AkdÄ2010

Bevacizumab: Risiko für gastrointestinale Perforationen

Diese Leitlinie stammt aus 2010 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AkdÄ (2010)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Bekanntgabe der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) thematisiert das Risiko von gastrointestinalen Perforationen unter der Therapie mit Bevacizumab (Avastin). Bevacizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der als VEGF-Inhibitor die Tumorgefäßneubildung hemmt.

Das Medikament wird in Kombinationstherapien bei metastasierten Kolon-, Rektum-, Mamma-, Nierenzell- und nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinomen eingesetzt. Zu den bekannten schwerwiegenden Nebenwirkungen zählen unter anderem thromboembolische Ereignisse, Blutungen und Wundheilungsstörungen.

Eine systematische Metaanalyse untersuchte die Inzidenz und Risikofaktoren der Magen-Darm-Perforationen. Die Ergebnisse sollen eine präzisere Risikoabschätzung im klinischen Alltag ermöglichen.

Empfehlungen

Die AkdÄ formuliert basierend auf der Metaanalyse folgende Kernaspekte zur Arzneimittelsicherheit:

Inzidenz und Letalität

Unter der Behandlung mit Bevacizumab wird eine Inzidenz von 0,9 % für gastrointestinale Perforationen beschrieben. Das Risiko ist im Vergleich zu herkömmlichen Zytostatika signifikant erhöht.

Die Letalität dieser Ereignisse ist mit 21,7 % hoch. Es wird eine entsprechende Aufklärung der Betroffenen vor Therapiebeginn empfohlen.

Risikofaktoren

Laut Dokument sollten bei der Risikoabschätzung verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Ein erhöhtes Risiko besteht insbesondere bei:

  • Kolorektalen Karzinomen und Nierenzellkarzinomen

  • Höheren Dosierungen von Bevacizumab

  • Einem Lebensalter über 65 Jahren

  • Divertikulitiden oder Ulzerationen in der Vorgeschichte

  • Vorangegangener Bestrahlung des Abdomens oder kürzlich durchgeführten Endoskopien

  • Darmwandbeteiligung und abdomineller Metastasierung

Wiederaufnahme der Therapie

Eine erneute Behandlung mit Bevacizumab nach einer Perforation kann in seltenen Ausnahmesituationen gerechtfertigt sein. Dies setzt ein klinisch sehr gutes Ansprechen auf die vorherige Therapie voraus.

Zudem muss eine konkrete Ursache der Perforation, wie ein einzelnes Divertikel, vorgelegen haben und erfolgreich behandelt worden sein. In diesen Fällen wird eine Fortführung in der niedrigeren Dosierung von 2,5 mg/kg pro Woche in Betracht gezogen.

Dosierung

Das Risiko für gastrointestinale Perforationen ist laut Metaanalyse dosisabhängig. Die folgende Tabelle stellt das relative Risiko (RR) im Vergleich zu herkömmlichen Zytostatika dar:

Bevacizumab-DosisRelatives Risiko (RR)95-%-Konfidenzintervall
2,5 mg/kg pro Woche1,610,76–3,38
5,0 mg/kg pro Woche2,671,14–6,26
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💡Praxis-Tipp

Das Risiko für eine gastrointestinale Perforation unter Bevacizumab ist stark vom Tumortyp und der Dosierung abhängig. Besonders bei älteren Personen über 65 Jahren sowie bei einer Vorgeschichte mit Divertikulitiden oder abdominellen Bestrahlungen wird eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung empfohlen. Aufgrund der hohen Letalität von über 20 % ist eine rasche Diagnostik bei unklaren abdominellen Beschwerden essenziell.

Häufig gestellte Fragen

Laut AkdÄ liegt die Inzidenz bei etwa 0,9 %. Das Risiko ist im Vergleich zu herkömmlichen Zytostatika um das 2,14-Fache erhöht.

Ein erhöhtes Risiko besteht bei kolorektalen Karzinomen, Nierenzellkarzinomen und einem Alter über 65 Jahren. Auch Divertikulitiden, Ulzerationen oder eine abdominelle Bestrahlung in der Vorgeschichte gelten als Risikofaktoren.

Eine erneute Behandlung wird nur in seltenen Fällen bei sehr gutem klinischem Ansprechen erwogen. Voraussetzung ist, dass eine konkrete Ursache der Perforation erfolgreich behandelt wurde.

Es wird vermutet, dass die Tumorregression zu Nekrosen und anschließender Perforation führt. Zudem stört die VEGF-Hemmung die Wundheilung und Regeneration der Darmschleimhaut.

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Quelle: AkdÄ Bekanntgabe: Metaanalyse zum Risiko von gastrointestinalen Perforationen bei Tumorpatienten, die mit Bevacizumab (Avastin®) behandelt werden (AkdÄ, 2010). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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