Antidepressiva unter 25 Jahren: BfArM warnt vor Suizidalität
Hintergrund
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat im Jahr 2008 eine Sicherheitswarnung zum Einsatz von Antidepressiva herausgegeben. Diese basiert auf einer Neubewertung durch die Pharmakovigilanz-Arbeitsgruppe der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA).
Eine Meta-Analyse placebokontrollierter klinischer Studien zeigte bei Patienten unter 25 Jahren ein signifikant erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten unter der Einnahme von Antidepressiva. Bei älteren Patienten überwog hingegen der schützende Effekt der Medikation zur Verminderung von Suizidalität.
Bereits in den Jahren zuvor gab es ähnliche Risikobewertungsverfahren, unter anderem durch die US-amerikanische FDA. Im Fokus standen dabei bereits das erhöhte Risiko für Feindseligkeit und Suizidgedanken bei Kindern und Jugendlichen sowie Absetzerscheinungen, insbesondere bei der Wirkstoffgruppe der SSRI und SNRI.
Empfehlungen
Die Sicherheitswarnung des BfArM umfasst folgende Kernaspekte:
Risikoaufklärung und Überwachung
Laut BfArM wird eine engmaschige Überwachung von jungen Erwachsenen unter 25 Jahren unter Antidepressiva-Therapie empfohlen. Dabei soll insbesondere auf folgende Warnzeichen geachtet werden:
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Klinische Verschlechterung der psychiatrischen Symptomatik
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Auftreten von suizidalem Verhalten oder Suizidgedanken
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Ungewöhnliche Verhaltensänderungen im Alltag
Patienteninstruktion
Es wird angeraten, Patienten und deren Betreuer explizit auf diese Risiken hinzuweisen. Betroffene sollen darüber aufgeklärt werden, bei Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen oder ein Krankenhaus aufzusuchen.
Betroffene Wirkstoffe
Die Warnhinweise gelten klassenübergreifend, da in den Studien keine substantiellen Unterschiede im Risiko zwischen den verschiedenen Antidepressiva festgestellt wurden. Zu den betroffenen Wirkstoffen zählen laut Dokument:
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Amitriptylin, Clomipramin, Dosulepin, Doxepin, Imipramin, Lofepramin, Nortriptylin, Trimipramin
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Mianserin, Trazodon, Phenelzin, Isocarboxazid, Tranylcypromin, Moclobemid
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Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin, Duloxetin
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Flupentixol, Mirtazapin, Reboxetin, Maprotilin, Venlafaxin, Tryptophan sowie Bupropion
💡Praxis-Tipp
Das erhöhte Risiko für suizidales Verhalten betrifft laut BfArM alle Klassen von Antidepressiva gleichermaßen, es gibt hierbei keine sicheren Ausweichpräparate. Es wird dringend empfohlen, bei Patienten unter 25 Jahren besonders in der Frühphase der Therapie auf ungewöhnliche Verhaltensänderungen und Suizidgedanken zu achten.
Häufig gestellte Fragen
Laut BfArM besteht ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten insbesondere bei jungen Erwachsenen unter 25 Jahren sowie bei Kindern und Jugendlichen. Bei älteren Patienten überwiegt hingegen der suizidpräventive Effekt der Medikamente.
Die Meta-Analyse zeigte keine substantiellen Unterschiede zwischen den verschiedenen Wirkstoffgruppen. Die Warnhinweise bezüglich Suizidalität gelten daher für alle gängigen Antidepressiva.
Es wird eine engmaschige Überwachung hinsichtlich einer klinischen Verschlechterung, Suizidgedanken oder ungewöhnlichen Verhaltensänderungen empfohlen. Patienten und Angehörige sollen über die Notwendigkeit sofortiger ärztlicher Hilfe bei Selbstverletzungsgedanken aufgeklärt werden.
Das BfArM weist darauf hin, dass nach Beendigung der Therapie mit bestimmten Antidepressiva Absetzerscheinungen auftreten können. Dies betrifft insbesondere Wirkstoffe aus der Gruppe der SSRI und SNRI sowie Paroxetin und Venlafaxin.
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Quelle: Antidepressiva: Erhöhtes Risiko zu suizidalem Verhalten bei Erwachsenen unter 25 Jahren (BfArM, 2008). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.