One Health Leitlinie: Zoonosen-Management (WHO/FAO/OIE)
📋Auf einen Blick
- •Ein effektiver One-Health-Ansatz erfordert die gleichberechtigte Zusammenarbeit von Humanmedizin, Tiermedizin und Umweltsektor.
- •Die Einrichtung eines ständigen, multisektoralen Koordinationsmechanismus (MCM) ist essenziell für die Zoonosen-Prävention und -Reaktion.
- •Die Priorisierung von Zoonosen muss gemeinsam durch alle relevanten Sektoren erfolgen.
- •Kernaktivitäten umfassen strategische Planung, gemeinsame Überwachung, Ausbruchsuntersuchung und Risikokommunikation.
- •Für Kernaktivitäten im Zoonosen-Management sollten primär inländische Finanzierungsquellen genutzt werden.
Hintergrund
Zoonosen und andere Gesundheitsbedrohungen an der Schnittstelle zwischen Mensch, Tier und Umwelt (wie Antibiotikaresistenzen und Lebensmittelsicherheit) erfordern eine sektorübergreifende Zusammenarbeit. Der One-Health-Ansatz ist eine kollaborative, multidisziplinäre und multisektorale Methode, um diese Bedrohungen auf subnationaler, nationaler und globaler Ebene zu adressieren. Ein zentrales Prinzip ist dabei die Ausgewogenheit und Gleichberechtigung aller beteiligten Sektoren (Humanmedizin, Tiermedizin und Umweltsektor).
Multisektoraler Koordinationsmechanismus (MCM)
Um den One-Health-Ansatz nachhaltig zu verankern, wird die Einrichtung eines ständigen multisektoralen Koordinationsmechanismus (MCM) empfohlen. Dieser sollte idealerweise durch die höchste administrative Ebene (z. B. Premierminister) mandatiert und gesetzlich verankert werden.
| Funktionsebene | Aufgaben | Bemerkung |
|---|---|---|
| Interministerielle Führung | Politische Entscheidungsfindung, strategische Planung, Ressourcenallokation | Sichert den politischen Willen und die Finanzierung |
| Technische Koordination | Umsetzung von Fachaktivitäten, Überwachung, Risikobewertung | Oft durch spezialisierte Untergruppen (Subgroups) durchgeführt |
Zusammensetzung des MCM:
- Pflichtmitglieder: Vertreter der Sektoren Humanmedizin, Tiergesundheit und Umwelt (inkl. Wildtiere und Vektoren).
- Weitere Stakeholder: Je nach Bedarf Vertreter aus Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit, Finanzen, Sicherheit oder Nichtregierungsorganisationen (als Berater oder Beobachter).
Kernaktivitäten im Zoonosen-Management
Die Leitlinie definiert sechs technische Kernbereiche, die durch den MCM koordiniert werden müssen:
| Bereich | Aktivität | Ziel |
|---|---|---|
| 1. Strategische Planung | Entwicklung von Zoonosen-Rahmenwerken und Notfallplänen | Vorbereitung auf endemische und neu auftretende Bedrohungen |
| 2. Surveillance | Gemeinsame Überwachung und Informationsaustausch | Frühzeitige Erkennung von Zoonose-Ereignissen |
| 3. Ausbruchsmanagement | Koordinierte Untersuchung und Reaktion | Schnelle und effektive Eindämmung von Ausbrüchen |
| 4. Risikobewertung | Joint Risk Assessment (JRA) | Sektorübergreifende Einschätzung von Gesundheitsgefahren |
| 5. Risikokommunikation | Aufklärung und Einbindung der Gemeinschaft | Konsistente Botschaften an die Öffentlichkeit |
| 6. Personalentwicklung | Sektorübergreifendes Training (Workforce Development) | Aufbau von gemeinsamen Kapazitäten |
Priorisierung von Zoonosen
Die Priorisierung von Zoonosen muss in einem transparenten Prozess unter Beteiligung aller relevanten Sektoren erfolgen. Dies ermöglicht eine fokussierte Nutzung begrenzter Ressourcen und fördert die gemeinsame Aktionsplanung für den Kapazitätsaufbau (z. B. Laborausbau, Überwachungssysteme).
Finanzierung und Nachhaltigkeit
Um die Kontinuität der Programme zu gewährleisten, müssen nachhaltige Finanzierungsmodelle etabliert werden:
- Nationale Mittel: Für alle Kernaktivitäten im Bereich Zoonosen sollten primär inländische Finanzierungsquellen genutzt werden.
- Ressourcenteilung: Sektoren, die von der Bekämpfung einer Zoonose profitieren (z. B. Humanmedizin), sollten sich an den Kosten der Maßnahmen in anderen Sektoren (z. B. Tierimpfungen) beteiligen.
- Gesetzliche Basis: Ein gesetzlich verankerter MCM kann effektiver Ressourcen einwerben und ist unabhängiger von Regierungswechseln.
💡Praxis-Tipp
Etablieren Sie Kommunikationswege zur Veterinär- und Umweltbehörde bereits vor einer Krise. Ein ständiger, formalisierter Austausch beschleunigt die Reaktion bei Zoonose-Ausbrüchen erheblich.