVHDPosaconazolStarke Empfehlung
LungentransplantationVoriconazol, Itraconazol oder inhalatives AmB (für 3-4 Monate)Starke Empfehlung

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie Galactomannan nicht als Screening-Parameter bei Patienten, die bereits eine schimmelpilzaktive Prophylaxe erhalten, da die Aussagekraft hier stark eingeschränkt ist. Führen Sie bei Triazolen (wie Voriconazol und Posaconazol) stets ein therapeutisches Drug Monitoring (TDM) durch.

Häufig gestellte Fragen

Voriconazol ist das Mittel der Wahl. Alternativen sind liposomales Amphotericin B oder Isavuconazol.
Bei jedem klinischen Verdacht auf eine invasive pulmonale Aspergillose, unabhängig von den Ergebnissen eines konventionellen Röntgen-Thorax.
Nein. Es wird stark empfohlen bei Patienten mit hämatologischen Malignomen oder HSCT. Bei soliden Organtransplantationen (SOT) oder chronischer Granulomatose (CGD) wird es nicht als Screening empfohlen.
Nein, die Leitlinie empfiehlt Echinocandine (wie Caspofungin oder Micafungin) nicht als primäre Monotherapie, sondern nur als Salvage-Therapie oder in Kombination.
Die Therapie sollte für mindestens 6 bis 12 Wochen fortgeführt werden, abhängig von der Dauer der Immunsuppression und dem klinischen Ansprechen.

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