Tiefe Hirnstimulation (THS): Wirksamkeit bei Dystonie
Hintergrund
Dystonie ist eine schmerzhafte und beeinträchtigende Bewegungsstörung, die durch unwillkürliche Muskelkontraktionen und abnormale Körperhaltungen gekennzeichnet ist. In schweren, medikamentös therapierefraktären Fällen wird die Tiefe Hirnstimulation (THS) als Behandlungsoption in Betracht gezogen.
Der vorliegende Cochrane Review (2019) untersucht die Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit der THS des Globus pallidus internus (GPi) bei Erwachsenen. Es wurden zwei randomisierte, doppelblinde, scheinkontrollierte Studien mit insgesamt 102 Teilnehmenden eingeschlossen.
Die eingeschlossenen Studien untersuchten Patientengruppen mit zervikaler sowie mit generalisierter oder segmentaler Dystonie über einen Beobachtungszeitraum von drei bis sechs Monaten. Die Gesamtqualität der Evidenz wurde von den Autoren als niedrig bis sehr niedrig eingestuft.
Empfehlungen
Der Review fasst die Ergebnisse zur Tiefen Hirnstimulation (THS) wie folgt zusammen:
Zervikale Dystonie
Bei Erwachsenen mit zervikaler Dystonie zeigt die Auswertung folgende Effekte der THS nach drei Monaten (niedrige Evidenzqualität):
-
Verbesserung der dystoniespezifischen Symptome (gemessen im TWSTRS-Score)
-
Steigerung der funktionellen Kapazität
-
Positive Effekte auf die Stimmung und den allgemeinen klinischen Status
Hinsichtlich einer Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität durch den Eingriff besteht laut Review jedoch Unsicherheit (sehr niedrige Evidenzqualität).
Generalisierte und segmentale Dystonie
Für diese Patientengruppe ergeben sich durch die THS nach drei Monaten folgende mögliche Vorteile (niedrige Evidenzqualität):
-
Reduktion der dystoniespezifischen Symptome (gemessen im BFMDRS-Score)
-
Verbesserung des subjektiven klinischen Status
-
Steigerung der physischen Lebensqualität und der funktionellen Kapazität
Ob die Intervention auch die psychische Lebensqualität oder die emotionale Verfassung verbessert, bleibt aufgrund sehr niedriger Evidenzqualität unklar.
Sicherheit und unerwünschte Ereignisse
Der Review betont, dass die Evidenz zur Sicherheit und Verträglichkeit der THS bei Dystonie sehr niedrig ist. Es können keine sicheren Schlussfolgerungen zum Risiko für unerwünschte Ereignisse im Vergleich zur Scheinstimulation gezogen werden.
Zu den in den Studien berichteten schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen zählen:
-
Infektionen im Bereich des Stimulators
-
Dislokation der Elektroden
-
Notwendigkeit eines chirurgischen Austauschs von Gerätekomponenten
Klinische Bewertungsskalen
Zur Beurteilung des Therapieerfolgs wurden in den Studien validierte Scores verwendet. Der Review hebt folgende Instrumente hervor:
| Score | Vollständiger Name | Anwendungsbereich |
|---|---|---|
| TWSTRS | Toronto Western Spasmodic Torticollis Rating Scale | Zervikale Dystonie (Schweregrad, Behinderung, Schmerz) |
| BFMDRS | Burke-Fahn-Marsden Dystonia Rating Scale | Generalisierte/segmentale Dystonie (Motorik, Behinderung) |
| SF-36 | 36-item Short Form Health Survey | Allgemeine Lebensqualität (physisch und psychisch) |
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Aspekt für die Praxis ist die Aufklärung über die begrenzte Datenlage zur Langzeitsicherheit. Der Review weist darauf hin, dass die eingeschlossenen Studien nur einen kurzen Beobachtungszeitraum von drei bis sechs Monaten umfassten. Spätkomplikationen wie Batterie- oder Sondenprobleme werden in diesem Zeitfenster oft nicht erfasst, was bei der Indikationsstellung zur Tiefen Hirnstimulation bedacht werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review kann die Tiefe Hirnstimulation des Globus pallidus internus die Symptome, die funktionelle Kapazität und die Stimmung bei zervikaler Dystonie verbessern. Die zugrundeliegende Evidenzqualität wird jedoch als niedrig eingestuft.
In der klinischen Routine und in den untersuchten Studien ist der Globus pallidus internus (GPi) das primäre Zielgebiet für die Elektrodenplatzierung. Der Eingriff zielt darauf ab, die kortikale Erregbarkeit zu modulieren.
Der Review nennt Infektionen am Stimulator, Dislokationen der Elektroden und postoperative Verwirrtheitszustände als mögliche unerwünschte Ereignisse. Aufgrund der kurzen Studiendauer und kleiner Fallzahlen ist das genaue Risikoprofil im Vergleich zur Scheinstimulation jedoch noch unsicher.
Bei generalisierter und segmentaler Dystonie gibt es Hinweise auf eine verbesserte physische Lebensqualität. Bei der zervikalen Dystonie bleibt der Effekt auf die Lebensqualität aufgrund sehr niedriger Evidenzqualität unklar.
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Quelle: Cochrane Review: Deep brain stimulation for dystonia (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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