Sturzprävention bei Multipler Sklerose: Cochrane Review
Hintergrund
Multiple Sklerose (MS) geht mit einem deutlich erhöhten Sturzrisiko einher. Laut Leitlinie stürzen etwa 56 Prozent der Betroffenen, was häufig zu Frakturen, einer Angst vor weiteren Stürzen und einem Verlust der Unabhängigkeit führt.
Das Sturzrisiko bei MS ist dreimal so hoch wie bei älteren Menschen ohne MS. Als wesentliche Risikofaktoren werden in der Leitlinie Gleichgewichtsstörungen, die Nutzung von Mobilitätshilfen, kognitive Einschränkungen sowie ein progredienter Krankheitsverlauf genannt.
Bisherige klinische Leitlinien bieten keinen evidenzbasierten Ansatz für Sturzinterventionen bei MS. Dieser systematische Review untersucht daher die Wirksamkeit verschiedener Präventionsmaßnahmen wie Bewegungstherapie und Edukation.
Empfehlungen
Der Cochrane-Review fasst die Evidenz zu Sturzpräventionsmaßnahmen bei Multipler Sklerose zusammen.
Wirksamkeit von Interventionen
Laut Leitlinie ist die Evidenz für Interventionen zur Sturzprävention bei MS derzeit spärlich und unsicher. Es wird hervorgehoben, dass die meisten untersuchten Maßnahmen keine signifikant positiven Ergebnisse für die Reduktion der Sturzrate zeigen.
Für Bewegungstherapien im Vergleich zu Kontrollgruppen stellt die Leitlinie folgende Ergebnisse fest:
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Die Evidenz bezüglich der Reduktion der Sturzrate und der Anzahl der Stürzenden ist von sehr niedriger bis niedriger Qualität.
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Es gibt Hinweise darauf, dass bewegungsbasierte Interventionen die Gleichgewichtsfunktion und die Mobilität der Betroffenen verbessern.
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Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Interventionen Schäden oder vermehrte unerwünschte Ereignisse verursachen.
Anforderungen an zukünftige Studien
Aufgrund der methodischen Mängel bisheriger Studien formuliert der Review spezifische Anforderungen an zukünftige Untersuchungen:
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Stürze sollten prospektiv gemessen, täglich dokumentiert und monatlich kontrolliert werden.
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Es wird die Verwendung einer zeitgemäßen Standarddefinition für einen Sturz empfohlen.
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Die Leitlinie betont den Bedarf an robusten randomisiert-kontrollierten Studien, die multifaktorielle Sturzpräventionsmaßnahmen untersuchen.
💡Praxis-Tipp
Obwohl Bewegungstherapien die tatsächliche Sturzrate laut aktueller Evidenz nicht signifikant senken, wird im Review betont, dass sie dennoch positive Effekte auf das Gleichgewicht und die Mobilität von MS-Patienten haben. Es wird darauf hingewiesen, dass multifaktorielle Ansätze, die individuelle physiologische Risikofaktoren gezielt adressieren, in der Praxis das größte Potenzial bieten könnten.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane-Review stürzen etwa 56 Prozent der Menschen mit Multipler Sklerose. Das Risiko ist damit dreimal so hoch wie bei älteren Menschen ohne diese Erkrankung.
Die Leitlinie stellt fest, dass die Evidenz für eine direkte Reduktion der Sturzrate durch Bewegungstherapie derzeit noch unsicher ist. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass solche Interventionen das Gleichgewicht und die Mobilität verbessern.
Als signifikante Risikofaktoren werden in der Leitlinie Gleichgewichtsstörungen, kognitive Einschränkungen, die Nutzung von Gehhilfen sowie ein progredienter MS-Subtyp genannt. Auch ein EDSS-Wert von 4.0 oder 6.0 wird mit einem erhöhten Risiko assoziiert.
In den untersuchten Studien wurden am häufigsten Bewegungstherapien, Edukation, funktionelle Elektrostimulation sowie Kombinationen aus Bewegung und Edukation eingesetzt. Die Leitlinie bemängelt jedoch das Fehlen multifaktorieller Ansätze.
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Quelle: Cochrane Review: Interventions for preventing falls in people with multiple sclerosis (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.