Ebola und Marburg: NAAT-Diagnostik und Probengewinnung

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Viren der Gattungen Orthoebolavirus und Orthomarburgvirus gehören zur Familie der Filoviridae und verursachen schwere hämorrhagische Fiebererkrankungen. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 3 bis 10 Tage, kann aber bis zu 21 Tage andauern.

Eine frühzeitige und präzise Diagnostik ist entscheidend, um Infektionsketten zu unterbrechen und eine adäquate unterstützende Therapie sowie spezifische Gegenmaßnahmen einzuleiten. Die vorliegende WHO-Leitlinie aktualisiert die Empfehlungen von 2014 und schließt nun auch das Marburg-Virus ein.

Da sich die klinische Präsentation initial kaum von anderen endemischen Erkrankungen wie Malaria unterscheidet, spielt die labordiagnostische Bestätigung eine zentrale Rolle im Ausbruchsmanagement.

Empfehlungen

Die WHO-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik:

Indikationen zur Testung

Laut Leitlinie wird empfohlen, alle Personen zu testen, die die Falldefinition für eine vermutete Ebola- oder Marburg-Virus-Erkrankung erfüllen. Eine Testung von asymptomatischen Kontaktpersonen wird ausdrücklich nicht empfohlen, da die Wahrscheinlichkeit eines Virusnachweises vor Symptombeginn sehr gering ist.

Zudem ist eine Testung vor der Entlassung bestätigter Fälle erforderlich. Hierfür werden zwei negative Tests im Abstand von mindestens 48 Stunden gefordert.

Probenmaterial und Lagerung

Die Wahl des Probenmaterials richtet sich nach dem Status der zu testenden Person:

  • Bei lebenden Personen wird EDTA-Vollblut oder EDTA-Plasma empfohlen.

  • Bei Verstorbenen sollte ein oraler Abstrich (bevorzugt Nylon-Flock-Abstriche in viralem Transportmedium) erfolgen.

  • Trockenabstriche oder kapilläres Blut führen zu Sensitivitätsverlusten und gelten nur als Alternative.

Labordiagnostik

Die Leitlinie empfiehlt die Nukleinsäure-Amplifikationstechnik (NAAT, z. B. RT-PCR) als Methode der Wahl zur Bestätigung einer Infektion. Antigen-Schnelltests (Ag-RDTs) werden für die Bestätigung neuer Ausbrüche nicht empfohlen.

Bei einem negativen NAAT-Ergebnis einer lebenden Person gibt die Leitlinie folgendes Vorgehen vor:

  • Wurde die Probe weniger als 72 Stunden nach Symptombeginn entnommen, muss ein zweiter Test erfolgen.

  • Dieser zweite Test sollte mit einer Blutprobe durchgeführt werden, die mehr als 72 Stunden nach Symptombeginn entnommen wurde.

Biosicherheit und Probenhandling

Es wird betont, dass alle Proben als potenziell infektiös zu behandeln sind. Vor der Manipulation außerhalb von Hochsicherheitsbereichen (wie Klasse-III-Sicherheitswerkbänken) muss eine validierte Virusinaktivierung erfolgen.

Virusklassifikation der Filoviridae

Die Leitlinie führt folgende für den Menschen relevante Spezies auf:

GenusSpeziesVirusErkrankung
OrthoebolavirusOrthoebolavirus bundibugyoenseBundibugyo-Virus (BDBV)Bundibugyo-Virus-Erkrankung
OrthoebolavirusOrthoebolavirus sudanenseSudan-Virus (SUDV)Sudan-Virus-Erkrankung
OrthoebolavirusOrthoebolavirus taienseTaï-Forest-Virus (TAFV)Taï-Forest-Virus-Erkrankung
OrthoebolavirusOrthoebolavirus zairenseEbola-Virus (EBOV)Ebola-Virus-Erkrankung (EVD)
OrthomarburgvirusOrthomarburgvirus marburgenseMarburg-Virus (MARV) / Ravn-Virus (RAVV)Marburg-Virus-Erkrankung (MVD)
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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie ist bei der Interpretation von negativen PCR-Ergebnissen in der Frühphase der Erkrankung besondere Vorsicht geboten. Es wird darauf hingewiesen, dass eine Blutentnahme innerhalb der ersten 72 Stunden nach Symptombeginn falsch-negativ ausfallen kann und in diesen Fällen zwingend eine Wiederholungstestung nach Ablauf der 72-Stunden-Frist erfolgen sollte. Zudem warnt die Leitlinie davor, Cq-Werte (Ct-Werte) unkritisch als direktes Maß für die Viruslast heranzuziehen, da diese von zahlreichen präanalytischen und analytischen Faktoren beeinflusst werden.

Häufig gestellte Fragen

Die WHO-Leitlinie empfiehlt bei lebenden Patienten die Abnahme von EDTA-Vollblut oder EDTA-Plasma. Bei verstorbenen Personen wird ein oraler Abstrich, idealerweise mit einem Nylon-Flock-Abstrich in viralem Transportmedium, empfohlen.

Es wird nicht empfohlen, asymptomatische Personen labordiagnostisch zu testen. Laut Leitlinie ist die Wahrscheinlichkeit, virale RNA vor dem Einsetzen von Symptomen nachzuweisen, äußerst gering, weshalb stattdessen eine 21-tägige klinische Überwachung erfolgen sollte.

Antigen-Schnelltests weisen im Vergleich zur PCR eine geringere Sensitivität auf. Die Leitlinie empfiehlt sie daher nicht zur Bestätigung neuer Ausbrüche, sondern verweist auf die Nukleinsäure-Amplifikationstechnik (NAAT) als Goldstandard.

Für die Entlassung aus einem Behandlungszentrum fordert die Leitlinie zwei negative PCR-Tests aus Blutproben. Diese Proben müssen in einem zeitlichen Abstand von mindestens 48 Stunden entnommen werden.

EDTA-Blut kann laut Leitlinie für bis zu 24 Stunden bei Raumtemperatur (bis 25 °C) gelagert werden. Bei einem Transport, der ein bis sieben Tage dauert, wird eine durchgehende Kühlung auf 2 bis 8 °C empfohlen.

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Quelle: Diagnostic testing for Ebola and Marburg virus diseases: interim guidance, 20 December 2024 (WHO, 2025). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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