WHO-Leitlinie 2025: A(H5) Vogelgrippe-Impfstoffe
📋Auf einen Blick
- •Weltweit sind 13 Impfstoffe für die interpandemische und Emergenz-Phase zugelassen.
- •Alle zugelassenen A(H5)-Impfstoffe erfordern ein 2-Dosen-Schema im Abstand von mindestens 21 Tagen.
- •Die Impfstoffe gelten als sicher, weisen jedoch aufgrund von Adjuvanzien eine höhere lokale Reaktogenität auf als saisonale Grippeimpfstoffe.
- •Saisonale Grippeimpfstoffe erzeugen keine neutralisierenden Antikörper gegen aktuelle A(H5N1)-Stämme.
- •Eine anhaltende Mensch-zu-Mensch-Übertragung von A(H5)-Viren ist bisher nicht belegt.
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie (2025) adressiert den Einsatz von humanen Influenza-A(H5)-Impfstoffen während der interpandemischen Phase und der Emergenz-Phase. Seit 2020 zeigt sich eine beispiellose geografische Ausbreitung von A(H5)-Viren (insbesondere Klade 2.3.4.4b) bei Wildvögeln, Geflügel und über 50 Säugetierarten (inklusive Milchkühen in den USA).
| Phase | Definition laut WHO |
|---|---|
| Interpandemisch | Keine humanen A(H5)-Fälle gemeldet, Infektionen bei Tieren kommen vor. |
| Emergenz | Sporadische humane Fälle oder Cluster, keine anhaltende Mensch-zu-Mensch-Übertragung. |
Epidemiologie und Krankheitslast
Die meisten humanen Infektionen resultieren aus direktem oder indirektem Kontakt mit infizierten Tieren oder kontaminierten Umgebungen. Eine anhaltende Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist bisher nicht belegt.
- Gesamtfälle (2003 bis Sept 2025): 991 humane Fälle, 476 Todesfälle.
- Aktuelle Fälle (Jan 2024 bis Sept 2025): 111 Fälle (v.a. Kambodscha, USA).
- Verlauf aktueller Fälle: Überwiegend mild bis moderat (78 Fälle), 10 schwere/kritische Fälle, 15 Todesfälle (13 %).
Verfügbare A(H5)-Impfstoffe
Derzeit verfügen mindestens 21 A(H5)-Impfstoffe über eine aktive Zulassung, davon sind 13 für die interpandemische und/oder Emergenz-Phase zugelassen.
| Eigenschaft | Details |
|---|---|
| Impfschema | 2 Dosen im Abstand von mindestens 21 Tagen |
| Herstellung | Überwiegend eibasiert, 5 Impfstoffe zellbasiert |
| Impfstofftyp | Meist inaktivierte Impfstoffe (IIV), ein Lebendimpfstoff (LAIV) |
| Adjuvanzien | Häufig Squalen-basiert (AS03, MF59) oder Aluminium, ermöglicht geringere Antigendosis |
Sicherheit und Verträglichkeit
Die Impfstoffe wurden an über 32.000 Personen in klinischen Studien getestet und gelten als sicher und gut verträglich. Das Sicherheitsprofil ähnelt dem saisonaler Grippeimpfstoffe.
- Lokale Reaktionen: Schmerzen, Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle sind die häufigsten Nebenwirkungen, bedingt durch die Adjuvanzien. Sie sind meist mild und selbstlimitierend.
- Systemische Reaktionen: Kopfschmerzen, Myalgien und Fatigue sind transient. Kinder zeigen häufiger systemische Reaktionen wie Fieber und Irritabilität.
- Besondere Gruppen: Bei älteren Erwachsenen ist die lokale Reaktogenität leicht erhöht. Daten zur Anwendung bei Schwangeren, Stillenden und Immunsupprimierten sind begrenzt.
Immunogenität und Schutzdauer
Die behördliche Zulassung basiert primär auf Immunogenitäts- und Sicherheitsdaten, da aufgrund der geringen Viruszirkulation keine klinischen Wirksamkeitsdaten vorliegen.
- Antikörperantwort: Moderate bis starke Serokonversion nach 2 Dosen. Adjuvanzien verstärken die Immunantwort signifikant.
- Schutzdauer: Antikörpertiter fallen ab ca. 6 Monaten nach der Grundimmunisierung ab. T-Zell-Antworten (CD4+) bleiben jedoch robust, und eine gewisse Antikörperpersistenz kann bis zu 2 Jahre nachweisbar bleiben.
- Kreuzreaktivität: Eine Kreuzimmunität durch die H5-Komponente gegen zirkulierende Stämme (z.B. Klade 2.3.4.4b) ist zu erwarten. Studien zeigen, dass A(H5N8)-Impfstoffe funktionale Antikörper gegen aktuelle A(H5N1)-Ausbruchsstämme induzieren.
- Saisonale Impfstoffe: Eine vorherige saisonale Grippeimpfung erzeugt keine neutralisierenden Antikörper gegen A(H5N1) Klade 2.3.4.4b, auch wenn T-Zell-Kreuzreaktivitäten durch frühere Infektionen oder Impfungen beobachtet wurden.
💡Praxis-Tipp
Saisonale Influenza-Impfstoffe bieten keinen verlässlichen Schutz vor A(H5N1). Bei beruflich stark exponiertem Personal sollte, sofern national empfohlen, ein spezifischer adjuvantiert A(H5)-Impfstoff im 2-Dosen-Schema (Abstand >21 Tage) eingesetzt werden.