Stumpfes Augentrauma: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Das stumpfe Augentrauma umfasst nicht-penetrierende mechanische Verletzungen des Auges und der Adnexe. Die StatPearls-Leitlinie betont, dass diese Verletzungen durch Kompression und äquatoriale Expansion des Bulbus entstehen.
Häufige Ursachen sind Sportunfälle, Stürze, Verkehrsunfälle und körperliche Auseinandersetzungen. Die Pathophysiologie umfasst direkte Schäden am Ort der Krafteinwirkung (Coup) sowie gegenüberliegende Verletzungen durch Schockwellen (Contrecoup).
Obwohl der Bulbus äußerlich oft intakt erscheint, können schwere innere Verletzungen vorliegen. Unbehandelt kann ein stumpfes Augentrauma zu dauerhaftem Sehverlust führen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das klinische Management:
Klinische Untersuchung
Laut Leitlinie wird eine seitengetrennte Bestimmung der Sehschärfe empfohlen. Dabei sollte jede Manipulation vermieden werden, die eine bestehende Verletzung verschlimmern könnte.
Zudem wird die Dokumentation von Pupillendefekten und die Messung des Augeninnendrucks empfohlen. Letztere dient der Erkennung eines sekundären Glaukoms, sollte aber bei Verdacht auf eine offene Bulbusverletzung unterbleiben.
Für die Beurteilung des vorderen Augenabschnitts empfiehlt die Leitlinie:
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Eine Gonioskopie zur Identifikation von Fremdkörpern, Blutung oder Kammerwinkelriss (Angle Recession)
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Eine Fluoreszein-Färbung zur Darstellung von Epitheldefekten
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Die Durchführung des Seidel-Tests zum Nachweis von Kammerwasserlecks
Bildgebende Diagnostik
Zur weiteren Abklärung wird eine Computertomographie (CT) der Orbita als Methode der Wahl empfohlen. Diese dient der Beurteilung von Bulbusdeformitäten, retrobulbären Hämatomen und intraokularen Fremdkörpern.
Eine B-Bild-Sonographie kann laut Leitlinie zur Beurteilung des hinteren Augenabschnitts eingesetzt werden. Dies wird jedoch nur empfohlen, wenn eine offene Bulbusverletzung sicher ausgeschlossen wurde.
Akutmanagement und Therapie
Bei einer offenen Bulbusverletzung (Globe Rupture) wird ein sofortiger Schutz durch eine starre Augenschale empfohlen. Die Leitlinie rät zur Gabe von Antiemetika, um einen Anstieg des Augeninnendrucks durch Erbrechen (Valsalva-Effekt) zu verhindern.
Zudem wird eine halbsitzende Lagerung der betroffenen Person und eine adäquate Analgesie empfohlen.
Bei einem retrobulbären Hämatom mit drohendem Sehverlust wird eine sofortige Dekompression empfohlen. Diese sollte gemäß Leitlinie durch eine laterale Kanthotomie und inferiore Kantholyse erfolgen.
Klassifikation des Hyphemas
Die Leitlinie teilt Einblutungen in die Vorderkammer (Hyphema) in folgende Schweregrade ein:
| Grad | Befund in der Vorderkammer |
|---|---|
| Mikrohyphema | Zirkulierende rote Blutkörperchen |
| Grad I | Weniger als 33 % des Vorderkammervolumens |
| Grad II | Zwischen 33 % und 50 % des Vorderkammervolumens |
| Grad III | Mehr als 50 % des Vorderkammervolumens |
| Grad IV | Komplette Füllung (8-Ball-Hyphema) |
Kontraindikationen
Laut Leitlinie ist eine Magnetresonanztomographie (MRT) streng kontraindiziert, wenn der Verdacht auf metallische intraokulare Fremdkörper besteht.
Zudem wird davor gewarnt, bei einer offensichtlichen offenen Bulbusverletzung Druck auf das Auge auszuüben. Dies schließt die Durchführung eines forcierten Seidel-Tests sowie B-Bild-Sonographien ein, da die Gefahr einer Extrusion des intraokularen Inhalts besteht.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, die Schwere der Verletzung aufgrund eines äußerlich intakt erscheinenden Auges zu unterschätzen. Es wird betont, dass das Fehlen von äußeren Befunden eine schwere innere Augenverletzung nicht ausschließt. Bei Verdacht auf eine Bulbusruptur sollte auf jegliche Manipulation am Auge verzichtet und stattdessen umgehend eine starre Augenschale angelegt werden.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine sofortige Dekompression der Orbita. Dies wird durch eine laterale Kanthotomie und inferiore Kantholyse erreicht.
Laut Leitlinie wird eine Computertomographie (CT) der Orbita empfohlen. Eine MRT ist bei Verdacht auf metallische Fremdkörper kontraindiziert.
Es wird die Anlage einer starren Augenschale und die Vermeidung jeglicher Manipulation am Auge empfohlen. Zudem rät die Leitlinie zur Gabe von Antiemetika, um einen Druckanstieg durch Erbrechen zu verhindern.
Die Leitlinie rät von einer B-Bild-Sonographie ab, wenn der Verdacht auf eine offene Bulbusverletzung besteht. Der Druck des Schallkopfes könnte zu einer Extrusion des Augeninhalts führen.
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Quelle: StatPearls: Blunt Eye Trauma (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.