Ulcus cruris venosum Rezidivprophylaxe: Cochrane Review
Hintergrund
Das Ulcus cruris venosum ist eine chronische Wunde am Unterschenkel, die meist durch einen Rückstau oder verlangsamten Blutfluss in den Beinvenen verursacht wird. Durch den erhöhten intravasalen Druck kommt es zu Gewebeschäden, die in einer Ulzeration münden können.
Eine Kompressionstherapie mit Verbänden oder Strümpfen ist ein etabliertes Verfahren zur Abheilung dieser Wunden. Da das Risiko für ein erneutes Auftreten (Rezidiv) nach der Abheilung jedoch hoch ist, wird eine fortgesetzte Kompressionsbehandlung zur Prophylaxe eingesetzt.
Der aktuelle Cochrane Review (2024) untersucht die Wirksamkeit verschiedener Kompressionsstärken und -arten zur Verhinderung von Rezidiven. Dabei wird auch die langfristige Therapietreue (Compliance) der Betroffenen beleuchtet.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Evidenzlage folgende Kernaussagen zur Rezidivprophylaxe:
Wirksamkeit verschiedener Kompressionsstärken
Laut den Autoren zeigt sich, dass eine höhere Kompressionsstärke tendenziell wirksamer ist, um das erneute Auftreten eines Ulcus cruris venosum zu verhindern. Es werden folgende Vergleiche hervorgehoben:
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Europäische Kompressionsstrümpfe der Klasse 3 verringern das Rezidivrisiko im Vergleich zu keiner Kompression über einen Zeitraum von sechs Monaten (Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit).
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Kompressionsstrümpfe der UK-Klasse 3 reduzieren das Rezidivrisiko im Vergleich zur UK-Klasse 2 über 18 Monate bis 10 Jahre (Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit).
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Zwischen europäischen Strümpfen der Klasse 1 und Klasse 2 besteht hinsichtlich der Rezidivrate über 12 Monate wahrscheinlich kaum ein Unterschied.
Therapietreue (Compliance)
Der Review betont einen wichtigen Zielkonflikt zwischen der Wirksamkeit und der Akzeptanz der Therapie. Es wird darauf hingewiesen, dass eine höhere Kompressionsstärke häufig zu einer geringeren Therapietreue führt.
Personen, die Strümpfe der UK-Klasse 2 verwenden, brechen die Behandlung seltener ab als Personen, die Strümpfe der UK-Klasse 3 tragen. Bei der Auswahl der Kompressionsklasse sollte dieser Aspekt laut den Autoren in der Praxis stets berücksichtigt werden.
Klassifikation nach UK-Standard
Da internationale Standards variieren, führt der Review die britische Klassifikation (UK-Standard) als Referenz für die untersuchten Strümpfe an:
| Klasse | Beschreibung | Knöcheldruck | Indikation laut Review |
|---|---|---|---|
| 1 | Leichte Unterstützung | 14–17 mmHg | Behandlung von Krampfadern |
| 2 | Mittlere Unterstützung | 18–24 mmHg | Schwere chronische Hypertonie, schwere Krampfadern, Ulcus-Prophylaxe |
| 3 | Starke Unterstützung | 25–35 mmHg | Schwerere Varikosis und Ulcus-Prophylaxe |
💡Praxis-Tipp
Der Review weist auf ein zentrales klinisches Dilemma hin: Obwohl eine höhere Kompressionsstärke (z. B. UK-Klasse 3) medizinisch wirksamer zur Rezidivprophylaxe ist, führt sie signifikant häufiger zu Therapieabbrüchen. Es wird daher indirekt nahegelegt, bei mangelnder Compliance auf eine niedrigere, aber tolerierte Kompressionsklasse (z. B. UK-Klasse 2) auszuweichen, da eine getragene schwächere Kompression vorteilhafter ist als eine nicht getragene starke Kompression.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review sind höhere Kompressionsstärken (wie EU-Klasse 3 oder UK-Klasse 3) am wirksamsten, um Rezidive zu verhindern. Allerdings muss die individuell tolerierte Stärke gewählt werden, da starke Kompression oft zu Therapieabbrüchen führt.
Der Review verglich zwei gängige Marken (Scholl und Medi) für Strümpfe der UK-Klasse 2. Dabei zeigte sich kein relevanter Unterschied hinsichtlich der Rezidivrate oder der Therapietreue.
Die eingeschlossenen Studien untersuchten Zeiträume von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Da das Ulcus cruris venosum eine chronisch rezidivierende Erkrankung ist, wird in der Regel eine langfristige oder dauerhafte Erhaltungstherapie empfohlen.
Auch wenn der direkte Vergleich im Review primär für hohe Klassen vorliegt, gilt das Tragen einer schwächeren Kompressionsklasse als vorteilhaft gegenüber keiner Therapie. Die Autoren betonen, dass die langfristige Akzeptanz der Strümpfe entscheidend für den Erfolg ist.
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Quelle: Cochrane Review: Compression for preventing recurrence of venous ulcers (Cochrane, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.