ECMO bei Erwachsenen: StatPearls
Hintergrund
Die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) ist ein temporäres Lebenserhaltungssystem für Erwachsene mit lebensbedrohlichem Herz- oder Lungenversagen. Die StatPearls-Leitlinie beschreibt sie als unterstützende Therapie für Zustände, die refraktär gegenüber konventionellen Maßnahmen oder einer kardiopulmonalen Reanimation sind.
Es wird grundsätzlich zwischen zwei Hauptformen unterschieden. Die venovenöse (VV) ECMO bietet eine rein respiratorische Unterstützung, während die venoarterielle (VA) ECMO sowohl die Herz- als auch die Lungenfunktion ersetzt.
Die Therapie zielt darauf ab, den Organen Zeit zur Erholung zu geben oder als Überbrückung zu einer Transplantation zu dienen. Laut Leitlinie ist ein interdisziplinäres Team für den sicheren Betrieb, das Gerinnungsmanagement und die Vermeidung von Komplikationen unerlässlich.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den klinischen Einsatz der ECMO:
Indikationsstellung
Für die venoarterielle (VA) ECMO wird der Einsatz bei kardiogenem Schock, therapierefraktären Arrhythmien und als extrakorporale Reanimation (eCPR) empfohlen. Bei der eCPR sollte der ECMO-Fluss idealerweise innerhalb von 60 Minuten nach dem Herzstillstand etabliert werden.
Die venovenöse (VV) ECMO ist laut Leitlinie indiziert bei:
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Schwerem ARDS (bakteriell oder viral, inklusive COVID-19)
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Status asthmaticus
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Massiver Hämoptyse oder Lungenblutung
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Überbrückung zur Lungentransplantation
Antikoagulation und Monitoring
Ein striktes Gerinnungsmanagement ist essenziell, um das Gleichgewicht zwischen Thrombose- und Blutungsrisiko zu wahren. Als Antikoagulans der ersten Wahl wird unfraktioniertes Heparin empfohlen.
Bei einer Heparin-induzierten Thrombozytopenie (HIT) wird der Wechsel auf direkte Thrombininhibitoren wie Argatroban oder Bivalirudin empfohlen. Die Leitlinie definiert folgende Zielwerte für das Monitoring:
| Parameter | Zielwert / Dosierung | Indikation / Anmerkung |
|---|---|---|
| Heparin-Dosierung | 20-70 IE/kg/h | Standard-Antikoagulation |
| Anti-Faktor-Xa | 0,3-0,7 IE/ml | Routinemonitoring laut ELSO-Guideline |
| Activated Clotting Time (ACT) | 180-240 Sekunden | Trendmonitoring und Fehlersuche |
| Argatroban | 0,2-0,5 µg/kg/min | Alternative bei HIT |
Weaning (Entwöhnung)
Bei der VV-ECMO wird empfohlen, die native Lungenfunktion durch eine schrittweise Reduktion des Gasflusses (Sweep-Gas) zu beurteilen. Ein Weaning kann erwogen werden, wenn der Gasaustausch bei einer FiO2 von unter 30 Prozent und einem positiven endexspiratorischen Druck (PEEP) von unter 15 cm H2O aufrechterhalten wird.
Für die VA-ECMO wird eine schrittweise Reduktion des Blutflusses auf 0,5 bis 1,0 L/min empfohlen. Dabei ist laut Leitlinie ein engmaschiges hämodynamisches und echokardiografisches Monitoring zwingend erforderlich.
Kontraindikationen
Die Leitlinie definiert klare Kontraindikationen für den Einsatz einer ECMO.
Zu den absoluten Kontraindikationen zählen:
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Unbeobachteter Herzstillstand oder prolongierte Reanimation ohne adäquate Gewebeperfusion
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Unversorgte Aortendissektion oder schwere Aortenklappeninsuffizienz
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Irreversible, schwere Hirnschädigung
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Disseminierte maligne Erkrankungen oder terminale Begleiterkrankungen
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Pulmonale Hypertonie (mittlerer Pulmonalarteriendruck >50 mmHg) bei VV-ECMO
Als relative Kontraindikationen werden genannt:
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Fortgeschrittenes Alter oder Gebrechlichkeit (Clinical Frailty Scale ≥3)
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Mechanische Beatmung von mehr als 14 Tagen
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Schwere Adipositas (BMI ≥50 kg/m²)
💡Praxis-Tipp
Ein häufiges Risiko bei der femoralen venoarteriellen ECMO ist die Ischämie der unteren Extremitäten. Die Leitlinie betont, dass die prophylaktische Anlage eines distalen Perfusionskatheters die Inzidenz einer akuten Beinischämie nahezu halbiert. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Blutungen die häufigste lebensbedrohliche Komplikation darstellen und invasive Eingriffe bei ECMO-Patienten strikt minimiert werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Die venovenöse (VV) ECMO unterstützt ausschließlich die Lungenfunktion durch Oxygenierung und Decarboxylierung. Die venoarterielle (VA) ECMO umgeht Herz und Lunge und bietet somit eine kombinierte kardiorespiratorische Unterstützung.
Laut Leitlinie ist die extrakorporale Reanimation (eCPR) bei ausgewählten Patienten sinnvoll, wenn der ECMO-Fluss innerhalb von 60 Minuten nach dem Herzstillstand etabliert werden kann. Die Kanülierung sollte idealerweise 10 bis 20 Minuten nach erfolgloser konventioneller Reanimation starten.
Unfraktioniertes Heparin ist das Antikoagulans der ersten Wahl. Bei einer Heparin-Allergie oder einer Heparin-induzierten Thrombozytopenie (HIT) wird der Einsatz von direkten Thrombininhibitoren wie Argatroban oder Bivalirudin empfohlen.
Die Entwöhnung erfolgt durch eine schrittweise Reduktion des ECMO-Blutflusses auf 0,5 bis 1,0 L/min. Dieser Prozess muss laut Leitlinie durch kontinuierliche echokardiografische und hämodynamische Kontrollen überwacht werden.
Blutungen stellen die häufigste und gefährlichste Komplikation dar, oft bedingt durch die systemische Antikoagulation. Weitere im Text genannte Risiken umfassen Thromboembolien, neurologische Schäden wie Insulte sowie kanülenassoziierte Probleme wie Extremitätenischämien.
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Quelle: StatPearls: Extracorporeal Membrane Oxygenation in Adults (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.