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Vollkeramik-Implantatprothetik: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Für implantatgetragene Einzelkronen werden Lithiumdisilikat, leuzitverstärkte Silikatkeramik oder Zirkonoxid empfohlen.
  • Resin-Nano-Keramiken sollen für Einzelkronen aufgrund niedriger Überlebensraten nicht verwendet werden.
  • Monolithische oder mikroverblendete Restaurationen sind vollverblendeten vorzuziehen, um das Chipping-Risiko zu minimieren.
  • Kurzspannige Seitenzahnbrücken (3-4-gliedrig) sollten aus Zirkonoxid (3Y-TZP, >1000 MPa) gefertigt werden.
  • Bei Bruxismus ist eine Aufklärung über erhöhte Komplikationsrisiken sowie die Versorgung mit einer Schutzschiene indiziert.
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Hintergrund

Die prothetische Rehabilitation auf dentalen Implantaten mittels vollkeramischer Restaurationen bietet eine sehr gute Biokompatibilität und Ästhetik. Durch CAD/CAM-Technologien haben sich die Fertigungsmöglichkeiten und Restaurationsdesigns (z. B. Titanklebebasen, Hybridabutments) stetig weiterentwickelt. Die S3-Leitlinie bewertet die Evidenz für implantatgetragene Einzelkronen, kurzspannige Brücken und Full-Arch-Restaurationen.

Vollkeramische Werkstoffe

Die Leitlinie unterscheidet primär zwischen Zirkonoxid, Lithium-Silikatkeramiken und Resin-Nano-Ceramics. Zirkonoxid wird in verschiedene Generationen unterteilt, die sich in Festigkeit und Transluzenz unterscheiden:

GenerationMaterialFestigkeit (MPa)Transluzenz (%)
1 & 23Y-TZP900 – 150020 – 25
35Y-TZP400 – 90035 – 40
44Y-TZP600 – 100030
55Y-TZP550 – 100035 – 40

Hinweis: Die klinische Evidenz für Brücken und Full-Arch-Restaurationen bezieht sich in der Leitlinie ausschließlich auf 3Y-TZP Zirkonoxid.

Implantatgetragene Einzelkronen

Für die Versorgung mit Einzelkronen gelten folgende Kernaussagen:

  • Empfohlen (Grad B): Lithiumdisilikatkeramik, leuzitverstärkte Silikatkeramik oder Zirkonoxid.
  • Nicht empfohlen (Grad B): Resin-Nano-Keramik (aufgrund niedriger Überlebensraten durch Frakturen und Retentionsprobleme).
  • Design (Grad A): Monolithische Kronen oder Kronen mit Mikroverblendung sollen vollverblendeten Kronen vorgezogen werden, um das Risiko von oberflächlichen Keramikabplatzungen (Chipping) zu verringern.

Kurzspannige Brücken (3- bis 4-gliedrig)

Für den Seitenzahnbereich liegen belastbare Daten vor:

  • Material (Grad B): Brücken sollten aus Zirkonoxid (3Y-TZP mit >1000 MPa) gefertigt werden.
  • Design (Grad B): Monolithische Zirkonoxid-Brücken sollten vollverblendeten Konstruktionen vorgezogen werden (Chipping-Vermeidung).
  • Frontzahnbereich (Konsens): Hier können mikroverblendete monolithische Zirkonoxidbrücken bevorzugt werden, um Ästhetik und Stabilität zu vereinen.
  • Befestigung: Die Brücken können entweder über Titanklebebasen verschraubt oder auf individuellen Titan-/Hybridabutments zementiert bzw. adhäsiv befestigt werden.

Full-Arch-Restaurationen

Bei der Versorgung des zahnlosen Kiefers ist die Datenlage noch limitiert:

  • Material (Grad 0): Es kann eine vollverblendete oder mikroverblendete monolithische Restauration aus 3Y-TZP Zirkonoxid verwendet werden.
  • Aufklärung (Grad A): Patienten sollen über die unzureichende Datenlage (nur kurze Beobachtungszeiträume) und teils hohe technische Komplikationsraten aufgeklärt werden.
  • Konstruktion (Konsens): Eine sichere Abnehmbarkeit durch Verschraubung (Titanklebebasen, Multiunitaufbauten) soll realisierbar sein.

Übergeordnete Empfehlungen für den Praxisalltag

AspektEmpfehlungBemerkung
BruxismusAufklärung & SchutzschieneBei (wahrscheinlichem) Bruxismus besteht ein erhöhtes Komplikationsrisiko. Eine nächtliche Schutzschiene sollte eingegliedert werden.
OkklusionRegelmäßige KontrolleBesonders bei hochfestem monolithischem Zirkonoxid wichtig, um eine Überlastung der Implantat-Abutment-Verbindung zu vermeiden.
EinschleifenZwingende PoliturNach intraoralen Einschleifmaßnahmen soll eine adäquate Politur auf Hochglanz erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Bevorzugen Sie bei implantatgetragenen Kronen und Brücken monolithische oder mikroverblendete Zirkonoxid-Restaurationen gegenüber vollverblendeten Varianten. Dies senkt das Risiko von Keramikabplatzungen (Chipping) signifikant. Bei Bruxismus-Patienten ist die Eingliederung einer nächtlichen Schutzschiene dringend zu empfehlen.

Häufig gestellte Fragen

Empfohlen werden Lithiumdisilikatkeramik, leuzitverstärkte Silikatkeramik oder Zirkonoxid. Resin-Nano-Keramiken weisen niedrige Überlebensraten auf und sollen nicht verwendet werden.
Monolithische oder mikroverblendete Restaurationen sollen vollverblendeten Konstruktionen vorgezogen werden, da sie ein deutlich geringeres Risiko für oberflächliche Keramikabplatzungen (Chipping) aufweisen.
Die aktuelle Evidenz stützt sich auf 3Y-TZP-Zirkonoxid (1. und 2. Generation) mit einer Biegefestigkeit von >1000 MPa. Für neuere Generationen (z. B. 4Y-TZP, 5Y-TZP) fehlt noch die klinische Langzeitevidenz.
Sie können entweder über Titanklebebasen verschraubt oder auf individuellen Titan- bzw. Hybridabutments zementiert oder adhäsiv befestigt werden. Bei Zementierung sollten individuelle Abutments genutzt werden, um Überschüsse sicher entfernen zu können.
Patienten müssen über das erhöhte Komplikationsrisiko aufgeklärt werden. Zur Vorbeugung technischer Komplikationen sollte nachts zwingend eine Schutzschiene getragen werden.

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