Mundgesundheit in der Zahnarztpraxis: NICE-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Zahnärztliches Personal soll allen Patienten maßgeschneiderte Ratschläge zur Mundhygiene und Fluoridnutzung geben.
- •Ein individueller zahnärztlicher Versorgungsplan sollte stets präventive und therapeutische Strategien kombinieren.
- •Risikofaktoren wie Tabakkonsum, Ernährung und Alkohol sollen systematisch erfasst und adressiert werden.
- •Barrieren wie sozioökonomische Benachteiligung oder mangelndes Wissen über Milchzähne müssen bei der Beratung berücksichtigt werden.
- •Notfallbehandlungen bieten eine wichtige Chance, unregelmäßige Patienten für eine präventive Betreuung zu gewinnen.
Hintergrund
Die Mundgesundheit hat einen erheblichen Einfluss auf die allgemeine Gesundheit, das Wohlbefinden sowie die Fähigkeit, normal zu essen, zu sprechen und am sozialen Leben teilzunehmen. Eine schlechte Mundgesundheit kann bei Kindern die Entwicklung beeinträchtigen und zu Fehlzeiten in Schule und Beruf führen.
Obwohl sich die Mundgesundheit in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert hat (der Anteil zahnloser Erwachsener in England sank in 30 Jahren von 28 % auf 6 %), bestehen weiterhin starke sozioökonomische und regionale Ungleichheiten. Karies (Zahnverfall durch Säureangriffe nach Zuckerkonsum) und Zahnfleischerkrankungen (Gingivitis bis hin zu Parodontitis und Knochenverlust) bleiben die zentralen klinischen Herausforderungen.
Patientenorientierte Beratung
Zahnärzte und das zahnmedizinische Fachpersonal sollen allen Patienten (oder deren Eltern/Betreuern) bei zahnärztlichen Untersuchungen maßgeschneiderte Ratschläge geben. Die Beratung muss individuell angepasst und vorurteilsfrei erfolgen, auch wenn die Mundgesundheit schlecht ist.
Zentrale Beratungsthemen:
- Mundhygienepraktiken und die Verwendung von Fluorid
- Ernährung und Zuckerkonsum
- Rauchen und rauchloser Tabakkonsum
- Alkoholkonsum
Umgang mit Risikofaktoren:
- Tabak: Den Konsum systematisch erfragen und dokumentieren. Eine Kurzberatung anbieten und bei Bedarf an lokale Entwöhnungsprogramme verweisen.
- Alkohol: Die Erfassung des Alkoholkonsums sollte in Betracht gezogen werden.
Individueller zahnärztlicher Versorgungsplan
Für jeden Patienten sollte gemeinsam mit ihm oder seinen Betreuern ein individueller Versorgungsplan erstellt werden, der sowohl präventive als auch therapeutische Strategien kombiniert.
| Bereich | Zu erfassende Parameter für die Prävention |
|---|---|
| Persönliche Umstände | Aktuelle und frühere Mundgesundheit zur Einschätzung des Risikos |
| Mundhygiene | Tägliche Praktiken und Häufigkeit der Fluoridnutzung |
| Lebensstil | Ernährung, Tabakkonsum, Alkoholkonsum |
| Gesundheitszustand | Vorerkrankungen, Behinderungen oder Einschränkungen bei der Eigenpflege |
Abbau von Barrieren und Zugang zur Versorgung
Das gesamte Praxisteam (inklusive Empfang) muss ein einladendes Umfeld schaffen, insbesondere für Familien mit Kleinkindern sowie Menschen mit körperlichen oder sensorischen Einschränkungen.
| Barriere-Typ | Beispiele und Herausforderungen laut Leitlinie |
|---|---|
| Sozioökonomisch | Starker Zusammenhang zwischen schlechter Mundgesundheit und Armut. |
| Einstellung | Mangelndes Bewusstsein für die Wichtigkeit regelmäßiger Zahnarztbesuche. |
| Pädiatrisch | Unwissenheit vieler Eltern über die Wichtigkeit gesunder Milchzähne. |
| Praktisch | Hilfebedarf bei der Inanspruchnahme zahnärztlicher Leistungen. |
Strategien zur Patientenbindung:
- Notfallkontakte nutzen: Der Kontakt mit Patienten, die nur unregelmäßig oder im Notfall erscheinen, bietet eine wichtige Gelegenheit, eine positive Beziehung aufzubauen.
- Informationen bereitstellen: Patienten darüber informieren, wie sie einen lokalen Zahnarzt finden oder ob sie Anspruch auf kostenlose bzw. subventionierte Behandlungen haben.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie Schmerz- und Notfallbehandlungen bei unregelmäßigen Patienten gezielt, um eine positive, vorurteilsfreie Beziehung aufzubauen und sie für präventive Routinekontrollen zu motivieren.