Vestibuläre Funktionsstörungen: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die AWMF-S2k-Leitlinie "Vestibuläre Funktionsstörungen" (Stand 2021) adressiert die strukturierte Diagnostik und Therapie von Schwindelbeschwerden. Schwindel gehört zu den häufigsten Leitsymptomen in der medizinischen Praxis und erfordert oft eine interdisziplinäre Abklärung zwischen Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Neurologie.
Eine zentrale Herausforderung im klinischen Alltag ist die Differenzierung zwischen peripher-vestibulären und zentralnervösen Ursachen. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer systematischen Anamnese, die zeitliche Abläufe, Auslöser und Begleitsymptome präzise erfasst.
Ziel der Empfehlungen ist ein rationaler Einsatz diagnostischer Verfahren zur Vermeidung von Fehlversorgungen. Insbesondere bei akuten vestibulären Syndromen soll die rasche Erkennung lebensbedrohlicher zentraler Ursachen wie Schlaganfällen durch standardisierte klinische Tests sichergestellt werden.
💡Praxis-Tipp
Bei einem akuten vestibulären Syndrom mit Nystagmus weist ein unauffälliger Kopfimpulstest laut Leitlinie nahezu immer auf eine zentrale Läsion (z.B. Schlaganfall) hin. Es wird dringend empfohlen, in solchen Fällen eine sofortige fachübergreifende Diagnostik und Bildgebung einzuleiten, da periphere und zentrale Ursachen klinisch oft schwer zu unterscheiden sind.
Häufig gestellte Fragen
Ein peripherer Spontannystagmus schlägt meist horizontal-torsionell und lässt sich durch visuelle Fixation unterdrücken. Ein Nystagmus, der durch Fixation nicht abschwächbar ist oder die Richtung wechselt, weist laut Leitlinie auf eine zentrale Störung hin.
Die Leitlinie bewertet die Manöver nach Epley und Semont als gleichwertig in ihrer Wirksamkeit. Die Auswahl sollte sich danach richten, mit welchem Verfahren der Behandler besser vertraut ist und ob beim Patienten Einschränkungen der Halswirbelsäule vorliegen.
Es wird eine hochdosierte Corticosteroidtherapie (z.B. 250 mg Prednisolon-Äquivalent pro Tag) empfohlen, die unmittelbar nach Symptombeginn starten sollte. Sedierende Antivertiginosa sollen gemäß Leitlinie auf maximal drei Tage beschränkt werden.
Neben der typischen Anamnese wird eine Tonschwellenaudiometrie zum Nachweis der Tieftonschwerhörigkeit gefordert. Zur weiteren Objektivierung empfiehlt die Leitlinie eine MRT-Bildgebung zur Darstellung des endolymphatischen Hydrops sowie VEMP- und ECoG-Untersuchungen.
Die Leitlinie empfiehlt einen Therapieversuch mit Natriumkanalblockern wie Oxcarbazepin (300-900 mg/Tag) oder Carbamazepin über mindestens vier Wochen. Das Ansprechen auf diese Medikation gilt gleichzeitig als wichtiges diagnostisches Kriterium.
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Quelle: Vestibuläre Funktionsstörungen (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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