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WHO2025

AMU-Surveillance: WHO-Leitlinie zur Antibiotika-Nutzung

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ziel der AMU-Surveillance ist die Optimierung des Antibiotikaeinsatzes zur Eindämmung von Antimikrobieller Resistenz (AMR).
  • Laut globalem Ziel der UN-Generalversammlung sollen mindestens 70 % der national verbrauchten Antibiotika aus der Access-Gruppe stammen.
  • Die Datenerhebung kann über Beschaffungs-, Distributions- oder Verschreibungsdaten erfolgen, wobei letztere am präzisesten sind.
  • Als Standardmetrik für den Verbrauch wird die Defined Daily Dose (DDD) pro 1.000 Einwohner pro Tag (DID) empfohlen.
  • Die Datenqualität muss stets hinsichtlich Vollständigkeit, Repräsentativität und Präzision kritisch geprüft werden.
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Hintergrund

Die Überwachung des nationalen Antibiotikaverbrauchs (Antimicrobial Use, AMU) ist ein zentrales Instrument zur Eindämmung von Antimikrobieller Resistenz (AMR). Die WHO fördert durch das Global Antimicrobial Resistance and Use Surveillance System (GLASS) die standardisierte Erhebung und Analyse dieser Daten. Ziel ist es, den Zugang zu Medikamenten zu bewerten, Richtlinien zu informieren, die Wirkung von Interventionen zu messen und Antimicrobial Stewardship (AMS) zu stärken.

Die AWaRe-Klassifikation

Ein Kernelement der AMU-Überwachung ist die Einteilung von Antibiotika nach dem AWaRe-System. Ein globales Ziel sieht vor, dass mindestens 70 % des nationalen Antibiotikaverbrauchs aus der Access-Gruppe stammen sollen.

KategorieEigenschaftenBeispiele
AccessMittel der ersten/zweiten Wahl, enges Spektrum, geringes Resistenzpotenzial, kostengünstig.Amoxicillin, Gentamicin
WatchBreiteres Spektrum, höheres Resistenzpotenzial. Mittel der Wahl bei schweren klinischen Bildern.Azithromycin, Ceftriaxon
ReserveLetzte Option für multiresistente Erreger. Streng indiziert zur Vermeidung weiterer Resistenzen.Colistin, Linezolid
Not recommendedNicht empfohlen wegen hohem Resistenzpotenzial oder fehlender Evidenz (oft fixe Kombinationen).Amoxicillin/Cloxacillin

Datenquellen für die AMU-Surveillance

Nationale AMU-Daten können an verschiedenen Punkten der Lieferkette erhoben werden. Je näher die Daten am Patienten erhoben werden, desto präziser sind sie.

DatenquelleVorteileNachteile
Beschaffung (Import/Produktion)Oft vollständigste nationale Abdeckung, guter Startpunkt für ressourcenschwache Systeme.Ungenauester Proxy für tatsächlichen Verbrauch (Lagerung, Verfall nicht erfasst).
Distribution (Großhandel)Bessere Annäherung an den tatsächlichen Verbrauch.Zeitaufwendige Datensammlung bei vielen Akteuren, Risiko von Lücken.
Verschreibung/Abgabe/ErstattungBester Proxy für tatsächlichen Verbrauch, Stratifizierung nach Sektor/Region möglich.Erfordert fortschrittliche IT-Systeme, Erstattungsdaten oft nicht repräsentativ für Gesamtbevölkerung.

Datenqualität

Vor der Analyse müssen AMU-Daten auf fünf Qualitätsdimensionen geprüft werden:

  • Vollständigkeit (Completeness): Erfasst der Datensatz das gesamte AMU-Volumen? Fehlende Daten (z. B. Spenden, informelle Märkte) führen zu Unterschätzungen.
  • Repräsentativität (Representativeness): Spiegelt die Stichprobe die Gesamtbevölkerung wider? Eine Überrepräsentation von Krankenhäusern kann den Anteil von Watch- und Reserve-Antibiotika künstlich erhöhen.
  • Präzision (Precision): Spiegelt der Datensatz den tatsächlichen Verbrauch im definierten Zeitraum wider?
  • Interne Qualität: Sind die Daten konsistent und frei von offensichtlichen Fehlern (z. B. doppelte Einträge)?
  • Interne Vergleichbarkeit: Sind die Daten über verschiedene Zeiträume und Sektoren hinweg konsistent erhoben worden?

Metriken und Indikatoren

Um den Verbrauch vergleichbar zu machen, werden standardisierte Metriken verwendet. Die WHO nutzt das ATC/DDD-System.

Metrik-TypBeschreibungBemerkung
DDD (Defined Daily Dose)Angenommene durchschnittliche Erhaltungsdosis pro Tag für die Hauptindikation bei Erwachsenen.Standardisiert, aber ungenau bei Kindern (Gewichtsdosierung) oder schweren Infektionen (Hochdosis).
DID (DDD/1000 Einwohner/Tag)Durchschnittliche Anzahl von Personen pro 1.000 Einwohner, die täglich behandelt werden.Standardmetrik für den Gesamtverbrauch.
DU75 / DU90Die am häufigsten genutzten Antibiotika, die 75 % bzw. 90 % des Gesamtverbrauchs ausmachen.Ein hoher Anteil an nicht empfohlenen Antibiotika in der DU75 deutet auf suboptimalen Einsatz hin.
Biomasse (mg/kg)Menge in mg pro kg Körpergewicht der Population.Wichtig für den One-Health-Ansatz (Vergleich Mensch vs. Tier).

Analyse und Interpretation

Die Analyse sollte schrittweise erfolgen:

  1. Gesamtverbrauch: Messung in DID zur Identifikation von Über- oder Unterversorgung.
  2. AWaRe-Kategorien: Überprüfung, ob das 70-%-Access-Ziel erreicht wird.
  3. Pharmakologische Subgruppen: Identifikation von Treibern der Resistenzentwicklung (z. B. hoher Einsatz von Chinolonen).
  4. Applikationsweg: Ein oraler Anteil von < 90 % im ambulanten Bereich kann auf einen Übergebrauch parenteraler Antibiotika hindeuten.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie die DU75-Metrik (Drug Utilization 75%), um schnell zu erfassen, welche Antibiotika den Großteil Ihres Verbrauchs ausmachen. Beachten Sie zudem bei der Interpretation von DDD-Daten, dass diese für Erwachsene definiert sind und den tatsächlichen Verbrauch in der Pädiatrie oder bei Hochdosis-Therapien unterschätzen können.

Häufig gestellte Fragen

Laut UN-Generalversammlung sollen mindestens 70 % des nationalen Antibiotikaverbrauchs aus der Access-Gruppe stammen.
Die Defined Daily Dose (DDD) basiert auf einer Standard-Erwachsenendosis (70 kg) bei mittelschweren Infektionen. Sie spiegelt oft nicht die reale Dosierung bei Kindern (Gewichtsdosierung) oder schweren Infektionen (Hochdosis) wider.
Verschreibungs- und Abgabedaten (z. B. aus Apotheken oder Versicherungen) sind am präzisesten, da sie den tatsächlichen Verbrauch am Patienten am besten abbilden.
Drug Utilization 90 % (DU90) beschreibt die Liste der am häufigsten verwendeten Antibiotika, die zusammen 90 % des Gesamtverbrauchs ausmachen.
Ein hoher Anteil parenteraler Antibiotika im ambulanten Bereich (z. B. oraler Anteil < 90 %) deutet oft auf eine unangemessene Übernutzung hin, da orale Antibiotika für die meisten ambulanten Infektionen die erste Wahl sind.

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