ClariMedClariMed
American Society of Clinical Oncology (ASCO)2025OnkologieGynäkologie

Ovarialkarzinom: NACT-Leitlinie 2025 (ASCO)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf American Society of Clinical Oncology (ASCO) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Alle Patientinnen mit Ovarialkarzinom sollten bei Diagnose eine Keimbahn- und somatische Testung erhalten.
  • Die primäre zytoreduktive Operation (PCS) ist Standard bei hoher Wahrscheinlichkeit für eine komplette Resektion.
  • Neoadjuvante Chemotherapie (NACT) wird bei geringer Wahrscheinlichkeit für eine komplette Resektion oder hohem OP-Risiko empfohlen.
  • Vor NACT ist eine histologische Sicherung (Stanzbiopsie) zwingend erforderlich.
  • Die Intervall-Debulking-Operation (ICS) sollte nach maximal 4 Zyklen NACT erfolgen.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Das fortgeschrittene epitheliale Ovarialkarzinom (FIGO-Stadium III oder IV) erfordert eine multimodale Behandlungsstrategie. Historisch war die primäre zytoreduktive Operation (PCS) der Standard. Die neoadjuvante Chemotherapie (NACT) mit anschließender Intervall-Debulking-Operation (ICS) bietet eine Alternative, um die chirurgische Morbidität zu senken und die Resektionsraten zu verbessern. Die aktuelle ASCO-Leitlinie präzisiert die Patientenselektion und Therapieabläufe.

Initiale Diagnostik

Die Evaluation sollte zwingend durch einen Gynäkologischen Onkologen erfolgen. Zur Basisdiagnostik gehören:

  • CA-125 Bestimmung
  • CT von Abdomen und Becken (mit Kontrastmittel)
  • Bildgebung des Thorax (bevorzugt CT)
  • Keimbahn- und somatische Testung (z. B. BRCA1/2, HRD) für alle Patientinnen direkt bei Diagnose

Die diagnostische Laparoskopie wird als hochpräzise Methode zur Beurteilung der Resektabilität empfohlen.

Therapieentscheidung: PCS vs. NACT

Die Wahl der primären Strategie muss individualisiert erfolgen und hängt maßgeblich von der Tumorlast und dem Zustand der Patientin ab:

TherapiestrategieIndikationBemerkung
Primäre zytoreduktive Operation (PCS)Patientinnen mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine komplette Zytoreduktion (R0) und guter OP-Toleranz.Gilt als Standard für diese Kohorte.
Neoadjuvante Chemotherapie (NACT)Patientinnen, bei denen eine komplette Resektion unwahrscheinlich ist ODER die ein hohes perioperatives Risikoprofil aufweisen.Senkt perioperative Morbidität und Mortalität.

Voraussetzungen und Durchführung der NACT

Vor Beginn einer NACT muss zwingend eine histologische Sicherung des invasiven Ovarialkarzinoms erfolgen. Hierfür wird eine bildgesteuerte Stanzbiopsie oder laparoskopische Biopsie empfohlen. Eine alleinige Zytologie ist nicht ausreichend.

PhaseEmpfehlung
RegimePlatin-Taxan-Doublette (z. B. Carboplatin/Paclitaxel).
Timing der ICSNach maximal 4 Zyklen NACT (bei Ansprechen oder stabiler Erkrankung).
Post-ICSFortführung der Chemotherapie bis zum Abschluss von insgesamt mindestens 6 Zyklen. Optionale Zugabe von Bevacizumab.

HIPEC (Hypertherme intraperitoneale Chemotherapie)

Eine HIPEC (z. B. Cisplatin 100 mg/m2) kann während der ICS angeboten werden, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • FIGO-Stadium III
  • Guter Allgemeinzustand (Performance Status)
  • Adäquate Nierenfunktion

Achtung: Die Durchführung erfordert spezialisierte Zentren, interdisziplinäres Management und strenge Überwachung der Nierenfunktion (Gabe von Natriumthiosulfat).

Erhaltungstherapie

Nach Abschluss der primären Chemotherapie sollten zugelassene Erhaltungstherapien angeboten werden. Die Auswahl basiert auf Biomarkern:

  • PARP-Inhibitoren (z. B. Olaparib, Niraparib) bei BRCA-Mutation oder HRD-Positivität.
  • Bevacizumab (Fortführung für bis zu 12 Monate, falls bereits mit Chemotherapie begonnen).

Progress unter NACT

Bei einem Progress unter NACT (platinrefraktäre Erkrankung) ist die Prognose ungünstig. Das Management ändert sich grundlegend:

  • Keine ICS durchführen (außer zur reinen Palliation, z. B. bei Ileus).
  • Erneute Biopsie zur Bestätigung der Diagnose und für weitere molekulare Tests.
  • Therapieoptionen: Alternative Chemotherapie, klinische Studien oder Einleitung von End-of-Life-Care (Palliativversorgung).

💡Praxis-Tipp

Führen Sie vor Beginn einer NACT immer eine Stanzbiopsie durch. Eine alleinige Zytologie reicht nicht aus, um die Diagnose zu sichern und ausreichend Material für die essenzielle molekulargenetische Testung (BRCA/HRD) zu gewinnen.

Häufig gestellte Fragen

Bei Patientinnen im Stadium III-IV, die zwar operabel sind, bei denen aber eine komplette Zytoreduktion unwahrscheinlich ist oder die ein hohes perioperatives Risiko haben.
Die ICS sollte nach maximal 4 Zyklen NACT erfolgen, sofern die Patientin auf die Therapie anspricht oder eine stabile Erkrankung aufweist.
Eine Platin-Taxan-Doublette (z. B. Carboplatin und Paclitaxel) ist der empfohlene Standard.
Nein, bei einem Progress unter NACT sollte keine Intervall-Operation durchgeführt werden, es sei denn aus rein palliativen Gründen (z. B. bei Darmverschluss).
Die Keimbahn- und somatische Testung (inklusive BRCA1/2) sollte bei allen Patientinnen direkt zum Zeitpunkt der Diagnose angeboten werden.

Verwandte Leitlinien