Vollkeramik-Implantatprothetik: S3-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Für implantatgetragene Einzelkronen werden Lithiumdisilikat, leuzitverstärkte Silikatkeramik oder Zirkonoxid empfohlen.
- •Resin-Nano-Keramiken sollen für Einzelkronen aufgrund niedriger Überlebensraten nicht verwendet werden.
- •Monolithische oder mikroverblendete Restaurationen sind vollverblendeten vorzuziehen, um das Chipping-Risiko zu minimieren.
- •Kurzspannige Seitenzahnbrücken (3-4-gliedrig) sollten aus Zirkonoxid (3Y-TZP, >1000 MPa) gefertigt werden.
- •Bei Bruxismus ist eine Aufklärung über erhöhte Komplikationsrisiken sowie die Versorgung mit einer Schutzschiene indiziert.
Hintergrund
Die prothetische Rehabilitation auf dentalen Implantaten mittels vollkeramischer Restaurationen bietet eine sehr gute Biokompatibilität und Ästhetik. Durch CAD/CAM-Technologien haben sich die Fertigungsmöglichkeiten und Restaurationsdesigns (z. B. Titanklebebasen, Hybridabutments) stetig weiterentwickelt. Die S3-Leitlinie bewertet die Evidenz für implantatgetragene Einzelkronen, kurzspannige Brücken und Full-Arch-Restaurationen.
Vollkeramische Werkstoffe
Die Leitlinie unterscheidet primär zwischen Zirkonoxid, Lithium-Silikatkeramiken und Resin-Nano-Ceramics. Zirkonoxid wird in verschiedene Generationen unterteilt, die sich in Festigkeit und Transluzenz unterscheiden:
| Generation | Material | Festigkeit (MPa) | Transluzenz (%) |
|---|---|---|---|
| 1 & 2 | 3Y-TZP | 900 – 1500 | 20 – 25 |
| 3 | 5Y-TZP | 400 – 900 | 35 – 40 |
| 4 | 4Y-TZP | 600 – 1000 | 30 |
| 5 | 5Y-TZP | 550 – 1000 | 35 – 40 |
Hinweis: Die klinische Evidenz für Brücken und Full-Arch-Restaurationen bezieht sich in der Leitlinie ausschließlich auf 3Y-TZP Zirkonoxid.
Implantatgetragene Einzelkronen
Für die Versorgung mit Einzelkronen gelten folgende Kernaussagen:
- Empfohlen (Grad B): Lithiumdisilikatkeramik, leuzitverstärkte Silikatkeramik oder Zirkonoxid.
- Nicht empfohlen (Grad B): Resin-Nano-Keramik (aufgrund niedriger Überlebensraten durch Frakturen und Retentionsprobleme).
- Design (Grad A): Monolithische Kronen oder Kronen mit Mikroverblendung sollen vollverblendeten Kronen vorgezogen werden, um das Risiko von oberflächlichen Keramikabplatzungen (Chipping) zu verringern.
Kurzspannige Brücken (3- bis 4-gliedrig)
Für den Seitenzahnbereich liegen belastbare Daten vor:
- Material (Grad B): Brücken sollten aus Zirkonoxid (3Y-TZP mit >1000 MPa) gefertigt werden.
- Design (Grad B): Monolithische Zirkonoxid-Brücken sollten vollverblendeten Konstruktionen vorgezogen werden (Chipping-Vermeidung).
- Frontzahnbereich (Konsens): Hier können mikroverblendete monolithische Zirkonoxidbrücken bevorzugt werden, um Ästhetik und Stabilität zu vereinen.
- Befestigung: Die Brücken können entweder über Titanklebebasen verschraubt oder auf individuellen Titan-/Hybridabutments zementiert bzw. adhäsiv befestigt werden.
Full-Arch-Restaurationen
Bei der Versorgung des zahnlosen Kiefers ist die Datenlage noch limitiert:
- Material (Grad 0): Es kann eine vollverblendete oder mikroverblendete monolithische Restauration aus 3Y-TZP Zirkonoxid verwendet werden.
- Aufklärung (Grad A): Patienten sollen über die unzureichende Datenlage (nur kurze Beobachtungszeiträume) und teils hohe technische Komplikationsraten aufgeklärt werden.
- Konstruktion (Konsens): Eine sichere Abnehmbarkeit durch Verschraubung (Titanklebebasen, Multiunitaufbauten) soll realisierbar sein.
Übergeordnete Empfehlungen für den Praxisalltag
| Aspekt | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Bruxismus | Aufklärung & Schutzschiene | Bei (wahrscheinlichem) Bruxismus besteht ein erhöhtes Komplikationsrisiko. Eine nächtliche Schutzschiene sollte eingegliedert werden. |
| Okklusion | Regelmäßige Kontrolle | Besonders bei hochfestem monolithischem Zirkonoxid wichtig, um eine Überlastung der Implantat-Abutment-Verbindung zu vermeiden. |
| Einschleifen | Zwingende Politur | Nach intraoralen Einschleifmaßnahmen soll eine adäquate Politur auf Hochglanz erfolgen. |
💡Praxis-Tipp
Bevorzugen Sie bei implantatgetragenen Kronen und Brücken monolithische oder mikroverblendete Zirkonoxid-Restaurationen gegenüber vollverblendeten Varianten. Dies senkt das Risiko von Keramikabplatzungen (Chipping) signifikant. Bei Bruxismus-Patienten ist die Eingliederung einer nächtlichen Schutzschiene dringend zu empfehlen.