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WHO2025

Ebola & Marburg Diagnostik: WHO-Leitlinie 2024

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Nukleinsäureamplifikationstechnik (NAAT) ist die empfohlene Methode zur Bestätigung von Orthoebolavirus- und Orthomarburgvirus-Infektionen.
  • Bei lebenden Patienten wird EDTA-Vollblut oder -Plasma empfohlen, bei Verstorbenen ein oraler Abstrich.
  • Fällt ein Test negativ aus, der <72 Stunden nach Symptombeginn entnommen wurde, muss zwingend ein zweiter Test nach >72 Stunden erfolgen.
  • Asymptomatische Kontaktpersonen sollen nicht getestet, sondern 21 Tage überwacht werden.
  • Für die Entlassung aus dem Behandlungszentrum sind zwei negative Tests im Abstand von mindestens 48 Stunden erforderlich.
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Hintergrund

Die Viren der Gattungen Orthoebolavirus und Orthomarburgvirus gehören zur Familie der Filoviridae. Sie werden von Wildtieren auf den Menschen übertragen und verbreiten sich durch Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Die Inkubationszeit beträgt meistens 3 bis 10 Tage, kann aber zwischen 2 und 21 Tagen variieren.

GattungSpeziesVirusErkrankung
OrthoebolavirusO. bundibugyoenseBundibugyo-Virus (BDBV)Bundibugyo-Virus-Krankheit
OrthoebolavirusO. sudanenseSudan-Virus (SUDV)Sudan-Virus-Krankheit
OrthoebolavirusO. taienseTaï-Forest-Virus (TAFV)Taï-Forest-Virus-Krankheit
OrthoebolavirusO. zairenseEbola-Virus (EBOV)Ebola-Virus-Krankheit (EVD)
OrthomarburgvirusO. marburgenseMarburg-Virus (MARV) & Ravn-Virus (RAVV)Marburg-Virus-Krankheit (MVD)

(Hinweis: Bombali- und Reston-Viren sind bisher nicht als humanpathogen bekannt.)

Indikationen zur Testung

  • Verdachtsfälle: Alle Personen (lebend oder verstorben), die die Falldefinition erfüllen, müssen getestet werden.
  • Entlassung: Bestätigte Patienten dürfen erst entlassen werden, wenn zwei negative Tests aus Blutproben vorliegen, die im Abstand von mindestens 48 Stunden entnommen wurden.
  • Keine Testung bei Asymptomatischen: Asymptomatische Kontaktpersonen sollen nicht getestet werden, da die Wahrscheinlichkeit eines RNA-Nachweises vor Symptombeginn sehr gering ist. Sie müssen stattdessen 21 Tage überwacht werden.

Probenmaterial und Lagerung

Die Wahl des Probenmaterials hängt vom Status des Patienten ab:

  • Lebende Patienten: EDTA-Vollblut oder -Plasma. (Orale Abstriche werden aufgrund geringerer Viruslast nicht empfohlen).
  • Verstorbene: Oraler oder bukkaler Abstrich (bevorzugt Nylon-Flockabstriche) in viralem Transportmedium (VTM).
ProbenartLagerungsdauerTemperatur
EDTA-Blut/Plasma/Serum≤ 24 StundenRaumtemperatur (bis 25°C)
EDTA-Blut/Plasma/Serum1 – 7 Tage2 – 8°C
EDTA-Blut/Plasma/Serum> 7 Tage-20°C oder kälter (Vollblut nicht einfrieren!)
Orale Abstriche in VTM≤ 24 StundenRaumtemperatur
Orale Abstriche in VTM1 – 7 Tage2 – 8°C
Orale Abstriche in VTM> 7 Tage-20°C (oder -70°C falls verfügbar)

Diagnostik-Methoden

Die Nukleinsäureamplifikationstechnik (NAAT), meist RT-PCR, ist die Methode der Wahl. Sie liefert schnelle Ergebnisse (<6 Stunden) und wird an inaktiviertem Virusmaterial durchgeführt.

Assay-ZielZweck
Pan-Filovirus NAATBestätigung einer humanpathogenen Filovirus-Infektion
Orthoebolavirus genus-spezifischBestätigung einer Infektion durch eine Orthoebolavirus-Spezies
Orthomarburgvirus genus-spezifischBestätigung einer Infektion durch Marburg- oder Ravn-Virus
Spezies-spezifische NAATGenaue Identifikation (z.B. Zaire, Sudan, Bundibugyo)

Weitere Methoden:

  • Antigen-Schnelltests (Ag-RDTs): Zeigen eine geringere Sensitivität als NAAT. Sie werden nicht zur routinemäßigen Bestätigung neuer Ausbrüche empfohlen.
  • Serologie (IgM/IgG): Sollte nicht allein zur Diagnose herangezogen werden, ist aber nützlich für epidemiologische Untersuchungen oder bei unklaren NAAT-Ergebnissen.

Interpretation der Ergebnisse

PhaseTestergebnisFalldefinition
SymptomatischNAAT (+)Akuter bestätigter Fall
SymptomatischNAAT (-) nach >72h seit SymptombeginnKein Fall (Non-case)
Post-symptomatischNAAT (-) und IgM (+) sowie IgG (+)Bestätigter rekonvaleszenter Fall

Wichtig: Wenn ein Patient <72 Stunden nach Symptombeginn negativ getestet wird, muss ein zweiter Test mit einer Blutprobe durchgeführt werden, die >72 Stunden nach Symptombeginn entnommen wurde.

Biosicherheit und Laborhandling

Alle Proben gelten als potenziell hochinfektiös.

  • Inaktivierung: Vor der Manipulation außerhalb von Hochsicherheitsbereichen (Class III Biosafety Cabinet/Glovebox) müssen validierte Inaktivierungsmethoden (z.B. Guanidinthiocyanat + Ethanol, Hitze 60°C für 15 Min) angewendet werden.
  • Abfallentsorgung: Alle Abfälle müssen vor der Entsorgung an der Quelle dekontaminiert werden (z.B. chemische Desinfektion + Autoklavieren).

💡Praxis-Tipp

Testen Sie asymptomatische Kontaktpersonen nicht routinemäßig. Bei einem negativen NAAT-Ergebnis innerhalb der ersten 72 Stunden nach Symptombeginn muss zwingend eine zweite Blutprobe nach Ablauf der 72 Stunden entnommen und getestet werden.

Häufig gestellte Fragen

Bei lebenden Patienten wird EDTA-Vollblut oder -Plasma benötigt. Bei Verstorbenen sollte ein oraler oder bukkaler Abstrich in viralem Transportmedium (VTM) entnommen werden.
Ein Patient darf entlassen werden, wenn er klinisch gesund ist und zwei negative NAAT-Tests aus Blutproben vorliegen, die im Abstand von mindestens 48 Stunden entnommen wurden.
Nein. Aufgrund ihrer geringeren Sensitivität im Vergleich zur PCR (NAAT) werden Antigen-Schnelltests nicht zur routinemäßigen Bestätigung neuer Ausbrüche empfohlen.
Die Inkubationszeit beträgt in den meisten Fällen 3 bis 10 Tage, kann aber insgesamt zwischen 2 und 21 Tagen variieren.
Wurde die Probe weniger als 72 Stunden nach Symptombeginn entnommen, muss zwingend eine zweite Probe nach Ablauf der 72-Stunden-Marke entnommen und erneut getestet werden.

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