Lokale und regionale Anästhesie am Auge: StatPearls
Hintergrund
Die Wahl der geeigneten lokalen oder regionalen Anästhesie in der Augenchirurgie hängt laut der StatPearls-Leitlinie von dem geplanten Eingriff, der benötigten Dauer und den Patientenmerkmalen ab. Aufgrund der redundanten sensiblen Innervation des Gesichts ist häufig eine Kombination verschiedener Anästhesietechniken erforderlich, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
Topische und lokale Infiltrationstechniken eignen sich vor allem für weniger komplexe Eingriffe. Bei größeren Verletzungen oder komplexeren Operationen bieten regionale Nervenblöcke den Vorteil, dass ein größeres Areal mit einer geringeren Anästhetikamenge betäubt wird, während Gewebeverzerrungen minimiert werden.
Empfehlungen
Die Leitlinie beschreibt verschiedene Techniken der okulären und periokulären Anästhesie:
Topische und lokale Verfahren
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Topische Anästhesie: Wird für Eingriffe mit geringer Komplexität bei kooperativen Patienten eingesetzt. Sie bietet keine vollständige Akinesie oder Kontrolle des Augeninnendrucks.
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Subkonjunktivale Anästhesie: Erfolgt durch direkte Infiltration unter die Bindehaut, etwa 5 bis 8 mm vom Limbus entfernt. Sie wird bei intravitrealen Injektionen, Katarakt-, Glaukom- und Pterygiumoperationen angewendet.
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Sub-Tenon-Anästhesie: Das Anästhetikum wird in den potenziellen Raum zwischen Tenon-Kapsel und Sklera injiziert. Hierfür wird meist der inferonasale Fornix genutzt.
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Intrakamerale Anästhesie: Beinhaltet die Injektion kleiner Volumina direkt in die Vorderkammer. Die verwendeten Wirkstoffe müssen zwingend frei von Konservierungsmitteln sein.
Gezielte Nervenblöcke
Laut Leitlinie erfordern regionale Blockaden genaue anatomische Kenntnisse, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden. Zu den beschriebenen Techniken gehören:
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Retrobulbärblock: Bietet Anästhesie und Akinesie durch Infiltration des intrakonalen Raums. Wegen des Risikos von Vasospasmen wird bei sehenden Augen meist auf Epinephrin-Zusätze verzichtet.
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Fazialisblöcke (O'Brien, Atkinson, van Lint): Zielen auf die periokulären Äste des N. facialis ab. Ziel ist es, ein übermäßiges Blinzeln während der Operation durch Akinesie des M. orbicularis oculi zu verhindern.
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Weitere periokuläre Blöcke: Umfassen unter anderem den Supraorbital-, Supratrochlear-, Infratrochlear- und Infraorbitalblock zur gezielten Schmerzausschaltung spezifischer Gesichts- und Lidbereiche.
Adjuvante Medikamente
Die Leitlinie erwähnt den Einsatz von Hyaluronidase zur verbesserten Ausbreitung des Anästhetikums im Bindegewebe. Dies beschleunigt den Wirkeintritt, kann jedoch die Wirkdauer verkürzen.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende spezifische Konzentrationen und Volumina für verschiedene Anästhesieverfahren:
| Anästhesieverfahren | Wirkstoff / Konzentration | Typisches Volumen |
|---|---|---|
| Topische Anästhesie (Tropfen) | Proparacain-HCl 0,5% oder Tetracain-HCl 0,5% | k.A. |
| Topische Anästhesie (Gel) | Lidocain-HCl 3,5% | k.A. |
| Intrakamerale Anästhesie | Lidocain-HCl 1% oder Bupivacain-HCl 0,5% (konservierungsmittelfrei) | 0,1 - 0,5 ml |
| Sub-Tenon-Anästhesie (anterior) | Lokalanästhetikum | 3 - 5 ml |
| Retrobulbärblock | Lokalanästhetikum (meist ohne Epinephrin) | 3 - 5 ml |
Hinweis: Als systemisches Adjuvans wird Clonidin in einer niedrigen Dosis von 1 mcg/kg erwähnt, um den Augeninnendruck zu senken und die perioperative Analgesie zu verbessern.
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen für lokale und regionale Anästhesieverfahren am Auge:
Absolute Kontraindikationen
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Ablehnung durch den Patienten
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Allergie gegen das Anästhetikum
Relative Kontraindikationen
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Offener Bulbus (Trauma)
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Lokale Infektionen
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Verzerrte Anatomie (traumatisch, postoperativ oder durch Grunderkrankungen)
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Blutungs- oder Gerinnungsstörungen
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Mangelnde Kooperation des Patienten
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, bei intrakameralen Injektionen Anästhetika mit Konservierungsmitteln wie Benzalkoniumchlorid zu verwenden, da dies ein toxisches vorderes Segmentsyndrom auslösen kann. Zudem wird bei sehenden Augen von Epinephrin-Zusätzen im Retrobulbärblock abgeraten, um das Risiko eines Zentralarterienverschlusses durch Vasokonstriktion zu minimieren.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird bei der Kataraktchirurgie häufig eine intrakamerale Anästhesie in Kombination mit topischen Wirkstoffen und einer subkonjunktivalen oder Sub-Tenon-Anästhesie eingesetzt. Alternativ kann ein Fazialisblock zur Akinesie erwogen werden.
Die Leitlinie beschreibt, dass Hyaluronidase die Ausbreitung des Lokalanästhetikums im Bindegewebe verbessert. Dies beschleunigt den Wirkeintritt, kann aber gleichzeitig die Gesamtdauer der Anästhesie verkürzen.
Es wird darauf hingewiesen, dass ein Retrobulbärblock Risiken wie retrobulbäre Blutungen, Schäden am Bulbus, am Sehnerv oder an den Augenmuskeln birgt. Zudem kann es zu einer zentralen Ausbreitung des Anästhetikums mit Hirnstammdepression kommen.
Das Anästhetikum wird in den potenziellen Raum zwischen der Tenon-Kapsel und der Sklera injiziert. Die Leitlinie gibt an, dass hierfür meist der inferonasale Bindehautfornix genutzt wird, um die Ansätze der Augenmuskeln zu umgehen.
Die Leitlinie warnt vor Hornhautendotheltoxizität durch Bisulfite. Es wird jedoch angemerkt, dass stark verdünnte Formen von weniger als 0,025 % als sicher gelten.
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Quelle: StatPearls: Local and Regional Anesthesia in Ophthalmology and Ocular Trauma (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.