Antimicrobial Stewardship in Kliniken: WHO-Toolkit
📋Auf einen Blick
- •AMS ist neben der Infektionsprävention (IPC) eine zentrale Säule zur Stärkung von Gesundheitssystemen.
- •Die Implementierung erfordert ein multidisziplinäres AMS-Team aus Ärzten, Apothekern, Pflegekräften und Mikrobiologen.
- •Vor der Einführung sollte eine SWOT-Analyse der lokalen Ressourcen und Kernstrukturen durchgeführt werden.
- •Die WHO AWaRe-Klassifikation (Access, Watch, Reserve) dient als Basis für die Auswahl und Überwachung von Antibiotika.
Hintergrund
Antimicrobial Stewardship (AMS) umfasst kohärente Maßnahmen zur Förderung des verantwortungsvollen Einsatzes von Antimikrobiotika. Laut dem Global Action Plan der WHO zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen (AMR) ist die Optimierung des Antibiotikaeinsatzes ein zentrales Ziel. AMS bildet zusammen mit der Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) sowie der Medikamenten- und Patientensicherheit die drei Säulen eines integrierten Ansatzes zur Stärkung von Gesundheitssystemen.
Kernstrukturen für Gesundheitseinrichtungen
Für die erfolgreiche Implementierung eines AMS-Programms in Kliniken definiert die WHO verschiedene Kernbereiche, die schrittweise etabliert werden sollten:
| Kernbereich | Wichtige Maßnahmen |
|---|---|
| Führung (Leadership) | Formale Priorisierung von AMS, Bereitstellung von Budget und Personal. |
| Verantwortlichkeit | Multidisziplinäres AMS-Komitee und benannter AMS-Leiter (Champion). |
| AMS-Aktionen | Aktuelle Behandlungsleitlinien, Formularium (Positivliste/Restriktionen), Zugang zu Labor/Bildgebung. |
| Aus- und Weiterbildung | Basis- und kontinuierliche Schulungen für das Personal und das AMS-Team. |
| Überwachung (Monitoring) | Erfassung von Antibiotikaverbrauch, -nutzung (Audits/PPS) und Resistenzraten. |
| Berichterstattung | Regelmäßiges Feedback an Verschreiber, Erstellung eines Antibiogramms. |
Das multidisziplinäre AMS-Team
Ein effektives AMS-Team erfordert verschiedene Kompetenzen, die idealerweise auf mehrere Berufsgruppen verteilt sind:
| Berufsgruppe | Kernaufgaben im AMS-Programm |
|---|---|
| Arzt (Infektiologe/Champion) | Klinische Führung, Unterstützung bei Diagnose und Therapie, Leitlinienentwicklung, Schulung. |
| Apotheker | Überwachung von Einkauf und Bestand, Verbrauchsanalysen (AMC), Dosisoptimierung, Rezeptprüfungen. |
| Pflegefachkraft | Sicherstellung der zeitgerechten Gabe, Überwachung von Nebenwirkungen, IV-zu-Oral-Switch, IPC-Maßnahmen. |
| Mikrobiologe/Labor | Verarbeitung von Proben, Erstellung von Antibiogrammen, zeitnahe Befundübermittlung. |
Planung und Implementierung
Vor der Einführung eines AMS-Programms wird eine SWOT-Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken) empfohlen, um vorhandene Ressourcen und fehlende Kernstrukturen zu identifizieren. Darauf basierend sollte ein AMS-Aktionsplan erstellt werden.
Ein wichtiges Werkzeug zur Steuerung des Antibiotikaeinsatzes ist die WHO AWaRe-Klassifikation:
- Access: Breit verfügbare Standardantibiotika.
- Watch: Antibiotika mit höherem Resistenzpotenzial (striktere Indikationsstellung).
- Reserve: Reserveantibiotika für multiresistente Erreger (strenge Kontrolle erforderlich).
Datenerfassung und Überwachung
Die Messung des Antibiotikaeinsatzes ist essenziell, um problematische Verschreibungspraktiken zu identifizieren und Interventionen zu bewerten. Die WHO unterscheidet hierbei:
- Antibiotikaverbrauch (AMC): Aggregierte Daten aus Einkauf und Apotheke (z.B. DDDs). Dient als Proxy für die tatsächliche Nutzung.
- Antibiotikanutzung: Patientenspezifische Daten, oft erhoben durch Point Prevalence Surveys (PPS) oder Verschreibungsaudits, um die Qualität und Angemessenheit der Therapie zu bewerten.
💡Praxis-Tipp
Integrieren Sie AMS-Aktivitäten in bestehende Strukturen wie das IPC-Komitee (Infektionsprävention), um Synergien zu nutzen und in ressourcenschwachen Settings Personal zu entlasten.