Viszerale Leishmaniose: Nairobi-Deklaration (WHO 2024)
📋Auf einen Blick
- •Die afrikanischen und östlichen Mittelmeerregionen der WHO tragen 73 % der weltweiten Krankheitslast der viszeralen Leishmaniose.
- •Ziel ist die Eliminierung der Erkrankung als öffentliches Gesundheitsproblem in acht ostafrikanischen Ländern bis 2030.
- •Koinfektionen mit HIV, Tuberkulose und Malaria wirken synergistisch und verschlechtern den Krankheitsverlauf.
- •Die Strategie fordert die Integration in nationale Gesundheits- und Notfallpläne sowie die Anwendung des One-Health-Ansatzes.
Hintergrund
Die Nairobi-Deklaration (2024) ist ein strategisches Rahmenwerk der WHO und der Gesundheitsministerien von acht afrikanischen Ländern (Tschad, Eritrea, Äthiopien, Kenia, Somalia, Südsudan, Sudan und Uganda). Das primäre Ziel ist die Eliminierung der viszeralen Leishmaniose als öffentliches Gesundheitsproblem in Ostafrika bis 2030.
Aktuell entfallen 73 % der weltweiten Krankheitslast der viszeralen Leishmaniose auf die afrikanischen und östlichen Mittelmeerregionen der WHO. Die Erkrankung wurde historisch vernachlässigt und betrifft überproportional oft vulnerable Gruppen wie Kinder, Frauen und Migranten.
Risikofaktoren und Koinfektionen
Die viszerale Leishmaniose ist stark mit Armut assoziiert und wird durch verschiedene ökologische und sozioökonomische Faktoren begünstigt. Zudem bestehen gefährliche Wechselwirkungen mit anderen endemischen Infektionskrankheiten.
| Kategorie | Assoziierte Faktoren und Erkrankungen |
|---|---|
| Sozioökonomisch | Unterernährung, schlechte Wohnverhältnisse, Konflikte, Vertreibung, Analphabetismus |
| Ökologisch | Umwelt- und Klimaveränderungen |
| Koinfektionen | HIV/AIDS, Tuberkulose, Malaria (wirken synergistisch und schädlich) |
Eine effektive Kontrolle der viszeralen Leishmaniose senkt zudem das Risiko für eine post-Kala-Azar dermale Leishmaniose und wirkt sich positiv auf die Kontrolle von HIV, Tuberkulose und Malaria aus.
Strategische Kernempfehlungen
Die Deklaration formuliert konkrete Handlungsanweisungen an Regierungen und Gesundheitsorganisationen, um das Eliminierungsziel zu erreichen:
- Nationale Integration: Aufnahme der viszeralen Leishmaniose in nationale Gesundheitspläne sowie in Notfall- und Epidemie-Vorsorgepläne.
- Integrierter Ansatz: Bündelung der Maßnahmen mit der Kontrolle anderer vektorübertragener und vernachlässigter Tropenkrankheiten (NTDs) im Sinne des One-Health-Ansatzes und der universellen Gesundheitsversorgung.
- Bewusstseinsbildung: Förderung der Aufklärung über die Erkrankung, verfügbare Behandlungen und Menschenrechte unter Einbeziehung der Gemeinschaft.
- Forschung und Entwicklung: Gezielte Förderung und Finanzierung neuer Instrumente zur Bekämpfung der Krankheit.
Forschungsbedarf
Um die Eliminierung technisch und operativ zu ermöglichen, wird die Entwicklung folgender Instrumente ausdrücklich gefordert:
| Bereich | Geforderte Innovationen |
|---|---|
| Diagnostik | Leistungsstarke, nicht-invasive Schnelltests |
| Therapie | Neue, sicherere und wirksamere Medikamente (Nutzung von Orphan-Drug-Incentives) |
| Prävention | Effektive Überwachungsinstrumente und Impfstoffe |
| Vektorkontrolle | Evaluierung aktueller Tools und Generierung von Evidenz für neue Maßnahmen |
Zusätzlich wird die WHO beauftragt, eine technische Beratergruppe für Ostafrika zu gründen, um den Fortschritt zu überwachen und strategische Richtlinien für die endemischen Länder vorzugeben.
💡Praxis-Tipp
Denken Sie bei Patienten aus den ostafrikanischen Endemiegebieten (z. B. Sudan, Äthiopien, Kenia) mit unklaren systemischen Symptomen an eine viszerale Leishmaniose, insbesondere wenn Koinfektionen wie HIV, Tuberkulose oder Malaria vorliegen.