Wundbeurteilung und Management: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Laut der StatPearls-Leitlinie wird eine Wunde als Schädigung oder Unterbrechung der zellulären, anatomischen und funktionellen Integrität von lebendem Gewebe definiert. Der physiologische Wundheilungsprozess durchläuft dabei die Phasen der Hämostase, Entzündung, Proliferation und Remodellierung.
Chronische Wunden sind laut Leitlinie dadurch gekennzeichnet, dass sie in der Entzündungsphase verharren und nach drei Monaten keine Heilungsfortschritte zeigen. Zu den häufigsten Ursachen für eine verzögerte Wundheilung zählen arterielle oder venöse Insuffizienz, Infektionen, Druckbelastung sowie systemische Erkrankungen wie Diabetes mellitus.
Für eine strukturierte Wundbeurteilung wird das erweiterte TIMERS-Konzept (Tissue, Infection/Inflammation, Moisture, Wound edge, Repair/Regeneration, Social) herangezogen. Die Leitlinie betont, dass eine erfolgreiche Wundheilung nur durch die Identifikation und Behandlung der zugrunde liegenden Ursache erreicht werden kann.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Wundversorgung:
Klinische Diagnostik und Wundbeurteilung
Die Diagnose einer lokalen Wundinfektion wird primär klinisch gestellt. Als klassische Infektionszeichen nennt die Leitlinie Erythem, Schmerz, Schwellung, Fluktuation, eitrige Sekretion und Funktionsverlust.
Von der routinemäßigen Durchführung von Oberflächenabstrichen zur Diagnosestellung einer Infektion wird abgeraten, da diese lediglich die Kolonisation widerspiegeln. Für die Diagnose einer Osteomyelitis gilt laut Leitlinie die Knochenbiopsie als Goldstandard.
Zur Beurteilung der peripheren Durchblutung wird die Bestimmung des Knöchel-Arm-Index (ABI) und des Zehen-Arm-Index (TBI) empfohlen. Ein ABI von unter 0,9 ist diagnostisch für eine periphere arterielle Verschlusskrankheit.
Klassifikation von Wunden
Für offene Frakturen wird die Einteilung nach Gustilo-Anderson herangezogen:
| Typ | Wundgröße | Weichteilschaden | Kontamination | Frakturmorphologie |
|---|---|---|---|---|
| Typ 1 | < 1 cm | Minimal | Minimal | Minimale Trümmerzone, keine Periostablösung |
| Typ 2 | > 1 cm | Moderat | Moderat | Minimale Trümmerzone, keine Periostablösung |
| Typ 3A | Variabel | Ausgedehnt | Massiv | Schwere Trümmerfraktur, Periostablösung |
| Typ 3B | Variabel | Sehr ausgedehnt | Signifikant | Knochen liegt frei (Lappenplastik nötig) |
| Typ 3C | Variabel | Wie 3A/3B | Variabel | Begleitende arterielle Verletzung |
Druckulzera werden gemäß der Leitlinie in folgende Stadien eingeteilt:
| Stadium | Gewebebeteiligung | Klinisches Bild |
|---|---|---|
| Stadium I | Epidermis | Intakte Haut mit nicht wegdrückbarer Rötung |
| Stadium II | Epidermis und ggf. Dermis | Oberflächlicher Teilverlust der Haut |
| Stadium III | Bis in das subkutane Fettgewebe | Vollständiger Hautverlust |
| Stadium IV | Muskel, Knochen, Faszie oder Sehne | Tiefer Gewebeverlust mit freiliegenden Strukturen |
| Nicht einstufbar | Tiefe unklar | Wundgrund durch Schorf oder Nekrose verdeckt |
Therapie und Wundmanagement
Das grundlegende Prinzip der Wundversorgung besteht in der Säuberung verschmutzter Wunden und dem Verschluss sauberer Wunden. Nekrotisches Gewebe muss laut Leitlinie umgehend debridiert werden, um einen potenziellen Infektionsherd zu beseitigen.
Für das Feuchtigkeitsmanagement gilt der Grundsatz, dass feuchte Wunden getrocknet und trockene Wunden befeuchtet werden sollen. Bei sauberen Wunden ohne nekrotisches Material wird ein feuchtes Wundmilieu empfohlen, um die Heilung zu fördern.
Nekrotisierende Weichteilinfektionen (NSTI)
Nekrotisierende Weichteilinfektionen stellen einen chirurgischen Notfall dar. Bei Verdacht wird eine sofortige, aggressive chirurgische Debridement-Therapie empfohlen.
Zusätzlich ist der umgehende Beginn einer empirischen Breitbandantibiose erforderlich. Die Leitlinie empfiehlt hierbei die Integration von Clindamycin aufgrund seiner antitoxischen Eigenschaften.
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Unterdruck-Wundtherapie (NPWT): Der Einsatz von Vakuumtherapiesystemen ist bei akut infizierten Wunden kontraindiziert.
-
Debridement bei Ischämie: Ein Debridement bei unzureichender arterieller Durchblutung wird nicht empfohlen, da dies zu einer Vergrößerung der Wunde führt, ohne die Heilungschancen zu verbessern. In solchen Fällen muss zunächst eine Revaskularisation erfolgen.
💡Praxis-Tipp
Ein starker Geruch bei venösen Stauungsulzera ist nicht zwingend ein Zeichen für eine Infektion, da starke Exsudation an sich bereits geruchsbildend sein kann. Die Leitlinie betont zudem, dass oberflächliche Wundabstriche nicht zur Diagnose einer Wundinfektion herangezogen werden sollten, da sie lediglich die physiologische Kolonisation der Wundoberfläche abbilden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird die Diagnose einer lokalen Wundinfektion primär klinisch gestellt. Ausschlaggebend sind Symptome wie Rötung, Schmerz, Schwellung, Fluktuation, eitrige Sekretion und Funktionsverlust.
Ein oberflächlicher Wundabstrich dient laut Leitlinie lediglich der Überwachung der kolonisierenden Flora. Er sollte nicht als Auslöser für den Beginn einer antibiotischen Therapie bei Wundinfektionen verwendet werden.
Die Leitlinie empfiehlt bei nekrotisierenden Weichteilinfektionen ein sofortiges chirurgisches Debridement. Begleitend muss eine empirische Breitbandantibiose eingeleitet werden, die Clindamycin einschließt.
Ein Knöchel-Arm-Index (ABI) von unter 0,9 gilt gemäß der Leitlinie als diagnostisch für eine periphere arterielle Verschlusskrankheit. Bei Patienten mit inkompressiblen Gefäßen sollte zusätzlich der Zehen-Arm-Index (TBI) bestimmt werden.
Die Leitlinie empfiehlt als Faustregel, stark nässende Wunden zu trocknen und trockene Wunden zu befeuchten. Hierfür können beispielsweise Alginate zur Absorption oder Hydrogele zur Befeuchtung eingesetzt werden.
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Quelle: StatPearls: Wound Assessment (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.