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American Thoracic Society (ATS)2020PneumologieInnere MedizinAllgemeinmedizin

Pharmakotherapie der COPD: ATS-Leitlinie (2020)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf American Thoracic Society (ATS) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Duale Therapie (LABA/LAMA) wird gegenüber einer Monotherapie bei Dyspnoe stark empfohlen.
  • Triple-Therapie (ICS/LABA/LAMA) ist indiziert bei fortbestehender Dyspnoe und mindestens einer Exazerbation im Vorjahr.
  • Ein ICS-Entzug aus der Triple-Therapie wird empfohlen, wenn im letzten Jahr keine Exazerbationen auftraten.
  • Eine Dauertherapie mit oralen Kortikosteroiden wird aufgrund potenzieller Nebenwirkungen nicht empfohlen.
  • Bei therapierefraktärer Dyspnoe kann im Rahmen einer gemeinsamen Entscheidungsfindung eine Opioid-Therapie erwogen werden.
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Hintergrund

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine häufige, vermeidbare und behandelbare Erkrankung, die durch anhaltende respiratorische Symptome und eine Atemwegsobstruktion gekennzeichnet ist. Die pharmakologische Behandlung zielt darauf ab, die Lebensqualität zu verbessern, Symptome zu kontrollieren und die Häufigkeit von Exazerbationen zu reduzieren. Die American Thoracic Society (ATS) hat 2020 evidenzbasierte Empfehlungen zur medikamentösen Therapie formuliert.

Inhalative Erhaltungstherapie

Die Basis der COPD-Therapie bilden langwirksame Bronchodilatatoren. Die ATS-Leitlinie gibt klare Empfehlungen zur Eskalation und Deeskalation der Inhalationstherapie basierend auf Symptomen und Exazerbationshistorie:

Klinische SituationEmpfohlene TherapieEmpfehlungsgrad
Dyspnoe oder eingeschränkte BelastbarkeitLABA/LAMA-Kombination (bevorzugt gegenüber Monotherapie)Starke Empfehlung
Dyspnoe + ≥ 1 Exazerbation/Jahr (trotz LABA/LAMA)Triple-Therapie (ICS/LABA/LAMA)Bedingte Empfehlung
Triple-Therapie etabliert, aber 0 Exazerbationen im letzten JahrICS-Entzug (Deeskalation auf LABA/LAMA)Bedingte Empfehlung

Rolle der Bluteosinophilie

Bei Patienten mit COPD und Bluteosinophilie (definiert als ≥ 2 % oder ≥ 150 Zellen/µl) spricht die Leitlinie keine generelle Empfehlung für oder gegen den additiven Einsatz von inhalativen Kortikosteroiden (ICS) aus. Es gilt jedoch folgende Ausnahme:

  • Bei Patienten mit ≥ 1 Exazerbation im vergangenen Jahr (die Antibiotika, orale Steroide oder eine Hospitalisierung erforderte) wird der zusätzliche Einsatz von ICS zu langwirksamen Bronchodilatatoren bedingt empfohlen.

Systemische Therapien und Palliation

Neben der Inhalationstherapie bewertet die Leitlinie auch systemische Therapieansätze für schwere Verläufe und therapierefraktäre Symptome:

TherapieansatzIndikationEmpfehlung
Orale Kortikosteroide (Erhaltungstherapie)Schwere und häufige Exazerbationen trotz optimaler TherapieBedingte Empfehlung DAGEGEN
Opioid-basierte TherapieFortgeschrittene, refraktäre Dyspnoe trotz optimaler TherapieBedingte Empfehlung DAFÜR

Orale Kortikosteroide

Die Leitlinie rät von einer dauerhaften Erhaltungstherapie mit oralen Kortikosteroiden ab. Die verfügbare Evidenz zeigt keinen signifikanten Nutzen bezüglich Mortalität oder Exazerbationsraten, weist jedoch auf ein signifikant erhöhtes Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen hin.

Opioide bei refraktärer Dyspnoe

Für Patienten mit fortgeschrittener, therapierefraktärer Atemnot können Opioide zur Symptomlinderung erwogen werden. Dies sollte stets im Rahmen einer personalisierten, gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared Decision-Making) erfolgen. Obwohl die Evidenzqualität sehr niedrig ist, zeigten Studien eine klinisch bedeutsame Linderung der Dyspnoe, deren Nutzen die potenziellen Risiken überwiegen kann.

💡Praxis-Tipp

Überprüfen Sie bei Patienten unter Triple-Therapie (ICS/LABA/LAMA) jährlich die Exazerbationsanamnese. Gab es im letzten Jahr keine Exazerbationen, sollte ein ICS-Entzug erwogen werden, um unnötige Nebenwirkungen wie Pneumonien zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Bei Patienten mit COPD, die über Dyspnoe oder eingeschränkte Belastbarkeit klagen, wird die LABA/LAMA-Kombinationstherapie stark gegenüber einer Monotherapie empfohlen.
Bei Patienten, die trotz dualer Therapie (LABA/LAMA) symptomatisch sind und im vergangenen Jahr mindestens eine behandlungsbedürftige Exazerbation hatten.
Nein, die Leitlinie rät aufgrund des ungünstigen Nutzen-Risiko-Profils und fehlender Wirksamkeitsnachweise von einer Erhaltungstherapie mit oralen Kortikosteroiden ab, auch bei schweren und häufigen Exazerbationen.
Bei fortgeschrittener, refraktärer Dyspnoe trotz optimaler Therapie können Opioide nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung (Shared Decision-Making) zur Symptomlinderung eingesetzt werden.

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