Antibiotika-Einführung: Leitlinie (WHO)
📋Auf einen Blick
- •Der Fokus liegt auf der Einführung von Watch- und Reserve-Antibiotika zur Behandlung multiresistenter Erreger (MDROs).
- •Eine evidenzbasierte Entscheidungsfindung erfordert die Bewertung lokaler Resistenzmuster und Laborkapazitäten.
- •Die Einführung muss zwingend an Antimicrobial Stewardship (AMS) und Infektionsprävention (IPC) gekoppelt sein.
- •Nationale Richtlinien und Listen essenzieller Medikamente (nEML) müssen vorab aktualisiert werden.
Hintergrund
Die zunehmende antimikrobielle Resistenz (AMR) erfordert einen kontrollierten Umgang mit Antibiotika. Die WHO-Leitlinie fokussiert sich auf die Einführung von Watch- und Reserve-Antibiotika, die primär als Zweit- und Drittlinientherapien im Krankenhaus zur Behandlung multiresistenter Erreger (MDROs) eingesetzt werden. Grundlage hierfür ist die AWaRe-Klassifikation (Access, Watch, Reserve).
Phasen der Antibiotika-Einführung
Der Prozess der Einführung neuer Antibiotika wird in fünf zentrale Elemente unterteilt:
| Phase | Beschreibung | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1. Vorplanung | Identifikation von Führungskräften und Stakeholdern | Etablierung von Governance-Strukturen |
| 2. Entscheidungsfindung | Priorisierung basierend auf Public Health und klinischem Bedarf | Sicherung von Finanzierung und politischer Unterstützung |
| 3. Planentwicklung | Definition von Zielen, Beschaffung, Logistik und Richtlinien | Anpassung von nEML und Behandlungsleitlinien |
| 4. Monitoring & Evaluation | Überwachung der Nutzung und Resistenzentwicklung | Kontinuierliche Qualitätsverbesserung |
| 5. Kostenkalkulation | Detaillierte Budgetierung des Einführungsplans | Nutzung von WHO-Kalkulationstools |
Kriterien zur Produktauswahl
Die Entscheidung für ein neues Antibiotikum sollte evidenzbasiert erfolgen. Wichtige Produktcharakteristika umfassen:
- Wirksamkeit und Sicherheit: Nebenwirkungsprofil und Barriere gegen Resistenzentwicklung.
- Diagnostik: Verfügbarkeit von passenden diagnostischen Tests und mikrobiologischen Laborkapazitäten.
- Logistik: Haltbarkeit, Kühlkettenanforderungen und Darreichungsform.
- Public Health Nutzen: Abdeckung von Behandlungslücken bei lokalen Resistenzmustern.
Einrichtungsbereitschaft (Facility Readiness)
Vor der Einführung in Gesundheitseinrichtungen muss deren Kapazität zur sicheren und angemessenen Nutzung geprüft werden.
| Kriterium | Anforderung | Ziel |
|---|---|---|
| Führung & Ressourcen | Bereitstellung von Personal und Finanzen | Sicherstellung von Antimicrobial Stewardship (AMS) |
| Diagnostik | Zugang zu bakteriologischen Diensten | Gezielte statt empirische Therapie |
| Prävention | Aktive IPC- und WASH-Programme | Vermeidung nosokomialer Infektionen |
| Überwachung | Kapazität für Verschreibungsaudits | Kontrolle der angemessenen Nutzung |
Antimicrobial Stewardship (AMS)
Die Einführung von Reserve-Antibiotika muss zwingend an robuste AMS-Programme gekoppelt sein. Dies beinhaltet die Aktualisierung nationaler Listen essenzieller Medikamente (nEML), die Anpassung von Behandlungsleitlinien an lokale Resistenzdaten sowie die Schulung des Gesundheitspersonals.
💡Praxis-Tipp
Prüfen Sie vor der Einführung eines Reserve-Antibiotikums zwingend die lokale Laborkapazität für mikrobiologische Diagnostik und Resistenztestungen, um einen zielgerichteten Einsatz zu gewährleisten.