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WHO2025

Hebammengeleitete Versorgungsmodelle: WHO-Leitlinie 2025

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Hebammengeleitete Versorgungsmodelle (MMoC) verbessern die Gesundheitsergebnisse von Müttern und Neugeborenen und fördern die gesundheitliche Chancengleichheit.
  • Die Modelle basieren auf der autonomen Berufsausübung von Hebammen innerhalb interdisziplinärer Teams.
  • Eine erfolgreiche Transition erfordert politisches Engagement, starke Governance, Partnerschaften und nachhaltige Finanzierung.
  • Die Leitlinie definiert anpassbare Modelle, darunter kontinuierliche Betreuung, geburtshilfliche Zentren und gemeindenahe Ansätze.
  • Ein 4-stufiger strategischer Planungsprozess und ein Phasen-Bewertungstool unterstützen Länder bei der Implementierung.
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Hintergrund

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt den Übergang zu hebammengeleiteten Versorgungsmodellen (Midwifery Models of Care, MMoC), um die Gesundheitsergebnisse von Müttern und Neugeborenen zu verbessern und eine universelle Gesundheitsversorgung (UHC) zu erreichen. In diesen Modellen wird die qualitativ hochwertige Versorgung von Hebammen koordiniert, die innerhalb ihres Kompetenzbereichs autonome Entscheidungen treffen und Teil interdisziplinärer Teams sind.

Die Implementierung dieser Modelle ist kosteneffizient, evidenzbasiert und menschenrechtsorientiert. Sie reduziert gesundheitliche Ungleichheiten, senkt die Raten an instrumentellen vaginalen Geburten sowie Kaiserschnitten und verbessert die Geburtserfahrung der Frauen.

Kernprinzipien der Hebammenversorgung

Die hebammengeleitete Versorgung basiert auf folgenden zentralen Elementen:

  • Frauen- und neugeborenenzentrierte Pflege: Fokus auf die individuellen Bedürfnisse.
  • Vertrauensvolle Partnerschaft: Enge Beziehung zwischen Hebamme und Frau.
  • Autonomie: Bereitstellung durch autonome Hebammen als Hauptversorger.
  • Ganzheitlichkeit: Qualitativ hochwertige, evidenzbasierte Versorgung.
  • Physiologie: Unterstützung gesunder und physiologischer Prozesse.
  • Kontinuum: Betreuung vor, während und nach der Schwangerschaft.

Anpassbare Versorgungsmodelle

Ein Gesundheitssystem kann verschiedene Modelle integrieren, die an lokale Bedürfnisse angepasst sind.

ModellBeschreibungEinsatzbereich
Continuity of midwife careEine bekannte Hebamme (oder ein kleines Team) betreut die Frau über das gesamte Kontinuum (pränatal bis postnatal).Settings mit gut funktionierenden Hebammenprogrammen.
Community-based modelsGemeindenahe Versorgung (z. B. mobile Einheiten, Gesundheitszentren), um Pflege dorthin zu bringen, wo die Menschen leben.Ländliche, abgelegene und unterversorgte Gebiete.
Birth centresDedizierte Räume für Frauen mit geringem Komplikationsrisiko. Können freistehend oder an ein Krankenhaus angegliedert sein.Gesundheitszentren und Kliniken.
Private practice modelsVersorgung durch privat praktizierende Hebammen, integriert in das nationale Gesundheitssystem.Privater Sektor mit entsprechenden Finanzierungsmechanismen.
Humanitarian and crisis settingsAngepasste Modelle (z. B. mobile Teams) zur Bereitstellung essenzieller Interventionen in ressourcenarmen Umgebungen.Flüchtlingslager, Konfliktzonen, Naturkatastrophen.

Strategischer Planungsprozess

Der Übergang zu MMoC erfordert einen strukturierten Planungsprozess, der in vier Schritten erfolgt:

StufeMaßnahmeBemerkung
Schritt 1Situationsanalyse durchführenBewertung von Gesundheitsindikatoren, Governance, Ressourcen und Stakeholdern.
Schritt 2Strategischen Plan entwerfenIdentifikation nationaler/subnationaler Prioritäten und Abstimmung mit bestehenden Programmen.
Schritt 3Operativen Plan & M&E-Framework entwickelnDefinition umsetzbarer Schritte, Einbindung der Gemeinschaft und Etablierung von Evaluationszyklen.
Schritt 4Finanzplan & RessourcenallokationSicherung von Budgets, Kostenschätzungen und Erschließung von Finanzierungsquellen.

Essenzielle Säulen der Transition

Um den Übergang zu initiieren und nachhaltig zu gestalten, müssen vier Säulen etabliert werden:

  1. Politisches Engagement und Finanzierung: Sicherung von Budgets und Integration in nationale Gesundheitsstrategien.
  2. Governance stärken: Aufbau von nationalen strategischen Arbeitsgruppen und Projektmanagement-Teams.
  3. Partnerschaften aufbauen: Frühzeitige Einbindung von Frauen, Gemeinden, Ärzten, Pflegekräften und politischen Entscheidungsträgern.
  4. Nachhaltigkeit sichern: Langfristige Integration der Modelle in das Gesundheitssystem.

Die 8 Übergangsbereiche (Transition Areas)

Die Leitlinie definiert acht Handlungsfelder, die für eine erfolgreiche Implementierung adressiert werden müssen. Der Fortschritt in diesen Bereichen kann mit dem Transition Framework Assessment Tool (Phase I bis V) bewertet werden:

  • Einbindung von Frauen und Gemeinden: Förderung der Nachfrage und partizipative Ansätze.
  • Service Delivery: Gestaltung von Leistungspaketen, Betreuungspfaden und Überweisungssystemen.
  • Interprofessionelle Zusammenarbeit: Abbau hierarchischer Strukturen zugunsten von Vertrauen, Respekt und gemeinsamer Entscheidungsfindung.
  • Führung und Forschung: Stärkung von Hebammen in Führungspositionen (z. B. Chief Midwife im Gesundheitsministerium).
  • Politik und Regulation: Gesetzliche Anerkennung von Hebammen als autonome Praktiker mit vollem Kompetenzbereich.
  • Bildung und Fortbildung: Kompetenzbasierte Curricula (mindestens 3 Jahre) und kontinuierliche Weiterbildung.
  • Personalstrategien: Datengesteuerte Bedarfsplanung, faire Vergütung und Strategien zur Mitarbeiterbindung.
  • Unterstützendes Systemumfeld: Sichere Arbeitsbedingungen, angemessene Infrastruktur und Zugang zu Innovationen.

💡Praxis-Tipp

Etablieren Sie flache Hierarchien und interdisziplinäre Fallbesprechungen zwischen Hebammen, Geburtshelfern und Pädiatern, um eine nahtlose und sichere Verlegung bei Komplikationen zu gewährleisten.

Häufig gestellte Fragen

Ein Modell, bei dem professionelle Hebammen als Hauptansprechpartnerinnen die kontinuierliche Versorgung von Frauen und Neugeborenen vor, während und nach der Schwangerschaft autonom koordinieren.
Sie verbessern die Geburtserfahrung, senken die Raten an Kaiserschnitten und vaginal-operativen Entbindungen, sind kosteneffizient und reduzieren gesundheitliche Ungleichheiten.
Durch fest etablierte Überweisungssysteme und eine enge, interprofessionelle Zusammenarbeit mit Geburtshelfern, Pädiatern und anderen Spezialisten.
Geburtshäuser sind dedizierte Einrichtungen für Frauen mit geringem Komplikationsrisiko. Sie können freistehend oder an ein Krankenhaus angegliedert sein und werden vollständig von Hebammen geleitet.
Die WHO empfiehlt ein kompetenzbasiertes Curriculum mit einer Mindestdauer von drei Jahren sowie kontinuierliche, standardisierte Fortbildungsprogramme.

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