StatPearls2026

Augenverletzungen im Rettungsdienst: StatPearls Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: StatPearls (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Augenverletzungen betreffen im Laufe des Lebens etwa 7,5 Prozent der Bevölkerung und sind eine der häufigsten vermeidbaren Ursachen für Sehbehinderungen und Erblindungen. Die Ursachen variieren je nach Altersgruppe: Während ältere Menschen häufig durch Stürze Verletzungen erleiden, dominieren bei jüngeren Erwachsenen Verkehrsunfälle und körperliche Auseinandersetzungen.

Die StatPearls-Leitlinie betont, dass bereits der erste Kontakt mit dem medizinischen Personal, oft dem Rettungsdienst, entscheidend für das visuelle Outcome ist. Eine verzögerte oder fehlerhafte Erstversorgung kann zu dauerhaften und irreversiblen Sehschäden führen.

Besonderes Augenmerk liegt auf der schnellen Identifikation von zeitkritischen Diagnosen. Dazu zählen offene Bulbusverletzungen, chemische Verätzungen und das orbitale Kompartmentsyndrom, bei denen sofortige präklinische Maßnahmen den Erhalt der Sehkraft maßgeblich beeinflussen.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die präklinische und initiale klinische Versorgung:

Klinische Untersuchung

Es wird eine systematische Untersuchung empfohlen, die eine grobe Prüfung der Sehschärfe, der Pupillenreaktion und der Augenmotilität umfasst. Ein fehlender Aufwärtsblick ist laut Leitlinie hochverdächtig auf eine Orbitabodenfraktur mit Muskeleinklemmung.

Ein relativer afferenter Pupillendefekt (rAPD) kann auf eine Schädigung des Nervus opticus oder eine Netzhautablösung hindeuten. Bei der Inspektion sollte systematisch von außen nach innen vorgegangen werden, um Verletzungen der Lider, der Hornhaut oder der Sklera nicht zu übersehen.

Offene Bulbusverletzung (Open Globe Injury)

Bei Verdacht auf eine offene Verletzung darf keinerlei Druck auf das Auge ausgeübt werden. Die Leitlinie empfiehlt die sofortige Anlage einer formstabilen Augenschutzklappe (Eye Shield) oder ersatzweise eines Bechers.

Zur Vermeidung eines intraokularen Druckanstiegs wird eine Oberkörperhochlage von mindestens 30 Grad empfohlen. Zudem sollte eine frühzeitige Gabe von Antiemetika und Analgetika erfolgen, um ein Herauspressen von intraokularem Gewebe durch Würgen oder Schmerzen zu verhindern.

Chemische Verätzungen

Verätzungen erfordern eine sofortige und ausgiebige Spülung mit mindestens einem Liter isotonischer Kochsalzlösung oder Ringerlaktat. Die Leitlinie unterscheidet zwei Hauptarten von Verätzungen, die unterschiedliche Gewebeschäden verursachen:

VerätzungsartPathomechanismusGewebeschadenPrognose
Säure (z.B. Essigsäure)KoagulationsnekroseSchorfbildung limitiert tiefes EindringenGünstiger
Lauge (z.B. Ammoniak, Bleiche)KolliquationsnekroseTiefe Penetration durch GewebeverflüssigungKritischer

Die Spülung sollte fortgesetzt werden, bis ein physiologischer pH-Wert von 7,0 bis 7,4 im Bindehautsack erreicht ist. Für die kontinuierliche Spülung wird die Verwendung einer Morgan-Linse oder alternativ einer nasalen Sauerstoffbrille über dem Nasenrücken empfohlen.

Orbitales Kompartmentsyndrom (OCS)

Das OCS ist ein zeitkritischer Notfall, der durch einen akuten Druckanstieg in der Orbita zu einer Ischämie des Sehnervs führt. Laut Leitlinie droht ein irreversibler Sehverlust innerhalb von 90 Minuten.

Es wird eine notfallmäßige laterale Kanthotomie und Kantholyse innerhalb von zwei Stunden empfohlen. Diese sollte durch einen Notfallmediziner oder Ophthalmologen durchgeführt werden, um die Sehkraft zu erhalten.

Hornhautfremdkörper

Vor der Fremdkörperentfernung muss eine offene Bulbusverletzung ausgeschlossen werden. Die Leitlinie empfiehlt das Ektropionieren (Umklappen) beider Augenlider mithilfe eines Wattestäbchens, um verborgene Fremdkörper aufzuspüren.

Die Entfernung sollte primär durch Spülung oder sehr vorsichtig mit einem feuchten Tupfer erfolgen. Bei Kontaktlinsenträgern wird nach der Entfernung eine antibiotische Abdeckung gegen Pseudomonas (z.B. mit Ciprofloxacin) empfohlen, bei anderen Personen ist Erythromycin das Mittel der Wahl.

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Ketamin und Succinylcholin: Bei der Intubation von Personen mit Verdacht auf eine offene Bulbusverletzung wird von diesen Medikamenten abgeraten, da sie den Augeninnendruck erhöhen können.

  • Morgan-Linse bei Fremdkörpern: Der Einsatz einer Morgan-Linse ist bei Hornhautfremdkörpern kontraindiziert, da der direkte Kontakt die durch den Fremdkörper verursachte Abrasion verschlimmern kann.

  • Druckausübung: Bei Verdacht auf eine offene Bulbusverletzung ist jeglicher Druck auf den Augapfel strikt kontraindiziert.

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💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie stellt die Messung des okulären pH-Werts bei Verätzungen im Rettungsdienst oft eine logistische Herausforderung dar. Es wird darauf hingewiesen, dass als Alternative zu speziellem pH-Papier auch herkömmliche Urin-Teststreifen verwendet werden können. Hierfür wird das pH-Feld des Streifens abgetrennt und vorsichtig in den Bindehautsack (Fornix) gehalten, um den Spülerfolg zu überprüfen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie weist darauf hin, dass eine Einschränkung der Augenbeweglichkeit ein wichtiges Warnsignal ist. Insbesondere die Unfähigkeit, das Auge nach oben zu bewegen, ist hochverdächtig auf eine Orbitabodenfraktur mit Einklemmung der Augenmuskulatur.

Es wird eine sofortige Spülung mit mindestens einem Liter Flüssigkeit empfohlen. Die Spülung muss laut Leitlinie so lange fortgesetzt werden, bis im Bindehautsack ein physiologischer pH-Wert von 7,0 bis 7,4 gemessen wird.

Die Leitlinie empfiehlt die Verwendung von isotonischer Kochsalzlösung oder Ringerlaktat. Wichtig ist vor allem der sofortige Beginn der Spülung mit großen Volumina.

Es wird die sofortige Anlage einer formstabilen Augenschutzklappe (Eye Shield) empfohlen, ohne Druck auf das Auge auszuüben. Falls kein Eye Shield vorhanden ist, kann laut Leitlinie auch ein Becher über das Auge geklebt werden.

Bei Kontaktlinsenträgern wird eine anti-pseudomonale Therapie mit Fluorchinolonen oder Aminoglykosiden (z.B. Ciprofloxacin) empfohlen. Bei Personen ohne Kontaktlinsen ist laut Leitlinie Erythromycin das Mittel der Wahl.

Klinische Zeichen sind ein vermindertes Sehvermögen, ein Hervortreten des Augapfels (Proptosis), eingeschränkte Augenbewegungen und ein relativer afferenter Pupillendefekt. Die Leitlinie definiert zudem einen Augeninnendruck von über 40 mmHg als objektives Kriterium.

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Quelle: StatPearls: EMS Management of Eye Injuries (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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