HPV-Selbstabstrich: Leitlinie (WHO)
📋Auf einen Blick
- •Die WHO empfiehlt den HPV-Selbstabstrich als zusätzliche Methode im Zervixkarzinom-Screening für Frauen zwischen 30 und 60 Jahren.
- •Als primärer Screening-Test wird der HPV-DNA-Nachweis gegenüber der visuellen Inspektion (VIA) oder Zytologie bevorzugt.
- •Das Angebot von Selbsttests kann die Inanspruchnahme von Screening-Leistungen nahezu verdoppeln.
- •Frauen mit HIV sollten bereits ab 25 Jahren regelmäßig gescreent werden.
Hintergrund
Das Zervixkarzinom ist weltweit die vierthäufigste Krebsart bei Frauen. Im Jahr 2020 traten etwa 90 % der neuen Fälle und Todesfälle in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf. 99 % der Zervixkarzinom-Fälle sind mit einer Infektion durch sexuell übertragbare Hochrisiko-Typen des humanen Papillomavirus (HPV) assoziiert. Da viele Frauen keinen Zugang zu regulären Screening-Programmen haben, stellt der HPV-Selbstabstrich eine wichtige Intervention dar, um die globale Zielvorgabe von 70 % Screening-Abdeckung bis 2030 zu erreichen.
Indikation und Zielgruppe
Die WHO empfiehlt den HPV-DNA-Nachweis als primären Screening-Test anstelle von visueller Inspektion mit Essigsäure (VIA) oder Zytologie. Der HPV-Selbstabstrich soll als zusätzliche Methode im Rahmen des Screenings angeboten werden.
| Zielgruppe | Alter für Screening-Beginn | Empfehlung zum Selbstabstrich |
|---|---|---|
| Allgemeine weibliche Bevölkerung | ab 30 Jahren | Empfohlen (für Frauen von 30-60 Jahren) |
| Frauen mit HIV-Infektion | ab 25 Jahren | Empfohlen |
Vorteile des HPV-Selbstabstrichs
Die Möglichkeit zum Selbstabstrich kann die Inanspruchnahme von Zervixkarzinom-Screenings nahezu verdoppeln. Die Methode zeichnet sich durch eine hohe Akzeptanz aus, da sie Barrieren wie Angst, Scham oder weite Anfahrtswege abbaut.
| Aspekt | Vorteile für Patientinnen |
|---|---|
| Komfort & Privatsphäre | Durchführung in privater Umgebung, weniger Scham, weniger Schmerzen und Angst |
| Ressourcen | Zeit- und Aufwandsersparnis, kosteneffektiv, keine weiten Wege zur Klinik |
| Anwendung | Einfach, schnell, sicher und benutzerfreundlich |
Durchführung des Selbstabstrichs
Der Selbstabstrich kann zu Hause, in einer Gesundheitseinrichtung oder an einem anderen Ort durchgeführt werden. Der allgemeine Ablauf stellt sich wie folgt dar:
| Schritt | Aktion |
|---|---|
| 1. Abstrichnahme | Tupfer oder Bürste in die Vagina einführen und für 10-30 Sekunden sanft rotieren. |
| 2. Transfer | Tupfer/Bürste entnehmen und in das mitgelieferte Sammelröhrchen überführen. |
| 3. Vorbereitung | Schaft des Tupfers/der Bürste abbrechen und verwerfen. |
| 4. Versiegelung | Röhrchen sicher verschließen und beschriften. |
| 5. Versand | Probe über medizinisches Personal, Klinik oder Post an das Labor senden. |
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung
Damit der HPV-Selbstabstrich effektiv in bestehende Programme integriert werden kann, müssen laut WHO folgende Kriterien erfüllt sein:
- Information: Klare Aufklärung der Frauen über Nutzen, korrekte Durchführung und weiteres Vorgehen.
- Anbindung an die Versorgung: Sicherstellung von Follow-up-Untersuchungen und Therapie bei positiven Testergebnissen.
- Qualitätsprodukte: Verwendung von validierten Selbstabstrich-Kits, die für die verfügbaren HPV-Labortests zugelassen sind.
- Richtlinien: Anpassung nationaler Screening-Strategien zur Einbindung des Selbstabstrichs.
- Monitoring: Überwachung von Inanspruchnahme, Kosten für Nutzerinnen und Identifikation möglicher sozialer Nachteile.
💡Praxis-Tipp
Stellen Sie sicher, dass Patientinnen mit einem positiven HPV-Selbstabstrich nahtlos an die klinische Follow-up-Diagnostik und Therapie angebunden werden, da hier laut WHO die größten Versorgungslücken bestehen.