Gangstörungen: Ursachen und Diagnostik laut StatPearls
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie (2026) definiert Gangstörungen als jegliche Abweichungen vom normalen Gangbild. Diese werden grundlegend in episodische und chronische Störungen unterteilt.
Laut Leitlinie sind nicht-neurologische Ursachen wie Arthrose für etwa 59 Prozent der Fälle verantwortlich. Neurologische Erkrankungen machen 26 Prozent aus, während übergeordnete Gangstörungen weitere 16 Prozent umfassen.
Die Prävalenz von Gangstörungen nimmt mit dem Alter stark zu. Während im Alter von 60 Jahren noch 85 Prozent der Menschen ein normales Gangbild aufweisen, sind es im Alter von 85 Jahren nur noch 20 Prozent.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Evaluation und Behandlung:
Diagnostik und Anamnese
Es wird eine umfassende Anamnese empfohlen, die den Beginn und die Dauer der Symptome sowie Einschränkungen im Alltag erfasst. Zur Abklärung metabolischer Ursachen und Vitaminmangelzustände wird eine laborchemische Untersuchung inklusive Blutbild und Stoffwechselpanel angeraten.
Bei Verdacht auf strukturelle oder neurologische Ursachen empfiehlt die Leitlinie den gezielten Einsatz von bildgebenden Verfahren. Ergänzend können Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen zur weiteren Evaluation herangezogen werden.
Klinische Untersuchung
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer detaillierten Beobachtung des Gangzyklus. Folgende Aspekte sollten bei der körperlichen Untersuchung beurteilt werden:
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Körperhaltung und Standbreite
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Schrittlänge, Gehgeschwindigkeit und Armschwung
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Tandemgang, Fersen- und Zehengang
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Romberg-Test und Rückwärtsgehen
Spezifische Gangbilder und Ursachen
Die Leitlinie klassifiziert verschiedene Gangmuster, die auf spezifische Pathologien hinweisen. Eine genaue Zuordnung wird zur Ursachenfindung empfohlen.
| Gangbild | Charakteristik | Häufige Ursache |
|---|---|---|
| Antalgischer Gang | Verkürzte Standphase | Schmerzen |
| Trendelenburg-Gang | Absinken des Beckens zur gesunden Seite | Schwäche der Hüftabduktoren |
| Steppergang | Unfähigkeit zum Fersenauftritt (Fußheberschwäche) | Schwäche der Fußdorsalextension |
| Sensorisch-ataxtischer Gang | Stampfender Gang, positiver Romberg-Test | Vitamin-B12-Mangel |
| Festinierender Gang | Kurzschrittig, schlurfend, verminderter Armschwung | Parkinson-Krankheit |
| Magnetgang | Breitbeinig, "am Boden klebend" | Normaldruckhydrozephalus |
| Scherengang | Überkreuzen der Beine | Infantile Zerebralparese |
Therapie und Management
Die Behandlung richtet sich laut Leitlinie primär nach der zugrunde liegenden Ursache. Es wird ein multidisziplinärer Ansatz empfohlen, der Physiotherapie, medikamentöse Therapien und gegebenenfalls chirurgische Interventionen umfasst.
Bei Parkinson-assoziierten Gangstörungen wird eine Kombination aus Medikamenten, tiefer Hirnstimulation und spezifischem Gangtraining angeraten. Zur Sturzprävention wird bei allen stark betroffenen Patienten die Nutzung von Hilfsmitteln und eine multimodale Rehabilitation empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist darauf hin, dass episodische Gangstörungen, wie das "Freezing" bei Morbus Parkinson, oft plötzlich auftreten und ein besonders hohes Sturzrisiko bergen, da sich die Patienten nicht daran anpassen können. Es wird zudem betont, dass auch scheinbar rein orthopädische Gangprobleme durch Elektrolytstörungen wie eine Hyponatriämie oder Vitaminmangelzustände (insbesondere Vitamin B12) verursacht oder verschlechtert werden können.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird ein interprofessioneller Ansatz empfohlen. Je nach Ursache können Neurologen, Orthopäden, Geriater, Physiotherapeuten oder Endokrinologen in die Behandlung eingebunden werden.
Episodische Störungen treten plötzlich auf und führen häufig zu unerwarteten Stürzen, da keine Adaptation stattfindet. Chronische Gangstörungen entwickeln sich laut Leitlinie schleichend, sodass sich die Patienten im Verlauf an die neurologische Dysfunktion anpassen können.
Die Leitlinie empfiehlt die Bestimmung eines großen Blutbildes und eines umfassenden Stoffwechselpanels. Besonderes Augenmerk sollte auf Elektrolyte wie Natrium sowie auf die Vitamine B12, E und Folsäure gelegt werden.
Nicht-neurologische Ursachen, insbesondere die Arthrose von Hüft- und Kniegelenken, sind laut Leitlinie für die Mehrheit (etwa 59 Prozent) der Gangstörungen verantwortlich. Neurologische Ursachen machen etwa 26 Prozent der Fälle aus.
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Quelle: StatPearls: Gait Disturbances (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.