Zahnimplantate im Alter: Diagnostik und Chirurgie
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie behandelt die Implantatversorgung im fortgeschrittenen Lebensalter. Aufgrund hoher Erfolgsraten werden Implantate zunehmend auch bei älteren Menschen eingesetzt, wobei gesunde ältere Personen ähnliche Implantatüberlebensraten wie jüngere zeigen.
Das chronologische Alter allein ist laut Leitlinie kein Ausschlusskriterium. Vielmehr bestimmen individuelle Faktoren wie Multimorbidität, Polypharmazie sowie kognitive und manuelle Fähigkeiten die Therapieplanung.
Ein zentrales Ziel bei der Behandlung vulnerabler Gruppen ist die Reduktion der chirurgischen Invasivität. Zudem erfordert die altersbedingte Abnahme der Neuroplastizität angepasste prothetische Konzepte, um Adaptationsschwierigkeiten zu vermeiden.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie führt eine alleinige prothetische Neuversorgung und die damit verbesserte Kaufähigkeit nicht zwingend zu einer verbesserten Ernährung. Es wird darauf hingewiesen, dass bei Gewichtsverlusten nach der Versorgung eine Ernährungsberatung oder ein Kautraining eingeleitet werden sollte. Zudem wird gewarnt, dass bei pflegebedürftigen Personen das nächtliche Tragen von Prothesen das Risiko für Aspirationspneumonien signifikant erhöht.
Häufig gestellte Fragen
In klinischen Studien konnte kein Unterschied zwischen gesunden älteren und jüngeren Personen bezüglich des Implantatüberlebens festgestellt werden. Die Leitlinie gibt an, dass die 5-Jahres-Überlebensrate bei über 75-Jährigen bei etwa 96 Prozent liegt.
Um invasive Augmentationen zu umgehen, nennt die Leitlinie die Verwendung von kurzen Implantaten als Alternative zum vertikalen Aufbau. Bei horizontaler Atrophie kann auf durchmesserreduzierte Implantate oder Mini-Implantate zurückgegriffen werden.
Die Leitlinie rät bei unzureichender Mundhygiene vom nächtlichen Tragen ab. Es wird gewarnt, dass das Tragen während des Schlafs das Risiko für Aspirationspneumonien, insbesondere bei sehr alten Menschen, deutlich erhöht.
Zur objektiven Beurteilung der Kaufähigkeit empfiehlt die Leitlinie einfache Kaugummitests. Dabei wird beispielsweise die Farbmischung eines zweifarbigen Kaugummis nach einer definierten Anzahl von Kauzyklen analysiert.
Der kognitive Zustand muss bei der Therapieplanung zwingend berücksichtigt werden. Bei Zweifeln an der kognitiven Fähigkeit können laut Leitlinie einfache Tests wie der Uhren-Zeichen-Test oder der Prothesen-Präsentationstest zur initialen Einschätzung genutzt werden.
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Quelle: Implantatversorgung im fortgeschrittenen Lebensalter (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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