Zervixkarzinom: Screening, Kolposkopie und Therapie
Hintergrund
Zervixkarzinome werden primär durch persistierende Infektionen mit Hochrisiko-HPV-Genotypen verursacht. Die WHO-Leitlinie fokussiert sich auf die technische Ausstattung zur Prävention in ressourcenschwachen Regionen.
Ein zentrales Konzept der Leitlinie ist der "Screen-and-Treat"-Ansatz. Hierbei erfolgt die Behandlung von präkanzerösen Läsionen idealerweise in derselben Sitzung ("Single Visit Approach") unmittelbar nach einem positiven Screening-Ergebnis.
Um eine sichere und effektive Versorgung zu gewährleisten, definiert das Dokument Mindestanforderungen an die Qualität, Leistung und Wartung der eingesetzten Medizinprodukte und In-vitro-Diagnostika (IVD).
Empfehlungen
Die WHO-Leitlinie formuliert folgende technische und prozessuale Kernempfehlungen:
Screening und Diagnostik
Für die Erkennung präkanzeröser Läsionen werden verschiedene Methoden beschrieben:
-
HPV-Tests (NAT): Erkennung von Hochrisiko-Genotypen (mindestens HPV 16 und 18). Die Selbstabnahme durch die Patientin wird als valide Alternative zur ärztlichen Abstrichnahme beschrieben.
-
VIA (Visual Inspection with Acetic Acid): Es wird die Verwendung von 3-5%iger Essigsäure empfohlen, idealerweise angemischt mit destilliertem Wasser.
-
Kolposkopie: Empfohlen wird eine Vergrößerung von 3x bis 15x sowie eine Weißlicht-Beleuchtung (Halogen oder LED) mit einem Grünfilter zur besseren Gefäßdarstellung.
Therapieoptionen
Die Leitlinie vergleicht drei primäre Behandlungsmodalitäten für präkanzeröse Läsionen:
| Therapiemethode | Wirkprinzip | Infrastruktur-Bedarf | Gewebeprobe möglich |
|---|---|---|---|
| Thermoablation | Gewebezerstörung durch Hitze (100 °C) | Zuverlässige Stromquelle (auch Akku) | Nein |
| Kryotherapie | Gewebezerstörung durch Kälte (<-50 °C) | Medizinisches Gas (CO2/N2O) oder Strom | Nein |
| LLETZ (LEEP) | Gewebeentfernung durch elektrisches Schneiden | Kontinuierliche Stromquelle, Rauchabzug | Ja |
Technische Anforderungen an Therapiegeräte
Für die Durchführung der Behandlungen definiert die Leitlinie spezifische Geräteanforderungen:
-
Thermoablation: Die Sondenspitze muss eine Zieltemperatur von 100 °C erreichen. Es werden flache oder leicht genippelte Sonden (max. 5 mm Extrusion) empfohlen.
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Kryotherapie: Die Sondenspitze muss Temperaturen von unter -50 °C im Zentrum erreichen. Es wird die Nutzung geschlossener Systeme empfohlen.
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LLETZ: Erfordert elektrochirurgische Einheiten (ESU) mit Monopolar-Modus und einer "Blended Current"-Funktion (30-50 Watt für Schneiden und Koagulieren).
Hygiene und Wartung
Es wird eine strikte Dekontamination aller wiederverwendbaren Instrumente (wie Spekula und Sonden) gemäß den Herstellerangaben empfohlen.
Zudem betont die Leitlinie die Wichtigkeit eines Qualitätsmanagementsystems (QMS) sowie regelmäßiger Wartungsintervalle für alle technischen Geräte.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie dürfen konische Sondenspitzen oder Sonden, die in die Endozervix hineinreichen, weder bei der Thermoablation noch bei der Kryotherapie von präkanzerösen Läsionen verwendet werden.
Es wird davon abgeraten, bei LLETZ-Prozeduren unzureichend isolierte Spekula zu verwenden, da diese das Verletzungsrisiko durch fehlgeleiteten Strom erhöhen.
Die Leitlinie warnt vor der Durchführung monopolarer Elektrochirurgie bei Patientinnen mit implantierten elektronischen Geräten (z. B. Herzschrittmachern) ohne vorherige fachärztliche Konsultation.
💡Praxis-Tipp
Es wird dringend empfohlen, bei der LLETZ-Prozedur ein Rauchabzugssystem zu verwenden. Die Leitlinie warnt davor, dass der entstehende Geweberauch karzinogene Bestandteile enthalten kann und zudem die visuelle Beurteilung der Zervix während des Eingriffs stark behindert.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt für die visuelle Inspektion (VIA) eine Essigsäurekonzentration von 3 bis 5 Prozent. Diese sollte idealerweise mit destilliertem Wasser frisch angemischt werden.
Es wird empfohlen, dass die Sondenspitze bei der Thermoablation eine Zieltemperatur von exakt 100 °C erreicht. Dies gewährleistet eine ausreichende Gewebenekrose ohne Verkohlung.
Laut Leitlinie eignen sich sowohl Kohlendioxid (CO2) als auch Lachgas (N2O) für die Kryotherapie. CO2 wird jedoch oft bevorzugt, da es kostengünstiger und leichter verfügbar ist.
Ja, die Leitlinie beschreibt die Selbstabnahme von vaginalen Abstrichen als valide Alternative zur ärztlichen Probenentnahme. Dies wird besonders in ressourcenschwachen Regionen als vorteilhaft bewertet.
Für die LLETZ-Prozedur wird eine elektrochirurgische Einheit (ESU) mit einem Monopolar-Modus empfohlen. Zudem ist eine "Blended Current"-Funktion erforderlich, die das gleichzeitige Schneiden und Koagulieren ermöglicht.
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Quelle: WHO technical guidance and specifications of medical devices for screening and treatment of precancerous lesions in the prevention of cervical cancer (WHO, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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