IHR-Kernkapazitäten an Einreiseorten: Leitlinie (WHO)
📋Auf einen Blick
- •Die Leitlinie definiert Anforderungen zur Erkennung und Bewältigung von Gesundheitsgefahren an internationalen Einreiseorten.
- •Zu den Routinekapazitäten gehören die medizinische Beurteilung, der sichere Transport von Kranken und die Inspektion von Transportmitteln.
- •Eine sichere Umgebung muss durch Überwachung von Wasser, Lebensmitteln, Abfall und Vektoren gewährleistet werden.
- •Für Notfälle (PHEIC) ist ein detaillierter Notfallplan (Contingency Plan) zwingend erforderlich.
- •Es müssen etablierte Kommunikationswege zum Nationalen IHR-Focal-Point und lokalen Gesundheitsbehörden bestehen.
Hintergrund
Die Internationalen Gesundheitsvorschriften (IHR 2005) verpflichten die Vertragsstaaten, an benannten Einreiseorten (Flughäfen, Häfen, Grenzübergängen) spezifische Kernkapazitäten (Core Capacities) aufzubauen und zu erhalten. Ziel ist es, die internationale Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern, ohne den Reise- und Handelsverkehr unnötig einzuschränken. Das Assessment-Tool der WHO dient der Überprüfung dieser Kapazitäten.
Kommunikation und Koordination
Eine funktionierende Kommunikationsstruktur ist essenziell. Es müssen etablierte Verbindungen zwischen den zuständigen Behörden am Einreiseort, dem Nationalen IHR-Focal-Point (NFP) und den lokalen Gesundheitsbehörden bestehen.
- Meldungen über dringende Ereignisse müssen innerhalb von 24 Stunden bewertet werden.
- Es bedarf direkter operativer Verbindungen zu Krankenhäusern, Laboren und Transportunternehmen.
- Verfahren zur Inspektion und Meldung von Krankheitsfällen an Bord von ankommenden Transportmitteln müssen rechtlich verankert sein.
Routine-Kapazitäten (Jederzeit)
An benannten Einreiseorten müssen jederzeit grundlegende Kapazitäten zur Prävention und Kontrolle vorhanden sein.
| Bereich | Geforderte Kapazität | Bemerkung |
|---|---|---|
| Medizinische Versorgung | Zugang zu medizinischen und diagnostischen Einrichtungen | Zur schnellen Beurteilung und Versorgung erkrankter Reisender. |
| Transport | Ausrüstung und Personal für den Transport | Sicherer und hygienischer Transport von Kranken in geeignete Einrichtungen. |
| Inspektion | Geschultes Personal für Transportmittel | Kenntnisse in Epidemiologie, Vektorkontrolle und Public-Health-Maßnahmen. |
| Umweltsicherheit | Überwachung von Wasser, Lebensmitteln und Abfall | Sicherstellung einer sicheren Umgebung für Reisende an den Terminals. |
| Vektorkontrolle | Integriertes Vektorkontrollprogramm | Überwachung und Kontrolle von Vektoren und Reservoiren (mind. 400m Radius). |
Notfall-Kapazitäten (PHEIC)
Bei Ereignissen, die eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite (PHEIC) darstellen können, greifen erweiterte Maßnahmen.
| Maßnahme | Anforderung | Details |
|---|---|---|
| Notfallplan | Public Health Emergency Contingency Plan | Integriert in nationale Pläne, benannte Koordinatoren, regelmäßige Trainings. |
| Isolierung & Behandlung | Vereinbarungen mit lokalen Kliniken | Für betroffene Reisende oder Tiere, inkl. Transport und Diagnostik. |
| Quarantäne | Spezielle Räumlichkeiten | Vorzugsweise abseits des Einreiseortes zur Unterbringung von Verdachtsfällen. |
| Spezifische Maßnahmen | Entwesung, Desinfektion, Dekontamination | Ausgewiesene Orte und geschultes Personal (inkl. Schutzausrüstung). |
| Ein- und Ausreisekontrollen | Screening-Methoden | Visuelle Inspektion, Gesundheitsfragebögen, Temperaturmessung bei Bedarf. |
Spezifische Anforderungen nach Einreiseort
Je nach Art des Einreiseortes gelten zusätzliche spezifische Verfahren:
- Flughäfen: Verfahren zur Flugzeugdesinsektion und Kommunikation mit der Flugsicherung.
- Häfen: Zuweisung von Quarantäne-Ankerplätzen und Überprüfung der maritimen Gesundheitserklärung.
- Grenzübergänge: Maßnahmen für betroffene Bodentransportmittel bei Massenereignissen.
💡Praxis-Tipp
Stellen Sie sicher, dass der Public Health Emergency Contingency Plan (Notfallplan) nicht nur auf dem Papier existiert, sondern durch regelmäßige Trainings und Übungen mit allen beteiligten Sektoren (Zoll, Sicherheit, Transportunternehmen) am Einreiseort geprobt wird.