Tinetti-Test zur Sturzrisikoerfassung: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Stürze betreffen jährlich mehr als 30 % der Personen ab 65 Jahren, wobei diese Rate bei den über 85-Jährigen auf etwa 50 % ansteigt. Ein erheblicher Teil dieser Stürze führt zu muskuloskelettalen Verletzungen, eingeschränkter Mobilität und einer allgemeinen Verschlechterung des Gesundheitszustands.
Der Tinetti Gait and Balance Test, auch bekannt als Performance-Oriented Mobility Assessment (POMA), ist ein validiertes klinisches Screening-Instrument. Er wird laut der StatPearls-Zusammenfassung eingesetzt, um das Sturzrisiko zu bewerten und zugrunde liegende Pathologien der Haltungsinstabilität zu identifizieren.
Das Assessment findet breite Anwendung im ambulanten, stationären und rehabilitativen Bereich. Es liefert wertvolle Informationen über Balance- und Gangstörungen, die durch gezielte Interventionen oft modifizierbar sind.
Empfehlungen
Die StatPearls-Zusammenfassung formuliert folgende Kernaspekte zum Tinetti-Test:
Indikationen
Die Durchführung wird für alle Patienten ab 65 Jahren sowie für Personen mit einer Sturzanamnese empfohlen. Zudem ist der Test bei folgenden Begleiterkrankungen indiziert:
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Sarkopenie, Frailty-Syndrom und Demenz
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Neurologische Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma
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Seh- oder Hörbeeinträchtigungen
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Diabetes, kardiovaskuläre oder periphere Gefäßerkrankungen
Durchführung
Der Test dauert etwa 10 bis 15 Minuten und besteht aus zwei Komponenten: der Balance- und der Ganganalyse. Der Untersucher muss sich stets in der Nähe des Patienten befinden, um bei einem drohenden Sturz eingreifen zu können.
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Balance-Test (max. 16 Punkte): Beinhaltet das Aufstehen aus einem Stuhl ohne Armeinsatz, den Stand mit geschlossenen Füßen, einen leichten Stoß gegen das Sternum (mit offenen und geschlossenen Augen) sowie eine 360-Grad-Drehung.
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Gang-Test (max. 12 Punkte): Der Patient geht eine Strecke von etwa 4,5 Metern (15 Fuß) in normalem Tempo, dreht sich um und geht zügig, aber sicher zurück. Die Nutzung von Gehhilfen ist gestattet.
Auswertung und Interpretation
Die Bewertung erfolgt auf einer ordinalen Skala von 0 (schwere Beeinträchtigung) bis 2 (Unabhängigkeit) für jedes Kriterium. Ein niedriger Gesamtscore weist auf eine stärkere Beeinträchtigung hin.
Die Leitlinie empfiehlt, die Ergebnisse differenziert zu betrachten, um Rückschlüsse auf die zugrunde liegenden physiologischen Defizite zu ziehen:
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Niedrige Balance-Scores deuten häufig auf vestibuläre Dysfunktionen, propriozeptive Verluste oder visuelle Einschränkungen hin.
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Niedrige Gang-Scores weisen auf neuromuskuläre Schwäche, Spastik oder eine beeinträchtigte motorische Koordination hin.
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Asymmetrische oder bradykinetische Bewegungsmuster können extrapyramidale Störungen wie Morbus Parkinson anzeigen.
Risikostratifizierung
Basierend auf dem Gesamtscore (maximal 28 Punkte) wird das Sturzrisiko des Patienten wie folgt klassifiziert:
| Tinetti-Gesamtscore | Sturzrisiko |
|---|---|
| $\le$ 18 Punkte | Hohes Risiko |
| 19 - 23 Punkte | Moderates Risiko |
| $\ge$ 24 Punkte | Geringes Risiko |
Kontraindikationen
Laut Leitlinie kann der Test bei instabilen Patienten nicht sicher durchgeführt werden. Es wird von einer Testung abgeraten bei akuten Erkrankungen, schwerer kardiovaskulärer Beeinträchtigung, ausgeprägter orthostatischer Hypotonie, starken muskuloskelettalen Einschränkungen oder deutlicher Belastungsintoleranz.
In diesen Fällen besteht ein erhöhtes Risiko für Stürze oder unerwünschte Ereignisse während der Untersuchung. Zudem könnten die Ergebnisse durch temporäre medizinische Einschränkungen verfälscht werden.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass auch bei einem unauffälligen Gesamtscore isolierte Defizite in einzelnen Testkategorien beachtet werden sollten. Diese spezifischen Einschränkungen gelten als eigenständige Risikofaktoren für zukünftige Stürze und erfordern eine gezielte Abklärung und Intervention.
Häufig gestellte Fragen
Laut StatPearls nimmt die vollständige Untersuchung etwa 10 bis 15 Minuten in Anspruch. Der Untersucher sollte während der gesamten Zeit nah am Patienten bleiben.
Ja, die Leitlinie gibt an, dass Patienten während der Ganganalyse bei Bedarf ihre gewohnten Gehhilfen verwenden dürfen.
Ein Gesamtscore von 18 Punkten oder weniger wird als hohes Sturzrisiko eingestuft. Werte ab 24 Punkten deuten auf ein geringes Risiko hin.
Es werden lediglich ein stabiler, harter Stuhl ohne Armlehnen, eine Stoppuhr und ein etwa 4,5 Meter langer Flur mit glatter Oberfläche benötigt.
Niedrige Balance-Scores weisen laut Leitlinie häufig auf vestibuläre Dysfunktionen, propriozeptive Verluste oder visuelle Einschränkungen hin.
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Quelle: StatPearls: Tinetti Gait and Balance Test (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.