Sengstaken-Blakemore-Sonde: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die Sengstaken-Blakemore-Sonde ist eine potenziell lebensrettende Notfallmaßnahme bei akuten, unkontrollierten Blutungen aus Ösophagusvarizen. Diese Varizen entstehen meist als Folge einer portalen Hypertension bei chronischen Lebererkrankungen wie der Leberzirrhose.
Laut der StatPearls-Leitlinie dient die Ballontamponade als temporäre Überbrückung, wenn primäre Therapien wie endoskopische Ligaturen oder Sklerosierungen nicht verfügbar oder erfolglos sind. Sie ermöglicht eine hämodynamische Stabilisierung bis zur definitiven Versorgung durch eine Endoskopie oder einen transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunt (TIPS).
Die Sonde übt durch zwei aufblasbare Ballons direkten mechanischen Druck auf die blutenden Varizen in Magen und Speiseröhre aus. Dies reduziert den venösen Blutfluss und fördert die Gerinnselbildung, erfordert jedoch eine engmaschige Überwachung aufgrund potenziell schwerwiegender Komplikationen.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den Einsatz der Sengstaken-Blakemore-Sonde:
Indikation und Vorbereitung
Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz als Rescue-Intervention bei massiven Varizenblutungen, die nicht auf medikamentöse oder endoskopische Therapien ansprechen. Es wird betont, dass die Maßnahme lediglich als Überbrückung zu definitiven Verfahren dient.
Vor der Sondenanlage wird eine zwingende endotracheale Intubation zum Atemwegsschutz empfohlen. Der Patient sollte laut Leitlinie in einer Oberkörperhochlage von 30 bis 45 Grad positioniert werden, um das Aspirationsrisiko zu minimieren.
Durchführung und Lagekontrolle
Es wird empfohlen, die Sondenlage vor der vollständigen Balloninflation radiologisch (Röntgen) oder sonografisch zu bestätigen. Dies dient der Vermeidung einer tödlichen Ösophagusruptur durch Fehlplatzierung des Magenballons.
Für die Ballonsysteme werden folgende Parameter empfohlen:
| Ballon | Initiales Volumen/Druck | Maximales Volumen/Druck | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Magenballon | 50 ml Luft | 250-300 ml Luft | Fixierung mit ca. 1 kg Zuggewicht (z.B. 1000-ml-Infusion) |
| Ösophagusballon | 30 mmHg | 45 mmHg | Nur bei persistierender Blutung aufblasen |
Monitoring und Nachsorge
Die Leitlinie fordert eine kontinuierliche Druckmessung des Ösophagusballons mittels Manometer. Ein Druck von 45 mmHg darf nicht überschritten werden, um Schleimhautnekrosen zu vermeiden.
Es wird empfohlen, den Ösophagusballon alle 6 bis 8 Stunden intermittierend zu entblocken. Die maximale Verweildauer der Ballontamponade wird auf 24 Stunden begrenzt.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie gibt es bei massiven, unkontrollierten Blutungen keine absoluten Kontraindikationen. Es werden jedoch folgende relative Kontraindikationen genannt, die bei der Risiko-Nutzen-Abwägung berücksichtigt werden sollten:
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Bekannte Ösophagusstrikturen oder -stenosen
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Kürzliche Operationen am oberen Gastrointestinaltrakt oder Ösophagus
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Große oder komplizierte Hiatushernien
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Unbehandelte schwere Koagulopathien
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Aktive ösophageale Ulzerationen oder Schleimhauteinrisse
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Kürzliche endoskopische Varizeninterventionen (innerhalb der letzten 7 bis 10 Tage)
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, den Magenballon ohne vorherige radiologische oder sonografische Lagekontrolle vollständig aufzublasen, da eine Fehlplatzierung in der Speiseröhre zu einer Ruptur führen kann. Zudem wird betont, dass die Sengstaken-Blakemore-Sonde keinen Absaugkanal für die Speiseröhre besitzt, weshalb immer eine zusätzliche Magensonde oberhalb des Ballons platziert werden sollte, um Blutungen oberhalb des Magenballons zu erkennen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt die Sonde als Notfallmaßnahme bei unkontrollierten Ösophagusvarizenblutungen. Sie kommt zum Einsatz, wenn endoskopische oder medikamentöse Therapien versagen oder nicht rechtzeitig verfügbar sind.
Es wird empfohlen, die Ballontamponade nach spätestens 24 Stunden zu beenden. Zudem sollte der Ösophagusballon alle 6 bis 8 Stunden kurzzeitig entblockt werden, um Drucknekrosen der Schleimhaut zu vermeiden.
Laut Leitlinie darf der Druck im Ösophagusballon maximal 45 mmHg betragen. Ein höherer Druck erhöht das Risiko für Ischämien und ösophageale Nekrosen erheblich.
Ja, die Leitlinie fordert eine zwingende endotracheale Intubation vor der Sondenanlage. Dies dient dem Schutz der Atemwege vor Aspiration und einer möglichen Verlegung durch die Sonde.
Es wird empfohlen, den Magenballon initial mit 50 ml Luft zu füllen und die Lage radiologisch zu kontrollieren. Erst nach Bestätigung der korrekten Position im Magen erfolgt die vollständige Füllung mit 250 bis 300 ml Luft.
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Quelle: StatPearls: Sengstaken-Blakemore Tube (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.