Binge-Eating-Störung: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die Binge-Eating-Störung ist eine psychische Erkrankung, die durch wiederkehrende Episoden unkontrollierter Nahrungsaufnahme gekennzeichnet ist. Laut der StatPearls-Leitlinie werden dabei große Nahrungsmengen in einem kurzen Zeitraum von typischerweise unter zwei Stunden konsumiert.
Gemäß den DSM-5-TR-Kriterien treten diese Essanfälle über einen Zeitraum von drei Monaten mindestens einmal wöchentlich auf. Im Gegensatz zur Bulimia nervosa kommt es bei der Binge-Eating-Störung nicht zu kompensatorischen Verhaltensweisen wie Erbrechen oder übermäßigem Sport.
Die Erkrankung ist häufig mit erheblichem Leidensdruck verbunden und tritt vermehrt bei Frauen im späten Jugend- oder frühen Erwachsenenalter auf. Es besteht laut Leitlinie eine hohe Rate an psychiatrischen Komorbiditäten, insbesondere Angststörungen, affektive Störungen und Substanzgebrauchsstörungen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie:
Diagnostik und Screening
Die Leitlinie empfiehlt eine umfassende klinische Bewertung, die die Häufigkeit der Essanfälle, Auslöser und begleitende Emotionen erfasst. Zur strukturierten Erfassung werden verschiedene Screening-Instrumente wie die "Binge Eating Scale" oder der "Eating Disorders Examination"-Fragebogen genannt.
Zusätzlich wird eine medizinische Untersuchung auf Adipositas-assoziierte Komorbiditäten empfohlen. Dazu gehören laut Leitlinie die Überprüfung auf Hypertonie, Hyperlipidämie, Diabetes mellitus und obstruktive Schlafapnoe.
Klassifikation der Schweregrade
Die Schwere der Erkrankung wird anhand der wöchentlichen Essanfälle eingeteilt:
| Schweregrad | Häufigkeit der Essanfälle |
|---|---|
| Leicht | 1 bis 3 Episoden pro Woche |
| Mittelgradig | 4 bis 7 Episoden pro Woche |
| Schwer | 8 bis 13 Episoden pro Woche |
| Extrem | 14 oder mehr Episoden pro Woche |
Psychotherapie
Als primäre Behandlungsstrategie wird eine Psychotherapie im Einzel- oder Gruppenformat empfohlen. Die Leitlinie nennt hierbei folgende evidenzbasierte Verfahren:
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Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) zur Änderung maladaptiver Denk- und Verhaltensmuster
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Interpersonelle Psychotherapie (IPT) mit Fokus auf interpersonelle Stressoren
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Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) zur Entwicklung von Werkzeugen der Affektregulation
Medikamentöse Therapie
Eine Pharmakotherapie wird empfohlen, wenn Patienten keinen Zugang zu Psychotherapie haben, diese ablehnen oder Medikamente bevorzugen. Die Leitlinie verweist auf Lisdexamfetamin als einzige von der FDA zugelassene Medikation für mittelgradige bis schwere Binge-Eating-Störungen bei Erwachsenen.
Als weitere medikamentöse Optionen werden Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sowie Topiramat, Zonisamid oder Atomoxetin aufgeführt.
Gewichtsmanagement
Verhaltensorientierte Strategien zur Gewichtsreduktion werden als nützlich beschrieben, um das Gewicht zu kontrollieren und die Essanfälle zu reduzieren. Bei erheblichen körperlichen Komorbiditäten kann laut Leitlinie eine Überweisung an eine Klinik für Gewichtsverlust oder die bariatrische Chirurgie ratsam sein.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass Personen mit Binge-Eating-Störung besonders anfällig für Scham und Stigmatisierung sind und es ihnen oft schwerfällt, ihre Symptome mitzuteilen. Es wird daher empfohlen, das Thema Gewicht und Erscheinungsbild äußerst behutsam und wertfrei anzusprechen. Zudem sollte nicht davon ausgegangen werden, dass jeder adipöse Patient automatisch an Essanfällen leidet.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie besteht der Hauptunterschied darin, dass bei der Binge-Eating-Störung keine kompensatorischen Verhaltensweisen wie Erbrechen, Fasten oder exzessiver Sport nach den Essanfällen auftreten.
Die Leitlinie nennt Lisdexamfetamin als einziges FDA-zugelassenes Medikament für mittelgradige bis schwere Verläufe bei Erwachsenen. Alternativ werden SSRI (wie Sertralin oder Fluoxetin) sowie Topiramat als medikamentöse Optionen aufgeführt.
Als Erstlinientherapie wird eine Psychotherapie empfohlen, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie, die interpersonelle Psychotherapie oder die dialektisch-behaviorale Therapie. Medikamente sollten laut Leitlinie erst erwogen werden, wenn Psychotherapie nicht verfügbar ist oder abgelehnt wird.
Gemäß den DSM-5-TR-Kriterien der Leitlinie liegt die Störung vor, wenn Essanfälle über einen Zeitraum von drei Monaten mindestens einmal pro Woche auftreten. Dabei müssen mindestens drei begleitende Kriterien wie hastiges Essen oder ein Völlegefühl bis zur Übelkeit erfüllt sein.
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Quelle: StatPearls: Binge Eating Disorder (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.