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WHO2019

Antimicrobial Stewardship in Kliniken: WHO-Toolkit

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • AMS ist neben der Infektionsprävention (IPC) eine zentrale Säule zur Stärkung von Gesundheitssystemen.
  • Die Implementierung erfordert ein multidisziplinäres AMS-Team aus Ärzten, Apothekern, Pflegekräften und Mikrobiologen.
  • Vor der Einführung sollte eine SWOT-Analyse der lokalen Ressourcen und Kernstrukturen durchgeführt werden.
  • Die WHO AWaRe-Klassifikation (Access, Watch, Reserve) dient als Basis für die Auswahl und Überwachung von Antibiotika.
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Hintergrund

Antimicrobial Stewardship (AMS) umfasst kohärente Maßnahmen zur Förderung des verantwortungsvollen Einsatzes von Antimikrobiotika. Laut dem Global Action Plan der WHO zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen (AMR) ist die Optimierung des Antibiotikaeinsatzes ein zentrales Ziel. AMS bildet zusammen mit der Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) sowie der Medikamenten- und Patientensicherheit die drei Säulen eines integrierten Ansatzes zur Stärkung von Gesundheitssystemen.

Kernstrukturen für Gesundheitseinrichtungen

Für die erfolgreiche Implementierung eines AMS-Programms in Kliniken definiert die WHO verschiedene Kernbereiche, die schrittweise etabliert werden sollten:

KernbereichWichtige Maßnahmen
Führung (Leadership)Formale Priorisierung von AMS, Bereitstellung von Budget und Personal.
VerantwortlichkeitMultidisziplinäres AMS-Komitee und benannter AMS-Leiter (Champion).
AMS-AktionenAktuelle Behandlungsleitlinien, Formularium (Positivliste/Restriktionen), Zugang zu Labor/Bildgebung.
Aus- und WeiterbildungBasis- und kontinuierliche Schulungen für das Personal und das AMS-Team.
Überwachung (Monitoring)Erfassung von Antibiotikaverbrauch, -nutzung (Audits/PPS) und Resistenzraten.
BerichterstattungRegelmäßiges Feedback an Verschreiber, Erstellung eines Antibiogramms.

Das multidisziplinäre AMS-Team

Ein effektives AMS-Team erfordert verschiedene Kompetenzen, die idealerweise auf mehrere Berufsgruppen verteilt sind:

BerufsgruppeKernaufgaben im AMS-Programm
Arzt (Infektiologe/Champion)Klinische Führung, Unterstützung bei Diagnose und Therapie, Leitlinienentwicklung, Schulung.
ApothekerÜberwachung von Einkauf und Bestand, Verbrauchsanalysen (AMC), Dosisoptimierung, Rezeptprüfungen.
PflegefachkraftSicherstellung der zeitgerechten Gabe, Überwachung von Nebenwirkungen, IV-zu-Oral-Switch, IPC-Maßnahmen.
Mikrobiologe/LaborVerarbeitung von Proben, Erstellung von Antibiogrammen, zeitnahe Befundübermittlung.

Planung und Implementierung

Vor der Einführung eines AMS-Programms wird eine SWOT-Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken) empfohlen, um vorhandene Ressourcen und fehlende Kernstrukturen zu identifizieren. Darauf basierend sollte ein AMS-Aktionsplan erstellt werden.

Ein wichtiges Werkzeug zur Steuerung des Antibiotikaeinsatzes ist die WHO AWaRe-Klassifikation:

  • Access: Breit verfügbare Standardantibiotika.
  • Watch: Antibiotika mit höherem Resistenzpotenzial (striktere Indikationsstellung).
  • Reserve: Reserveantibiotika für multiresistente Erreger (strenge Kontrolle erforderlich).

Datenerfassung und Überwachung

Die Messung des Antibiotikaeinsatzes ist essenziell, um problematische Verschreibungspraktiken zu identifizieren und Interventionen zu bewerten. Die WHO unterscheidet hierbei:

  • Antibiotikaverbrauch (AMC): Aggregierte Daten aus Einkauf und Apotheke (z.B. DDDs). Dient als Proxy für die tatsächliche Nutzung.
  • Antibiotikanutzung: Patientenspezifische Daten, oft erhoben durch Point Prevalence Surveys (PPS) oder Verschreibungsaudits, um die Qualität und Angemessenheit der Therapie zu bewerten.

💡Praxis-Tipp

Integrieren Sie AMS-Aktivitäten in bestehende Strukturen wie das IPC-Komitee (Infektionsprävention), um Synergien zu nutzen und in ressourcenschwachen Settings Personal zu entlasten.

Häufig gestellte Fragen

Die Optimierung des Antibiotikaeinsatzes zur Verbesserung der Patientenergebnisse, Reduktion von Resistenzen (AMR) und Einsparung unnötiger Gesundheitskosten.
Idealerweise besteht das Team aus einem Arzt (Infektiologie/Champion), einem Apotheker, einer Pflegefachkraft und einem Mikrobiologen.
IPC (Infektionsprävention) verhindert die Ausbreitung von Bakterien, während AMS den Selektionsdruck durch Antibiotika minimiert. Beide Programme sind voneinander abhängig und sollten eng koordiniert werden.
Der Verbrauch (AMC) basiert auf aggregierten Einkaufs- oder Apothekendaten ohne direkten Patientenbezug. Die Nutzung erfasst patientenspezifische Daten (z.B. Indikation, Dosierung), oft mittels Point-Prevalence-Surveys (PPS).

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