Hornhautruptur und -riss: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie behandelt die Evaluation und das Management von Hornhautrissen (Corneal Lacerations), die einen signifikanten Anteil von Augentraumata ausmachen. Eine zeitnahe Versorgung wird dringend angeraten, um das Infektionsrisiko zu senken, Gewebenekrosen zu vermeiden und Schmerzen zu lindern.
Als primäres Ziel der Behandlung wird ein wasserdichter Wundverschluss definiert. Zudem sollen die normale Anatomie wiederhergestellt und postoperative Vernarbungen sowie ein hoher Astigmatismus vermieden werden.
Die Hornhaut besteht aus mehreren Schichten, die unterschiedlich auf Verletzungen reagieren. Während epitheliale Defekte oft narbenfrei abheilen, führt eine Verletzung des Stromas laut Leitlinie zu fibrotischen Ablagerungen, welche die optische Klarheit einschränken können.
Empfehlungen
Diagnostik
Die Diagnose wird primär durch eine Spaltlampenuntersuchung gestellt. Bei eingeschränkter Beurteilbarkeit wird eine Untersuchung in Narkose mit Exploration des Bulbus empfohlen.
Zu den klinischen Zeichen eines Hornhautrisses zählen laut Leitlinie:
-
Verminderte Sehkraft und starke Augenschmerzen
-
Ein positiver Seidel-Test
-
Eine unregelmäßige Pupille (z. B. tränenförmig)
-
Ein intraokularer Fremdkörper oder ein Prolaps von intraokularem Gewebe
Präoperative Vorbereitung
Bis zur definitiven Versorgung wird die Abdeckung des Auges mit einer festen Augenschutzklappe (Rigid Eye Shield) empfohlen. Es wird betont, dass jeglicher Druck auf den Bulbus vermieden werden muss.
Die Leitlinie rät zu folgenden präoperativen Maßnahmen:
-
Gabe von Analgetika und Antiemetika
-
Nüchternheit für eine mögliche Operation in Vollnarkose
-
Durchführung einer CT-Bildgebung des Gesichts zum Ausschluss von Fremdkörpern
-
Frühzeitige Antibiotikagabe und Tetanusprophylaxe
Unmittelbar vor der chirurgischen Versorgung wird die Applikation von 5%iger Povidon-Jod-Lösung auf die Augenoberfläche empfohlen.
Therapie und Nahttechniken
Die Standardversorgung erfolgt laut Leitlinie innerhalb von 24 Stunden. Die Wahl der Anästhesie reicht von topisch bei kleinen Rissen bis hin zur Vollnarkose bei komplexen Verletzungen oder Gewebeprolaps.
Für die chirurgische Versorgung werden 10-0 Nylonfäden mit einer feinen, spatulierten Nadel empfohlen. Die Stiche sollten in 90 % der Stromatiefe gesetzt werden, da zu flache Nähte zu einem posterioren Wundklaffen führen können.
Bei einem Prolaps von Iris oder Glaskörper wird ein schonendes Vorgehen angeraten. Die Leitlinie beschreibt die Anlage einer Parazentese abseits der Wunde und die Injektion von Viskoelastikum, um die Iris mit einem Spatel zurückzuverlagern.
Spezifische Rissformen
Die Leitlinie beschreibt spezifische Herangehensweisen je nach Risskonfiguration:
| Rissform | Empfohlene Nahttechnik |
|---|---|
| Lineare Risse | Erste Naht im Zentrum, danach Halbierung der Strecken |
| Klaffende Risse | Erste Nähte an den Wundenden, danach schrittweiser Verschluss zur Mitte |
| Gewinkelte Risse | Erste Naht am Apex, danach Verschluss der Schenkel als separate lineare Risse |
| Sternförmige Risse | Zentrale Tabaksbeutelnaht, ergänzt durch Einzelknüpfnähte |
| Korneosklerale Risse | Erste Naht zwingend am Limbus zur korrekten anatomischen Ausrichtung |
Kontraindikationen
Eine operative Versorgung ist kontraindiziert, wenn die betroffene Person hämodynamisch instabil ist. Bei Polytraumata kann das Risiko einer Vollnarkose eine sofortige Hornhautnaht unsicher machen.
Zudem warnt die Leitlinie ausdrücklich davor, den Augeninnendruck zu messen, wenn ein durchgreifender Hornhautriss vorliegt oder vermutet wird.
💡Praxis-Tipp
Es wird dringend davor gewarnt, bei Verdacht auf einen durchgreifenden Hornhautriss den Augeninnendruck zu messen oder Druck auf den Bulbus auszuüben. Zudem wird betont, dass ein Debridement des Gewebes ausschließlich durch den operierenden Chirurgen erfolgen sollte, da eine unsachgemäße Wundreinigung das Auge weiter schädigen kann.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine chirurgische Versorgung innerhalb von 24 Stunden. Dies reduziert das Infektionsrisiko und verhindert weitere Gewebeschäden.
Bei durchgreifenden Rissen unter 2 mm Größe können laut Leitlinie Gewebekleber (Cyanoacrylat oder Fibrin), Amnionmembranen oder Verbandslinsen eingesetzt werden. Wenn dadurch kein wasserdichter Verschluss erreicht wird, ist eine Naht erforderlich.
Für die Standardversorgung eines Hornhautrisses wird ein 10-0 Nylonfaden mit einer feinen, spatulierten Nadel empfohlen. Bei Beteiligung von Limbus oder Sklera kommen 9-0 oder 8-0 Fäden zum Einsatz.
Bei Rissen, die Hornhaut und Sklera betreffen, wird die erste Naht am Limbus gesetzt. Diese Ausrichtung ist entscheidend für die korrekte anatomische Rekonstruktion beider Gewebeanteile.
Es wird empfohlen, eine Parazentese abseits der Wunde anzulegen und Viskoelastikum zu injizieren. Anschließend kann die prolabierte Iris mit einem Spatel vorsichtig in das Auge zurückverlagert werden.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: StatPearls: Corneal Laceration Repair (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.