Venoarterielle ECMO Hämodynamik: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie beschreibt die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) als temporäres mechanisches Unterstützungssystem für Zirkulation und Oxygenierung. Sie wird bei schwerem kardialem und respiratorischem Versagen eingesetzt, wenn konventionelle Therapien keine Wirkung zeigen.
Das System besteht aus einer Zentrifugalpumpe, einem Oxygenator mit Wärmetauscher und biokompatiblen Schläuchen. Das venöse Blut wird entnommen, über eine gasdurchlässige Membran oxygeniert und anschließend zurück in den Körper gepumpt.
Ein Gasmischer ermöglicht die präzise Steuerung der Sauerstoffkonzentration. Gleichzeitig reguliert die anpassbare Flussrate des Gasgemisches (Sweep-Gas) die Kohlendioxid-Elimination.
Empfehlungen
ECMO-Modalitäten
Die Leitlinie unterscheidet zwei primäre ECMO-Typen, die je nach klinischem Zustand des Patienten ausgewählt werden:
| ECMO-Typ | Indikation | Hämodynamische Unterstützung | Kanülierung |
|---|---|---|---|
| Venovenös (VV) | Schweres respiratorisches Versagen (z. B. ARDS, Pneumonie) | Keine direkte Unterstützung | Vene zu Vene (z. B. femoral, jugulär) |
| Venoarteriell (VA) | Schweres kardiales Versagen (z. B. kardiogener Schock) | Ja (Überbrückung der Endorganperfusion) | Vene zu Arterie (z. B. femoral, axillär) |
Hämodynamisches Management
Laut Leitlinie wird für Patienten mit minimaler Herzfunktion ein Zielblutfluss von 60 ml/kg/min empfohlen. Bei adipösen Patienten mit sich erholender Herzfunktion können niedrigere Flussraten von 3 bis 4 l/min ausreichend sein.
Die Leitlinie nennt folgende Zielwerte und Maßnahmen für die Steuerung der ECMO:
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Mittlerer arterieller Druck (MAP): Ein Zielwert von 65 bis 80 mmHg wird für die meisten Patienten empfohlen.
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Oxygenierung: Die Sauerstoffkonzentration am Gasmischer sollte bei 100 % belassen werden, um die Zufuhr von hypoxischem Blut zu vermeiden.
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pH-Wert: Die Normalisierung des arteriellen pH-Werts erfolgt durch die Anpassung der Sweep-Gas-Flussrate.
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Antikoagulation: Eine Antikoagulation mit unfraktioniertem Heparin unter Überwachung des Anti-Xa-Spiegels ist essenziell.
Komplikationsmanagement
Die Leitlinie beschreibt spezifische Strategien für häufige ECMO-Komplikationen:
| Komplikation | Klinisches Zeichen | Empfohlenes Management |
|---|---|---|
| Niedriger Blutfluss (Chattering) | Übermäßiger negativer Sog an der Kanüle | Pumpengeschwindigkeit reduzieren, Flüssigkeitsbolus bei Hypovolämie, Sedierung bei Pressen |
| Oxygenator-Thrombose | Druckabfall ≥ 100 mmHg über dem Oxygenator | Austausch des Oxygenators |
| Differenzielle Hypoxämie (Harlequin-Syndrom) | SpO2 an oberer Extremität < 90 %, untere Extremität normal | Venöse Drainage verbessern, Pumpengeschwindigkeit erhöhen, linksventrikulären Auswurf reduzieren |
| Linksventrikuläre Distension | Erhöhter enddiastolischer Druck und Lungenödem | Inotropika, Diuretika, intraaortale Ballonpumpe (IABP) oder linksventrikuläres Venting |
| Atemwegsblutung | Hämoptysen | Antikoagulation pausieren, bronchoskopische Interventionen |
Entwöhnung (Weaning)
Für eine erfolgreiche Entwöhnung von der venoarteriellen ECMO wird eine umfassende hämodynamische und metabolische Evaluation empfohlen. Ein MAP von mindestens 65 mmHg bei minimaler Unterstützung und adäquater Ventrikelfunktion unter niedrigem Fluss gilt als Voraussetzung.
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt spezifische Kontraindikationen für die venovenöse ECMO:
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Blutungen im zentralen Nervensystem (ZNS)
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Schwere ZNS-Verletzungen oder -Pathologien
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Systemische Blutungen und Kontraindikationen für eine Antikoagulation
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Schwere Immunsuppression
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Prolongierte mechanische Beatmung unter hohen Einstellungen (aufgrund bereits bestehender schwerer Lungenschäden)
Für die venoarterielle ECMO werden unkontrollierbare Blutungen, schwere periphere arterielle Verschlusskrankheit, Aortendissektion und schwere Aorteninsuffizienz als Kontraindikationen aufgeführt.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt vor dem Auftreten einer differenziellen Hypoxämie (Harlequin-Syndrom) bei der peripheren venoarteriellen ECMO. Da das Herz deoxygeniertes Blut in die obere Körperhälfte pumpt, während die ECMO die untere Körperhälfte mit oxygeniertem Blut versorgt, wird ein Monitoring der Sauerstoffsättigung an der rechten oberen Extremität empfohlen. Ein unerkanntes Harlequin-Syndrom kann zu schwerwiegender myokardialer oder zerebraler Ischämie führen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie kommen für venöse Kanülen typischerweise Größen von 19F bis 25F zum Einsatz. Für arterielle Kanülen werden Größen zwischen 15F und 24F verwendet.
Es wird standardmäßig der Einsatz von unfraktioniertem Heparin empfohlen. Die Überwachung und Steuerung der Therapie erfolgt dabei über die Bestimmung der Anti-Xa-Aktivität.
Ein Chattering entsteht durch einen übermäßigen negativen Sog an der venösen Kanüle. Häufige Ursachen sind Hypovolämie, starkes Pressen des Patienten oder hohe Beatmungsdrücke.
Die Leitlinie empfiehlt für die meisten Patienten einen Ziel-MAP von 65 bis 80 mmHg. Höhere Drücke können im Einzelfall notwendig sein, erhöhen jedoch das Thromboserisiko.
Ein Austausch wird empfohlen, wenn ein Druckabfall von 100 mmHg oder mehr über dem Oxygenator gemessen wird. Dies ist ein starker Hinweis auf eine Oxygenator-Thrombose.
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Quelle: StatPearls: Venoarterial ECMO Hemodynamics (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.