CochraneIa2021

Varikosis: Kompressionsstrümpfe als Erstlinientherapie

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Kompressionsstrümpfe gelten häufig als erste Wahl bei der Behandlung von primären Krampfadern (Varikosis) bei Menschen ohne geheilte oder aktive venöse Ulzerationen. Ziel ist es, den venösen Rückfluss zu reduzieren und assoziierte Symptome zu lindern.

Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2021 untersucht die Wirksamkeit dieser Maßnahme als alleinige Erstbehandlung. Eingeschlossen wurden randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit Personen, die eine Varikosis der CEAP-Klassen C2 bis C4 aufwiesen.

CEAP-KlasseKlinischer BefundEinschluss im Review
C0Keine sichtbaren Zeichen einer VenenerkrankungNein
C2Unkomplizierte Krampfadern (Varizen > 3 mm)Ja
C3Varikosis mit ÖdemenJa
C4Varikosis mit HautveränderungenJa
C5-C6Geheilte oder aktive venöse UlzeraNein

Es wurden Vergleiche zwischen Kompressionsstrümpfen und keiner Behandlung beziehungsweise Placebo-Strümpfen gezogen. Zudem wurden verschiedene Strumpftypen und Drücke miteinander verglichen, um die optimale Therapieform zu ermitteln.

Empfehlungen

Der Cochrane Review fasst die Evidenzlage zur Erstbehandlung von Krampfadern mit Kompressionsstrümpfen zusammen. Es ergeben sich folgende Kernaussagen:

Übersicht der Wirksamkeit

VergleichSymptomlinderungPhysiologische Messungen (z.B. Ödeme)Evidenzqualität
Kompression vs. Placebo/KeineSubjektive VerbesserungTeilweise Reduktion von ÖdemenNiedrig bis sehr niedrig
Kompression A vs. Kompression BSubjektive Verbesserung (kein Typ überlegen)Keine eindeutigen UnterschiedeNiedrig bis sehr niedrig

Kompressionsstrümpfe vs. keine Behandlung / Placebo

  • Bezüglich der Symptomlinderung zeigten die Studien eine subjektive Verbesserung der Beschwerden am Ende der Behandlungsphase.

  • Bei den physiologischen Messungen (wie Knöchelumfang oder Ödemreduktion) ergaben sich uneinheitliche Resultate, wobei Ödeme in der Strumpfgruppe teilweise abnahmen.

  • Die Lebensqualität zeigte keine eindeutigen Unterschiede zwischen den Gruppen.

Vergleich verschiedener Strumpftypen

  • Auch beim Vergleich unterschiedlicher Kompressionsstrümpfe wurde eine subjektive Symptomverbesserung festgestellt, ohne dass ein spezifischer Typ eindeutig überlegen war.

  • Es können keine Schlussfolgerungen hinsichtlich der optimalen Länge oder des optimalen Drucks gezogen werden.

  • Unbehagen wurde als Hauptgrund für die Bevorzugung eines bestimmten Strumpftyps gegenüber einem anderen genannt.

Compliance und Tragekomfort

Die Compliance variierte stark in Abhängigkeit von der Studienpopulation. Als Gründe für eine mangelnde Therapietreue wurden Unbehagen, Probleme beim Anlegen, das Aussehen sowie Hautreizungen angegeben.

Bei schwangeren Frauen nahm die Ablehnung von Kompressionsstrumpfhosen mit fortschreitender Schwangerschaft deutlich zu.

Fazit der Autoren

Laut Review gibt es derzeit keine hinreichend gesicherte Evidenz, um abschließend zu beurteilen, ob Kompressionsstrümpfe als alleinige Erstbehandlung wirksam sind. Es wird die Durchführung weiterer großer, qualitativ hochwertiger RCTs gefordert.

Kontraindikationen

Laut Review wurden in den eingeschlossenen Studien keine schweren oder lang anhaltenden Nebenwirkungen festgestellt. Am häufigsten wurde über Juckreiz, Schwitzen und Hauttrockenheit berichtet.

Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass Kompressionsstrümpfe unerwünschte Wirkungen haben können, wenn sie falsch angelegt werden. Zudem wird vor der Anwendung bei Personen mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) gewarnt.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Obwohl Kompressionsstrümpfe häufig als Erstlinientherapie verordnet werden, ist die Evidenz für ihren Nutzen bei unkomplizierter Varikosis laut Review sehr schwach. Es wird hervorgehoben, dass die Compliance der Betroffenen oft gering ist, meist bedingt durch Unbehagen oder Probleme beim Anziehen. Bei der Verordnung wird eine genaue Aufklärung über die korrekte Anwendung empfohlen, da falsch sitzende Strümpfe unerwünschte Effekte auslösen können.

Häufig gestellte Fragen

Der Review zeigt, dass Betroffene subjektiv oft eine Linderung ihrer Symptome wahrnehmen. Die wissenschaftliche Evidenz hierfür ist jedoch von niedriger Qualität, sodass keine definitive Aussage zur Wirksamkeit als alleinige Erstbehandlung getroffen werden kann.

Laut den ausgewerteten Studien lässt sich nicht abschließend klären, welche Strumpflänge oder Kompressionsklasse am wirksamsten ist. Die Wahl hängt stark von der individuellen Toleranz und dem Tragekomfort ab.

In den Studien wurden keine schweren Nebenwirkungen dokumentiert. Häufige leichte Beschwerden umfassen Juckreiz, Schwitzen, Hauttrockenheit sowie ein allgemeines Spannungsgefühl.

Die Compliance ist oft eingeschränkt, da die Strümpfe als unbequem empfunden werden oder das Anziehen Schwierigkeiten bereitet. Auch kosmetische Gründe und Hautreizungen führen laut Review häufig zum Therapieabbruch.

Eine eingeschlossene Studie zeigte, dass Kompressionsstrumpfhosen von schwangeren Frauen mit fortschreitender Schwangerschaft zunehmend abgelehnt werden. Der wachsende Bauchumfang führt hier oft zu einem inakzeptablen Unbehagen.

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Quelle: Cochrane Review: Graduated compression stockings for the initial treatment of varicose veins in people without venous ulceration (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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