Antimicrobial Stewardship: Leitlinie (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Organisationen müssen bereichsübergreifende Antimicrobial Stewardship (AMS) Programme etablieren.
- •Ein AMS-Team erfordert zwingend einen Apotheker für Antiinfektiva und einen medizinischen Mikrobiologen.
- •Bei stationären Patienten müssen mikrobiologische Proben vor der ersten Antibiotikagabe entnommen werden.
- •Bei selbstlimitierenden Infektionen soll keine sofortige Antibiotika-Verschreibung erfolgen.
- •Intravenöse Antibiotika-Therapien müssen nach 48 bis 72 Stunden reevaluiert werden.
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie definiert "Antimicrobial Stewardship" (AMS) als einen organisationsweiten Ansatz zur Förderung und Überwachung des umsichtigen Einsatzes von Antimikrobiotika. Ziel ist es, die zukünftige Wirksamkeit dieser Medikamente zu erhalten und der zunehmenden antimikrobiellen Resistenz entgegenzuwirken.
AMS-Programme und Teams
Organisationen sollen bereichsübergreifende AMS-Programme etablieren, um die Verschreibungspraxis zu verbessern.
| Komponente | Beschreibung |
|---|---|
| Monitoring | Überwachung von Verordnungsdaten und lokalen Resistenzmustern. |
| Feedback | Regelmäßige Rückmeldung an Verordner über ihr Verschreibungsverhalten und sicherheitsrelevante Vorfälle (z. B. C. difficile-Infektionen). |
| Bildung | Schulung von Gesundheits- und Sozialberufen zu AMS und Resistenzen. |
Für die Umsetzung sind AMS-Teams zu bilden. Zur Kernbesetzung gehören zwingend ein Apotheker für Antiinfektiva und ein medizinischer Mikrobiologe.
Diagnostik und Probenentnahme
Vor der Verordnung von Antimikrobiotika ist eine klinische Beurteilung durchzuführen und die Diagnose zu dokumentieren.
| Setting / Patientengruppe | Empfehlung zur mikrobiologischen Diagnostik |
|---|---|
| Stationäre Patienten | Probenentnahme vor der ersten Antibiotikagabe. Review der Verordnung, sobald Ergebnisse vorliegen. |
| Primärversorgung | Bei rezidivierenden oder persistierenden Infektionen Probenentnahme erwägen. |
| Nicht-schwere Infektionen | Probenentnahme vor Therapieentscheidung erwägen, sofern ein Abwarten sicher vertretbar ist. |
Empfehlungen für Verordner
Verordner müssen lokale oder nationale Leitlinien befolgen, insbesondere hinsichtlich der kürzesten effektiven Therapiedauer, der optimalen Dosis und des Applikationsweges.
- Keine sofortige Verschreibung bei wahrscheinlich selbstlimitierenden Erkrankungen.
- Alternativen besprechen: Symptomatische Selbstpflege, "Back-up"-Verschreibung (Delayed Prescribing) oder nicht-pharmakologische Maßnahmen (z. B. Abszessspaltung).
- Keine Wiederholungsrezepte über mehr als 6 Monate ohne ärztliches Review.
Intravenöse Antimikrobiotika
| Maßnahme | Zeitpunkt | Bemerkung |
|---|---|---|
| Empirische IV-Therapie | Sofort | Gemäß lokalem Formularium bei Verdachtsinfektion ohne bestätigte Diagnose. |
| IV-Review | Nach 48–72 Stunden | Überprüfung in allen Versorgungsbereichen. Entscheidung über Fortführung oder Switch auf orale Therapie. |
Einführung neuer Antimikrobiotika
Lokale Entscheidungsgruppen sollen die Einführung neuer Substanzen steuern. Dabei sind klinische Wirksamkeit, lokale Resistenzraten und mögliche Restriktionen zu bewerten. Bei restriktivem Einsatz muss die Rationale dokumentiert und öffentlich zugänglich gemacht werden.
💡Praxis-Tipp
Überprüfen Sie intravenöse Antibiotika-Verordnungen routinemäßig nach 48 bis 72 Stunden auf die Möglichkeit einer oralen Sequenztherapie. Nutzen Sie bei selbstlimitierenden Infektionen das "Delayed Prescribing" (Reserve-Rezept).