Zahnnichtanlagen & Syndrome: Implantate und Prothetik

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Zahnnichtanlagen stellen mit einer geschätzten Prävalenz von 5,5 Prozent die häufigste angeborene Fehlbildung des Menschen dar. Sie variieren im Schweregrad vom Fehlen einzelner Zähne (Hypodontie) bis hin zum Fehlen von sechs oder mehr Zähnen (Oligodontie) oder aller Zähne (Anodontie). Diese Nichtanlagen können isoliert oder im Rahmen von Syndromen, wie der ektodermalen Dysplasie, auftreten.

Die betroffenen Patienten fallen meist bereits im Kindesalter während der Wechselgebissphase auf. Eine frühzeitige kaufunktionelle und ästhetische Rehabilitation wird aus funktionellen und entwicklungspsychologischen Gründen angestrebt, um die Lebensqualität der jungen Patienten zu verbessern.

Lokal an der Stelle der Zahnnichtanlage fehlt meist das übliche Volumen des Alveolarfortsatzknochens, da dieser ein Produkt des durchbrechenden Zahns ist. Der Knochen ist oft sehr hart, spröde und stark kortikalisiert, was sowohl Implantationen als auch kieferorthopädische Zahnbewegungen erschwert.

Klinischer Kontext

Multiple Zahnnichtanlagen (Oligodontie) treten in der Allgemeinbevölkerung mit einer Prävalenz von etwa 0,1 bis 0,2 Prozent auf. Sie sind häufig mit genetischen Syndromen wie der ektodermalen Dysplasie assoziiert, können aber auch isoliert vorkommen.

Die fehlende Anlage von Zähnen führt zu einer unzureichenden Entwicklung des Alveolarknochens, da der funktionelle Wachstumsreiz durch den Zahndurchbruch ausbleibt. Dies resultiert in einem ausgeprägten vertikalen und transversalen Knochendefizit im betroffenen Kieferbereich.

Für Patienten bedeutet die Oligodontie oft eine erhebliche funktionelle und psychosoziale Belastung durch Einschränkungen beim Kauen, Sprechen und in der Ästhetik. Eine frühzeitige prothetische Rehabilitation, häufig unter Einbeziehung von Zahnimplantaten, ist essenziell für die normale kraniofaziale Entwicklung und den Erhalt der Lebensqualität.

Die Diagnostik stützt sich primär auf die klinische Inspektion und bildgebende Verfahren wie das Orthopantomogramm oder die digitale Volumentomographie. Ergänzend erfolgt oft eine humangenetische Abklärung, um zugrunde liegende syndromale Erkrankungen frühzeitig zu identifizieren und interdisziplinär zu betreuen.

Wissenswertes

Bei schweren Formen der Oligodontie oder Anodontie können Implantate im Frontzahnbereich des Unterkiefers oft schon im Vorschulalter inseriert werden. Dies dient der Stabilisierung von Totalprothesen und fördert die psychosoziale Entwicklung. Im Oberkiefer wird hingegen meist das Wachstumsende abgewartet.

Zahnimplantate verhalten sich wie ankylosierte Zähne und wachsen nicht mit dem umgebenden Alveolarknochen mit. Dies kann im Seitenzahnbereich oder im Oberkiefer zu einer relativen Infraposition des Implantats führen. Daher erfordert die prothetische Versorgung regelmäßige Anpassungen während der kindlichen Wachstumsphase.

Eine umfassende klinische und radiologische Untersuchung, meist mittels digitaler Volumentomographie, bildet die Grundlage zur Beurteilung des Knochenangebots. Zudem ist eine interdisziplinäre Abklärung inklusive Humangenetik ratsam, um mögliche Begleitsymptome syndromaler Erkrankungen zu erfassen.

Durch das Fehlen der Zahnanlagen entwickelt sich der Alveolarfortsatz nicht regulär, was zu extrem schmalen und niedrigen Kieferkämmen führt. Augmentative Verfahren sind daher technisch sehr anspruchsvoll und weisen aufgrund der veränderten Knochenmorphologie oft eine reduzierte Vorhersagbarkeit auf.

Bis zum Abschluss des Kieferwachstums kommen häufig herausnehmbare Kinderprothesen oder laborgefertigte Lückenhalter zum Einsatz. Diese Konstruktionen müssen regelmäßig an das Kieferwachstum und den Durchbruch eventuell vorhandener Zähne angepasst werden.

Die Überlebensraten von Implantaten bei diesen Patienten sind im Unterkiefer im Allgemeinen sehr hoch und vergleichbar mit denen gesunder Personen. Im Oberkiefer und bei sehr jungen Patienten zeigen klinische Daten jedoch eine tendenziell höhere Verlustrate aufgrund der geringeren Knochenqualität.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Es wird darauf hingewiesen, dass auch bei jungen Erwachsenen über das 18. Lebensjahr hinaus bis zur dritten Lebensdekade regelhaft alveoläre Wachstumsvorgänge auftreten. Insbesondere bei Männern im anterioren Oberkiefer kann eine zu frühe Implantation zu einer sekundären Infraokklusion führen, weshalb Implantate in dieser Region möglichst spät gesetzt werden sollten.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie sollten Implantate vor dem 12. Lebensjahr nur in seltenen Ausnahmefällen, wie bei Anodontie oder schwerer Oligodontie, gesetzt werden. Im Adoleszentenalter ist eine Implantation im Einzelfall abzuwägen, da das Restwachstum des Kiefers zu einer Infraokklusion des Implantats führen kann.

Bei bis zu zwei nebeneinander fehlenden Zähnen werden non- oder minimalinvasive Adhäsivbrücken empfohlen. Bei multiplen Nichtanlagen ist bis zum Wachstumsabschluss häufig ein herausnehmbarer Zahnersatz das Mittel der Wahl.

Es wird eine rechtzeitige Entfernung empfohlen, wenn die Infraokklusion des Milchzahns das Kontaktpunktniveau der Nachbarzähne unterschreitet oder noch erhebliches Wachstum zu erwarten ist. Dies dient dazu, eine Wachstumshemmung des Alveolarfortsatzes zu verhindern.

Bei Kindern und Jugendlichen kann der kieferorthopädische Lückenschluss als primäre Therapie erwogen werden, besonders bei Engständen oder Klasse-II-Anomalien. Die Entscheidung hängt jedoch von individuellen dentalen und skelettalen Parametern ab.

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Quelle: Zahnimplantatversorgungen bei multiplen Zahnnichtanlagen und Syndromen (AWMF). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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