After Action Review (AAR): WHO-Leitlinie 2019
📋Auf einen Blick
- •Ein After Action Review (AAR) ist eine qualitative Analyse nach einem Gesundheitsereignis zur Identifikation von Best Practices und Lücken.
- •Das AAR ist Teil des Monitoring- und Evaluationsrahmens der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IHR 2005).
- •Es sollte idealerweise innerhalb von drei Monaten nach dem offiziellen Ende eines Ereignisses durchgefuehrt werden.
- •Die WHO definiert vier AAR-Formate: Debriefing, Arbeitsgruppe, Key-Informant-Interview und Mixed-Method.
- •Zentrales Element ist die Ursachenanalyse (Root Cause Analysis), um zugrundeliegende Faktoren zu identifizieren und einen Aktionsplan zu erstellen.
Hintergrund
Ein After Action Review (AAR) ist eine qualitative Überprüfung der Maßnahmen, die als Reaktion auf ein öffentliches Gesundheitsereignis ergriffen wurden. Ziel ist es, Best Practices und Herausforderungen zu identifizieren und zu dokumentieren. Das AAR ist eine von vier Komponenten des Monitoring- und Evaluationsrahmens der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IHR 2005), neben der jährlichen Berichterstattung (SPAR), der freiwilligen externen Evaluation und Simulationsübungen.
Abgrenzung zum Joint Operational Review (JOR)
Während beide Formate der Evaluation dienen, unterscheiden sie sich in Zeitpunkt und Führung:
| Merkmal | After Action Review (AAR) | Joint Operational Review (JOR) |
|---|---|---|
| Zeitpunkt | Nach offiziellem Ende des Ereignisses (idealerweise innerhalb von 3 Monaten) | Während der laufenden Reaktion auf ein Ereignis |
| Führung | Durch den Mitgliedsstaat (Member State) | Durch die WHO geleitet |
| Ziel | Identifikation von Lektionen für zukünftige Ereignisse | Kurskorrektur der aktuellen Maßnahmen |
Formate des After Action Reviews
Die WHO definiert vier verschiedene AAR-Formate, die je nach Komplexität des Ereignisses und verfügbaren Ressourcen gewählt werden können:
| Format | Teilnehmerzahl | Dauer | Anwendungsbereich |
|---|---|---|---|
| Debrief AAR | Max. 20 Personen | < 0,5 Tage | Kleinere Ereignisse, Fokus auf ein einzelnes Team oder max. 3 Funktionen |
| Working Group AAR | Bis zu 50 Personen | 2-3 Tage | Größere Gruppen, interaktive Methodik mit Arbeitsgruppen für verschiedene Säulen (Pillars) |
| Key Informant Interview AAR | Variabel | Bis zu 6 Wochen | Komplexe Ereignisse, bei denen Teilnehmer nicht versammelt werden können; vertrauliche Interviews |
| Mixed-Method AAR | Variabel | Variabel | Kombination aus Arbeitsgruppen und Interviews, für sehr breite und komplexe Ereignisse |
Phasen und Methodik
Jedes AAR durchläuft drei grundlegende Phasen:
- Objektive Beobachtung: Feststellung, wie Maßnahmen tatsächlich umgesetzt wurden (im Gegensatz zur reinen Planung).
- Analyse: Identifikation von Lücken und Best Practices. Hierbei wird häufig die Root Cause Analysis (Ursachenanalyse), wie die "5-Why-Methode", angewendet.
- Verbesserungsbereiche: Festlegung von Maßnahmen zur Leistungssteigerung.
Bewertung der IHR-Kernkapazitäten
Während des AAR kann die Leistung ausgewählter IHR-Kernkapazitäten (z. B. Überwachung, Labore, Risikokommunikation) anhand eines qualitativen Ratings bewertet werden:
| Rating | Bedeutung |
|---|---|
| P | Performed without challenges (Ohne Herausforderungen durchgeführt) |
| S | Performed with some challenges (Mit einigen Herausforderungen durchgeführt) |
| M | Performed with major challenges (Mit großen Herausforderungen durchgeführt) |
| U | Unable to be performed (Konnte nicht durchgeführt werden) |
Ergebnisse und Follow-up
Das wichtigste Ergebnis eines AAR ist ein Aktionsplan. Dieser muss klare Verantwortlichkeiten, Zeitpläne und benötigte Ressourcen definieren. Die Ergebnisse sollten in nationale Planungszyklen integriert und in einer Lessons Learned Database dokumentiert werden, um institutionelles Wissen aufzubauen.
💡Praxis-Tipp
Planen Sie das AAR idealerweise innerhalb von drei Monaten nach Ende des Ereignisses, um auf frische Erinnerungen der Beteiligten zurueckgreifen zu koennen. Nutzen Sie fuer die Analyse von Problemen die '5-Why'-Methode (Root Cause Analysis), um echte Ursachen statt nur Symptome zu identifizieren.