WHO2018

Wundinfektionen (SSI): Empfehlungen zur Prävention

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Postoperative Wundinfektionen (Surgical Site Infections, SSI) gehören weltweit zu den häufigsten nosokomialen Infektionen. Sie führen zu einer signifikanten Morbidität, Mortalität und erheblichen Mehrkosten für das Gesundheitssystem.

Die Prävention von SSI ist komplex und erfordert die Integration verschiedener Maßnahmen vor, während und nach einem chirurgischen Eingriff. Die WHO-Leitlinie zielt darauf ab, evidenzbasierte Strategien für Gesundheitseinrichtungen weltweit bereitzustellen.

Dabei werden sowohl ressourcenschwache als auch einkommensstarke Länder berücksichtigt. Die Empfehlungen richten sich an das gesamte chirurgische Team und umfassen den gesamten perioperativen Behandlungspfad.

Die Leitlinie klassifiziert chirurgische Wunden in vier Kategorien, die das Risiko einer postoperativen Wundinfektion mitbestimmen:

WundklasseDefinition
1. ReinUninfizierte Operationswunde ohne Entzündung; Respirationstrakt, Gastrointestinaltrakt, Genitaltrakt und uninfizierter Harntrakt werden nicht eröffnet.
2. Rein-kontaminiertOperationen, bei denen der Respirations-, Gastrointestinal-, Genital- oder Harntrakt unter kontrollierten Bedingungen eröffnet wird.
3. KontaminiertOffene, frische, akzidentelle Wunden; Operationen mit großen Fehlern in der sterilen Technik oder massiver Kontamination aus dem Gastrointestinaltrakt.
4. Schmutzig/InfiziertAlte traumatische Wunden mit devitalisiertem Gewebe oder bestehende klinische Infektionen beziehungsweise perforierte Viszera.

Empfehlungen

Die WHO-Leitlinie formuliert umfassende Empfehlungen zur Prävention von postoperativen Wundinfektionen.

Präoperative Maßnahmen

Es wird empfohlen, dass Patienten vor der Operation duschen oder baden, wobei normale oder antimikrobielle Seife verwendet werden kann (bedingte Empfehlung).

Bei Patienten mit bekanntem nasalen Staphylococcus aureus-Trägertum, die sich herzchirurgischen oder orthopädischen Eingriffen unterziehen, wird eine perioperative intranasale Mupirocin-Applikation (2 %) mit oder ohne Chlorhexidin-Körperwaschung empfohlen (starke Empfehlung).

Die Leitlinie rät dringend von einer präoperativen Haarentfernung durch Rasur ab. Falls eine Haarentfernung zwingend erforderlich ist, sollte diese ausschließlich mit einem Clipper (Haarschneidemaschine) erfolgen (starke Empfehlung).

Für erwachsene Patienten vor elektiver kolorektaler Chirurgie wird eine Kombination aus mechanischer Darmvorbereitung und oralen Antibiotika empfohlen (bedingte Empfehlung). Eine mechanische Darmvorbereitung als alleinige Maßnahme wird abgelehnt (starke Empfehlung).

Die chirurgische Antibiotikaprophylaxe (SAP) sollte innerhalb von 120 Minuten vor der Inzision verabreicht werden (starke Empfehlung). Dabei ist die Halbwertszeit des jeweiligen Antibiotikums zu berücksichtigen.

Intraoperative Maßnahmen

Zur Hautantiseptik im Operationssaal werden alkoholbasierte Lösungen mit Chlorhexidingluconat (CHG) empfohlen (starke Empfehlung).

Für die chirurgische Händedesinfektion wird die Verwendung einer geeigneten antimikrobiellen Seife oder eines alkoholbasierten Präparats vor dem Anziehen steriler Handschuhe empfohlen (starke Empfehlung).

Bei erwachsenen Patienten unter Allgemeinanästhesie mit trachealer Intubation wird eine intraoperative inspiratorische Sauerstofffraktion (FiO2) von 80 % empfohlen (bedingte Empfehlung). Diese sollte nach Möglichkeit für 2 bis 6 Stunden postoperativ fortgeführt werden.

Zudem wird der Einsatz von Wärmesystemen zur Aufrechterhaltung der Normothermie empfohlen (bedingte Empfehlung).

Die Leitlinie empfiehlt die Anwendung von Protokollen zur intensiven perioperativen Blutzuckerkontrolle für Diabetiker und Nicht-Diabetiker (bedingte Empfehlung). Zur Aufrechterhaltung der Normovolämie wird eine intraoperative zielgesteuerte Flüssigkeitstherapie (Goal-Directed Fluid Therapy) vorgeschlagen (bedingte Empfehlung).

Es wird die Verwendung von Triclosan-beschichtetem Nahtmaterial zur Reduktion des SSI-Risikos empfohlen (bedingte Empfehlung). Von der routinemäßigen Verwendung plastischer, adhäsiver Inzisionsfolien wird abgeraten (bedingte Empfehlung).

Postoperative Maßnahmen

Die Leitlinie spricht sich stark gegen eine Verlängerung der chirurgischen Antibiotikaprophylaxe nach Beendigung der Operation aus (starke Empfehlung).

Es wird nicht empfohlen, primär verschlossene Wunden mit speziellen "Advanced Dressings" anstelle von Standardverbänden zu versorgen (bedingte Empfehlung).

Wunddrainagen sollten entfernt werden, sobald dies klinisch indiziert ist.

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Warnhinweise und Kontraindikationen für Antiseptika:

  • Chlorhexidin (CHG) darf nicht in Kontakt mit Gehirn, Meningen, Augen oder dem Mittelohr kommen.

  • Alkoholbasierte Präparate sind leicht entflammbar. Es wird gewarnt, dass diese vor dem Einsatz von Diathermie vollständig verdunsten müssen.

  • Povidon-Iod (PVP-I) darf nicht in Kontakt mit freiliegenden Meningen oder neuralem Gewebe kommen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die routinemäßige Verlängerung der chirurgischen Antibiotikaprophylaxe (SAP) über das Ende der Operation hinaus. Die Leitlinie betont nachdrücklich, dass eine postoperative Fortführung der SAP keinen zusätzlichen Nutzen für die Prävention von Wundinfektionen bietet und stattdessen das Risiko für Antibiotikaresistenzen erhöht. Dies gilt laut Leitlinie ausdrücklich auch dann, wenn Wunddrainagen einliegen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt, die chirurgische Antibiotikaprophylaxe nicht aufgrund einer einliegenden Wunddrainage postoperativ zu verlängern. Es konnte kein Nutzen für die Prävention von Wundinfektionen nachgewiesen werden.

Es wird empfohlen, die Antibiotikaprophylaxe innerhalb von 120 Minuten vor dem Hautschnitt zu verabreichen. Dabei ist die Halbwertszeit des jeweiligen Antibiotikums zu berücksichtigen, um zum Zeitpunkt der Inzision einen adäquaten Wirkspiegel zu gewährleisten.

Eine mechanische Darmvorbereitung als alleinige Maßnahme wird von der Leitlinie nicht empfohlen. Sie sollte nur in Kombination mit der Gabe von oralen Antibiotika bei erwachsenen Patienten vor elektiven kolorektalen Eingriffen erfolgen.

Die Leitlinie empfiehlt die Verwendung von alkoholbasierten antiseptischen Lösungen. Dabei werden Präparate auf Basis von Chlorhexidingluconat (CHG) gegenüber wässrigen Lösungen bevorzugt.

Es wird dringend davon abgeraten, Haare präoperativ oder im Operationssaal zu rasieren, da dies das Infektionsrisiko erhöht. Wenn eine Haarentfernung zwingend erforderlich ist, sollte diese laut Leitlinie ausschließlich mit einem Clipper (Haarschneidemaschine) durchgeführt werden.

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Quelle: Global guidelines for the prevention of surgical site infection (WHO, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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