Schulterblattfraktur (Scapula): StatPearls Zusammenfassung
Hintergrund
Scapulafrakturen sind selten und machen weniger als 1 % aller Frakturen aus. Sie entstehen meist durch Hochrasanztraumata wie Verkehrsunfälle oder Stürze aus großer Höhe.
Aufgrund der hohen Gewalteinwirkung sind in 80 bis 95 % der Fälle Begleitverletzungen vorhanden. Dazu zählen Rippenfrakturen, Lungenverletzungen sowie neurovaskuläre Schäden.
Am häufigsten sind junge Männer zwischen 25 und 50 Jahren betroffen. Die Frakturen lokalisieren sich meist im Corpus (45 %) oder am Processus glenoidalis (35 %).
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung von Scapulafrakturen:
Diagnostik
Wegen der häufigen Begleitverletzungen wird eine vollständige Evaluation als Traumapatient empfohlen. Zur radiologischen Beurteilung wird primär eine CT-Untersuchung empfohlen, da konventionelle Röntgenbilder Begleitverletzungen oft übersehen.
Bei Verdacht auf Gelenk- oder Bandbeteiligungen sollte ein MRT in Betracht gezogen werden. Für die Operationsplanung kann eine 3D-CT-Rekonstruktion hilfreich sein.
Konservative Therapie
Über 90 % der Scapulafrakturen sind minimal disloziert und können konservativ behandelt werden. Es wird eine kurzzeitige Ruhigstellung in einer Schlinge empfohlen.
Um einer Schultersteife (Frozen Shoulder) vorzubeugen, wird ein frühzeitiger Beginn mit Bewegungsübungen empfohlen.
Operative Therapie
Jede Scapulafraktur sollte durch einen Unfallchirurgen oder Orthopäden beurteilt werden. Aufgrund der häufigen Begleitverletzungen wird empfohlen, operative Eingriffe bis zur Stabilisierung des Patienten aufzuschieben.
Es gelten folgende absolute Operationsindikationen:
-
Offene Frakturen
-
Verletzung des skapulären Aufhängesystems (Floating Shoulder)
-
Verlust der Positionsintegrität des Glenoids
-
Verschiebung der lateralen Säule
Zusätzlich definiert die Leitlinie spezifische radiologische Grenzwerte für eine operative Versorgung:
| Frakturtyp | Kriterium für operative Versorgung |
|---|---|
| Intraartikulär | Gelenkstufe > 5 mm |
| Intraartikulär | Assoziierte glenohumerale Instabilität |
| Intraartikulär | Fraktur des vorderen Randes (> 25 % der Gelenkfläche) |
| Intraartikulär | Fraktur des hinteren Randes (> 33 % der Gelenkfläche) |
| Extraartikulär | Abwinkelung > 40 Grad |
| Extraartikulär | Lateraler Randversatz > 15 mm plus Abwinkelung > 35 Grad |
| Extraartikulär | Lateraler Randversatz > 20 mm |
| Extraartikulär | Glenopolarer Winkel < 22 Grad |
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie weisen bis zu 95 % der Patienten mit einer Scapulafraktur weitere, teils lebensbedrohliche Begleitverletzungen auf. Es wird nachdrücklich darauf hingewiesen, bei der körperlichen Untersuchung auf thorakoskapuläre Dissoziationen zu achten, da diese zu massiven Blutungen der Vena subclavia oder der axillären Gefäße führen können. Zudem wird empfohlen, den Plexus brachialis sorgfältig neurologisch zu prüfen, da hier in bis zu 13 % der Fälle Läsionen auftreten.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt bei minimal dislozierten Frakturen eine kurzzeitige Ruhigstellung in einer Schlinge. Anschließend sollte frühzeitig mit Bewegungsübungen begonnen werden, um eine Schultersteife zu vermeiden.
Es wird standardmäßig eine CT-Untersuchung empfohlen, da konventionelle Röntgenaufnahmen Begleitverletzungen häufig nicht darstellen. Bei möglicher Gelenkbeteiligung kann zusätzlich ein MRT indiziert sein.
Eine Operation wird unter anderem bei offenen Frakturen, einer Floating Shoulder oder einer Gelenkstufe von mehr als 5 mm empfohlen. Die Leitlinie rät jedoch, den Eingriff bis zur allgemeinen Kreislaufstabilisierung des Traumapatienten aufzuschieben.
Gemäß der Leitlinie umfasst die Rehabilitation typischerweise sechs Wochen mit aktiven und aktiv-assistierten Bewegungsübungen. Ein gezieltes Krafttraining wird erst etwa drei bis vier Monate nach dem Trauma oder der Operation empfohlen.
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Quelle: StatPearls: Scapula Fracture (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.