Critical Illness Neuropathie: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Dank medizinischer Fortschritte überleben immer mehr schwer kranke Menschen längere Aufenthalte auf der Intensivstation. Ein häufiges Problem ist dabei die sogenannte "ICU-acquired weakness" (ICUAW), die bei 25 bis 83 Prozent der Personen auftritt, die länger als sieben Tage mechanisch beatmet werden.
Diese erworbene Muskelschwäche resultiert meist aus einer Critical Illness Polyneuropathie (CIP), einer Critical Illness Myopathie (CIM) oder einer Kombination aus beiden. Während eine CIP häufig mit einer Sepsis oder einem Multiorganversagen assoziiert ist, wird eine CIM oft durch den Einsatz von neuromuskulären Blockern und hochdosierten Kortikosteroiden begünstigt.
Obwohl die Erkrankungen oft unterdiagnostiziert bleiben, gilt die elektrodiagnostische Testung mittels Nervenleitstudien und Nadel-Elektromyografie (EMG) als Goldstandard für die Diagnosestellung. Die StatPearls-Leitlinie fasst die Indikationen, Durchführung und spezifischen Befunde dieser Untersuchungen zusammen.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert klare Kriterien für die elektrodiagnostische Evaluation bei intensivpflichtigen Personen.
Indikation und Zeitpunkt
Eine Testung wird bei einem prolongierten Weaning-Versagen oder bei schlaffen Paresen nach dem Erwachen aus der Sedierung empfohlen. Die Leitlinie rät dazu, die Untersuchung erst etwa zwei Wochen nach Symptombeginn durchzuführen.
Dies wird damit begründet, dass eine Wallersche Degeneration 10 bis 14 Tage benötigt, um elektrodiagnostisch sichtbar zu werden.
Vorbereitung und Durchführung
Um eine verlässliche Diagnose zu stellen, wird die Untersuchung von mindestens drei Extremitäten empfohlen. Dabei sollen sensorische und motorische Nervenleitstudien sowie Nadel-EMGs an proximalen und distalen Muskeln erfolgen.
Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, die Extremitäten warm zu halten. Kalte Temperaturen können laut Leitlinie die Amplituden künstlich erhöhen und die Nervenleitgeschwindigkeit verlangsamen.
Zur Reduktion von elektrischen Interferenzen auf der Intensivstation wird die Nutzung eines Notch-Filters empfohlen. Zudem sollten alle nicht essenziellen Geräte, einschließlich des Bettes, vom Stromnetz getrennt werden.
Differenzialdiagnostik: CIP vs. CIM
Die Unterscheidung zwischen Critical Illness Neuropathie (CIP) und Myopathie (CIM) ist klinisch relevant. Die Leitlinie nennt folgende elektrodiagnostische Unterscheidungsmerkmale:
| Merkmal | Critical Illness Neuropathie (CIP) | Critical Illness Myopathie (CIM) |
|---|---|---|
| Sensorische Potenziale (SNAP) | Reduziert | Erhalten (>80% der Norm) |
| Motorische Potenziale (CMAP) | Reduziert | Reduziert (<80% der Norm) |
| Direkte Muskelstimulation | Normale Erregbarkeit | Reduzierte oder fehlende Erregbarkeit |
| Motor Unit Action Potentials (MUAP) | Groß und polyphasisch | Klein, kurz und polyphasisch |
| Spontanaktivität (Fibrillationen) | Vorhanden | Vorhanden |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt spezifische Kontraindikationen für die verschiedenen elektrodiagnostischen Verfahren.
Für die Nadel-Elektromyografie (EMG) gelten folgende Kontraindikationen:
-
Schwere Gerinnungsstörungen
-
Aktive Weichteilinfektionen im Bereich der Einstichstelle
Für Nervenleitstudien (NCS) werden folgende Warnhinweise formuliert:
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Kontraindiziert bei implantierten kardialen Defibrillatoren
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Kontraindiziert bei Anschluss an externen Defibrillatoren
-
Bei Herzschrittmachern darf keine direkte elektrische Stimulation über oder in der Nähe des Geräts erfolgen
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie wird empfohlen, mit der elektrodiagnostischen Testung etwa zwei Wochen nach Symptombeginn zu warten, da die Wallersche Degeneration 10 bis 14 Tage benötigt, um sichtbar zu werden. Zudem wird betont, die Extremitäten während der Messung zwingend warm zu halten, da Kälte die Amplituden künstlich erhöhen und Latenzen verlängern kann.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine Testung etwa zwei Wochen nach Symptombeginn. Dies gibt der Wallerschen Degeneration ausreichend Zeit, um im EMG sichtbar zu werden.
Ein Hauptunterscheidungsmerkmal ist laut Leitlinie die sensorische Antwort. Bei der CIP sind die sensorischen Potenziale (SNAP) reduziert, während sie bei der CIM meist erhalten bleiben.
Die Kreatinkinase (CPK) ist bei einer reinen Critical Illness Neuropathie in der Regel im Normbereich. Bei einer Critical Illness Myopathie kann dieser Wert hingegen erhöht sein.
Es wird empfohlen, einen Notch-Filter zu verwenden und alle nicht zwingend benötigten Geräte vom Stromnetz zu trennen. Dazu gehört laut Leitlinie auch das Ausstecken des Krankenhausbettes.
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Quelle: StatPearls: Electrodiagnostic Evaluation of Critical Illness Neuropathy (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.