Hüftarthrose Leitlinie 2023 (AAOS): Therapie & OP
📋Auf einen Blick
- •Hyaluronsäure-Injektionen zeigen keinen Vorteil gegenüber Placebo und werden stark abgelehnt.
- •NSAR sind die medikamentöse Therapie der Wahl; orale Opioide sollen nicht eingesetzt werden.
- •Tranexamsäure (TXA) wird bei einer Hüft-TEP dringend zur Reduktion des Blutverlusts empfohlen.
- •Bei älteren Patienten sollte eine zementierte Femurverankerung zur Vermeidung periprothetischer Frakturen erwogen werden.
- •Es gibt keinen überlegenen chirurgischen Zugangsweg bei der Implantation einer Hüft-TEP.
Hintergrund
Die Hüftarthrose (Coxarthrose) führt zu Schmerzen, eingeschränkter Mobilität und verminderter Lebensqualität. Die aktuelle Leitlinie der American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS) aus dem Jahr 2023 bewertet die Evidenz für konservative und operative Therapiemaßnahmen bei symptomatischer Hüftarthrose.
Konservative Therapie
Die nicht-operative Behandlung zielt auf die Schmerzreduktion und den Funktionserhalt ab.
| Therapieform | Maßnahme | Empfehlungsgrad | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Medikamentös | NSAR | Stark (Dafür) | Mittel der Wahl zur Schmerz- und Funktionsverbesserung (sofern keine Kontraindikationen bestehen). |
| Medikamentös | Paracetamol | Konsens | Kann als Alternative zur Schmerzlinderung erwogen werden. |
| Medikamentös | Opioide | Konsens (Dagegen) | Sollen in der konservativen Therapie nicht eingesetzt werden. |
| Injektion | Kortikosteroide | Moderat (Dafür) | Zur kurzfristigen Verbesserung von Schmerz und Funktion. |
| Injektion | Hyaluronsäure | Stark (Dagegen) | Keine Besserung gegenüber Placebo. Soll nicht verwendet werden. |
| Physikalisch | Physiotherapie | Moderat (Dafür) | Bei leichter bis mittelschwerer Arthrose zur Funktionsverbesserung empfohlen. |
Operative Therapie (Hüft-TEP)
Für Patienten mit symptomatischer Hüftarthrose, die sich einer totalen Hüftendoprothese (TEP) unterziehen, gelten spezifische perioperative und chirurgische Empfehlungen.
Perioperatives Management
- Tranexamsäure (TXA): Eine starke Empfehlung besteht für den Einsatz von intravenöser oder topischer TXA zur Reduktion von Blutverlust und Transfusionsbedarf.
- Anästhesie: Eine rückenmarksnahe Anästhesie (Neuraxial) kann erwogen werden, um unerwünschte Ereignisse zu reduzieren (Limitierte Evidenz).
Chirurgische Technik
| Aspekt | Empfehlung | Evidenzgrad | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Zugangsweg | Individuell | Moderat | Kein Zugang ist überlegen. Jeder Zugang hat spezifische Risiken und Vorteile, die individuell abgewogen werden müssen. |
| Schaftverankerung | Zementiert (bei Älteren) | Moderat | Zementierte Femurschäfte senken bei älteren Patienten das Risiko periprothetischer Frakturen signifikant. |
Postoperative Rehabilitation
Es gibt eine moderate Empfehlung, dass sowohl formale Physiotherapie als auch unangeleitetes Heimtraining nach einer Hüft-TEP zu vergleichbar guten Ergebnissen führen. Die Wahl kann an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden.
Risikofaktoren und Komorbiditäten
Verschiedene Patientenmerkmale beeinflussen das Outcome nach einer Hüft-TEP. Die Evidenz hierfür ist meist limitiert:
- BMI: Ein erhöhter BMI steigert das Risiko für Komplikationen. Dennoch erreichen diese Patienten eine vergleichbare relative Besserung ihrer Lebensqualität, auch wenn die absoluten Scores niedriger bleiben.
- Diabetes: Schlecht eingestellter Diabetes erhöht das Risiko für postoperative unerwünschte Ereignisse.
- Tabakkonsum: Raucher haben ein erhöhtes Komplikationsrisiko nach einer Hüft-TEP.
- Stiff-Spine-Syndrom: Patienten mit einer versteiften Wirbelsäule haben ein erhöhtes Luxationsrisiko (Konsens).
- Soziale Determinanten: Niedrige Bildung, geringes Einkommen oder bestimmte Versicherungsarten können Liegedauer, Kosten und Mortalität negativ beeinflussen.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei Coxarthrose auf intraartikuläre Hyaluronsäure und orale Opioide. Klären Sie ältere Patienten vor einer Hüft-TEP über die Vorteile einer zementierten Schaftverankerung zur Frakturprophylaxe auf.