Asthma bronchiale: Diagnostik und Stufentherapie
Hintergrund
Die gemeinsame Leitlinie von BTS, NICE und SIGN aus dem Jahr 2024 aktualisiert die Empfehlungen zur Diagnose, Überwachung und chronischen Behandlung von Asthma. Sie richtet sich an medizinisches Fachpersonal in der Primär- und Sekundärversorgung und umfasst Erwachsene, Jugendliche sowie Kinder.
Ein zentrales Ziel der Leitlinie ist die Verbesserung der diagnostischen Genauigkeit durch objektive Testverfahren. Zudem wird ein starker Fokus auf die Reduktion von Asthmaanfällen durch optimierte medikamentöse Strategien gelegt.
Die Behandlung von schwerem Asthma oder akuten lebensbedrohlichen Asthmaanfällen ist nicht Gegenstand dieses Dokuments. Stattdessen wird die langfristige Kontrolle durch personalisierte Aktionspläne und strukturierte Nachsorge in den Vordergrund gestellt.
Empfehlungen
Die Leitlinie fordert für die Asthmadiagnose zwingend eine typische klinische Anamnese in Kombination mit objektiven Tests. Eine alleinige klinische Diagnose wird nicht empfohlen.
Diagnostische Grenzwerte
Für die objektive Sicherung der Diagnose werden laut Leitlinie folgende Grenzwerte empfohlen:
| Parameter | Zielgruppe | Diagnostischer Cut-off |
|---|---|---|
| FeNO | Erwachsene | ≥ 50 ppb |
| FeNO | Kinder (5-16 Jahre) | ≥ 35 ppb |
| FEV1-Reversibilität | Alle Altersgruppen | ≥ 12 % (bei Erwachsenen zusätzlich ≥ 200 ml) |
| PEF-Variabilität | Alle Altersgruppen | ≥ 20 % |
Diagnostik-Algorithmus
Bei Erwachsenen wird primär die Bestimmung von FeNO oder Blut-Eosinophilen empfohlen. Bei negativem Befund sollte eine Spirometrie mit Bronchodilatator-Reversibilität erfolgen.
Bei Kindern von 5 bis 16 Jahren wird ebenfalls primär die FeNO-Messung empfohlen. Bei unauffälligem Befund oder fehlender Verfügbarkeit sollte eine Spirometrie durchgeführt werden.
Für Kinder unter 5 Jahren wird ein pragmatischer Ansatz empfohlen. Es sollte ein empirischer Therapieversuch mit niedrig dosierten inhalativen Kortikosteroiden (ICS) über 8 bis 12 Wochen durchgeführt werden.
Therapie bei Erwachsenen und Jugendlichen
Es wird ausdrücklich davor gewarnt, kurzwirksame Beta-2-Mimetika (SABA) ohne begleitende ICS-Therapie zu verschreiben.
Als Erstlinientherapie bei neu diagnostiziertem Asthma ab 12 Jahren wird empfohlen:
-
Eine bedarfsweise Kombination aus niedrig dosiertem ICS und Formoterol (AIR-Therapie)
-
Bei stark symptomatischen Personen: Beginn mit einer niedrig dosierten Erhaltungs- und Bedarfstherapie (MART)
-
Bei unzureichender Kontrolle: Eskalation auf eine moderat dosierte MART
Therapie bei Kindern (5 bis 11 Jahre)
Die initiale Behandlung besteht laut Leitlinie aus einem zweimal täglich verabreichten, niedrig dosierten pädiatrischen ICS sowie SABA bei Bedarf.
Bei unzureichender Kontrolle wird als nächster Schritt eine pädiatrische niedrig dosierte MART empfohlen. Voraussetzung hierfür ist, dass das Kind das MART-Regime sicher anwenden kann.
Monitoring und Nachsorge
Die Leitlinie empfiehlt, bei jeder Kontrolle die Inhalationstechnik und die Therapieadhärenz zu überprüfen. Eine routinemäßige Peak-Flow-Messung (PEF) zur Asthmakontrolle wird im Allgemeinen nicht empfohlen.
Stattdessen wird bei Erwachsenen eine regelmäßige FeNO-Messung zur Überwachung in Betracht gezogen. Zudem sollte jedem Betroffenen ein schriftlicher, personalisierter Aktionsplan ausgehändigt werden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie verweist auf Warnhinweise der Arzneimittelbehörden bezüglich Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten (LTRA) wie Montelukast.
Es wird empfohlen, die Sicherheitswarnungen zu möglichen neuropsychiatrischen Reaktionen bei der Einnahme von Montelukast zu beachten.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die alleinige Verschreibung von kurzwirksamen Beta-2-Mimetika (SABA) zur Asthmatherapie. Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor und fordert, SABA in allen Altersgruppen stets nur in Kombination mit einem inhalativen Kortikosteroid (ICS) zu verordnen. Zudem wird betont, dass eine Asthmadiagnose niemals allein auf der klinischen Anamnese beruhen darf, sondern immer durch objektive Tests gesichert werden muss.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist eine Kombination aus typischer Anamnese und objektiven Tests zwingend erforderlich. Als erster Schritt wird die Messung von FeNO oder Blut-Eosinophilen empfohlen, gefolgt von einer Spirometrie mit Reversibilitätstestung bei negativem Befund.
Es wird eine bedarfsweise Inhalation mit einer Kombination aus niedrig dosiertem ICS und Formoterol (AIR-Therapie) empfohlen. Bei stark symptomatischen Personen sollte direkt mit einer Erhaltungs- und Bedarfstherapie (MART) begonnen werden.
Die Leitlinie rät strikt davon ab, kurzwirksame Beta-2-Mimetika (SABA) als alleinige Therapie einzusetzen. Es wird empfohlen, SABA in allen Altersgruppen nur zusammen mit einem inhalativen Kortikosteroid (ICS) zu verordnen.
Da objektive Lungenfunktionstests in dieser Altersgruppe oft nicht durchführbar sind, wird ein pragmatischer Ansatz empfohlen. Die Leitlinie schlägt einen empirischen Therapieversuch mit niedrig dosierten inhalativen Kortikosteroiden über 8 bis 12 Wochen vor.
Eine routinemäßige Peak-Flow-Messung (PEF) zur reinen Überwachung der Asthmakontrolle wird laut Leitlinie nicht empfohlen. Ausnahmen bestehen nur, wenn dies spezifisch im personalisierten Aktionsplan der betroffenen Person begründet ist.
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Quelle: SIGN 245: Asthma: diagnosis, monitoring and chronic asthma management (SIGN, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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