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Venöse Thromboembolie (TVT & LE): Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die klinische Wahrscheinlichkeit einer TVT oder LE sollte initial mit dem 2-Level-Wells-Score beurteilt werden.
  • Bei bestätigter proximaler TVT oder LE sind die DOAKs Apixaban oder Rivaroxaban die Therapie der ersten Wahl.
  • Die Antikoagulation sollte für mindestens 3 Monate erfolgen, bei aktiven Tumorerkrankungen für 3 bis 6 Monate.
  • Eine routinemäßige Thrombophilie-Diagnostik oder erweiterte Tumorsuche bei unprovozierter VTE wird nicht empfohlen.
  • Cava-Filter sind nur indiziert, wenn eine Antikoagulation kontraindiziert ist.
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Hintergrund

Die venöse Thromboembolie (VTE) umfasst die tiefe Venenthrombose (TVT) und die Lungenembolie (LE). Eine schnelle und präzise Diagnostik sowie eine effektive Antikoagulation sind entscheidend, um potenziell lebensbedrohliche Komplikationen zu vermeiden. Die vorliegende Leitlinie definiert klare Pfade für die Diagnostik, Akuttherapie und Sekundärprävention.

Diagnostik der tiefen Venenthrombose (TVT)

Bei Verdacht auf eine TVT wird zunächst die allgemeine Anamnese und körperliche Untersuchung durchgeführt, um andere Ursachen auszuschließen. Anschließend wird die klinische Wahrscheinlichkeit mittels des 2-Level-Wells-Scores ermittelt.

Klinisches MerkmalPunkte
Aktive Krebserkrankung (laufende Therapie, innerhalb 6 Monate oder palliativ)1
Parese, Plegie oder kürzliche Immobilisation der Beine im Gips1
Bettlägerigkeit >3 Tage oder große OP in den letzten 12 Wochen1
Lokalisierter Druckschmerz im Verlauf der tiefen Venen1
Schwellung des gesamten Beines1
Unterschenkelschwellung >3 cm im Seitenvergleich1
Eindrückbares Ödem am symptomatischen Bein1
Kollaterale oberflächliche Venen (keine Varizen)1
Frühere dokumentierte TVT1
Alternative Diagnose mindestens ebenso wahrscheinlich wie TVT-2
  • TVT wahrscheinlich (Wells-Score >= 2): Proximaler Beinvenen-Ultraschall (Ergebnis idealerweise innerhalb von 4 Stunden). Bei negativem Ultraschall: D-Dimer-Test.
  • TVT unwahrscheinlich (Wells-Score <= 1): D-Dimer-Test (Ergebnis innerhalb von 4 Stunden). Bei positivem D-Dimer: Ultraschall.

Diagnostik der Lungenembolie (LE)

Bei geringem klinischem Verdacht kann die PERC-Regel (Pulmonary Embolism Rule-out Criteria) angewendet werden, um zu entscheiden, ob weitere Diagnostik nötig ist. Andernfalls erfolgt die Risikostratifizierung über den 2-Level-Wells-Score für LE.

Klinisches MerkmalPunkte
Klinische Zeichen einer TVT3
Alternative Diagnose ist weniger wahrscheinlich als LE3
Herzfrequenz > 100 Schläge pro Minute1,5
Immobilisation > 3 Tage oder OP in den letzten 4 Wochen1,5
Frühere TVT/LE1,5
Hämoptysen1
Malignom (unter Therapie, in den letzten 6 Monaten oder palliativ)1
  • LE wahrscheinlich (Wells-Score > 4): Sofortige CT-Pulmonalisangiographie (CTPA). Alternativ V/Q-SPECT bei Kontraindikationen (z. B. schwere Niereninsuffizienz, Kontrastmittelallergie).
  • LE unwahrscheinlich (Wells-Score <= 4): D-Dimer-Test. Bei positivem Ergebnis folgt die CTPA.

Therapie und Antikoagulation

Kann die bildgebende Diagnostik nicht innerhalb von 4 Stunden erfolgen, muss eine interimistische therapeutische Antikoagulation eingeleitet werden. Hierfür sollte vorab Blut für das Basislabor abgenommen werden, die Gabe der Antikoagulation darf jedoch nicht bis zum Eintreffen der Ergebnisse verzögert werden.

PatientengruppeTherapieempfehlungBemerkung
Standard (bestätigte TVT/LE)Apixaban oder RivaroxabanAlternativ: NMH gefolgt von Dabigatran/Edoxaban oder NMH + VKA
Aktive KrebserkrankungDOAK (bevorzugt) oder NMHTherapiedauer 3-6 Monate, dann Reevaluation
Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance 15-50 ml/min)Apixaban, Rivaroxaban oder NMH gefolgt von Edoxaban/DabigatranDosisanpassung und Fachinformation beachten
Terminale Niereninsuffizienz (<15 ml/min)NMH, UFH oder NMH/UFH + VKASpezialist hinzuziehen
Triple-positives Antiphospholipid-SyndromNMH + VKADOAKs sind nicht empfohlen
Hämodynamisch instabile LEUFH intravenös kontinuierlichThrombolyse erwägen

Langzeit-Antikoagulation zur Sekundärprävention

Nach 3 Monaten (bzw. 3-6 Monaten bei Tumorpatienten) muss die Therapie reevaluiert werden:

  • Provozierte VTE: Absetzen erwägen, wenn der auslösende Faktor nicht mehr besteht und der Verlauf unkompliziert war.
  • Unprovozierte VTE: Fortführung der Antikoagulation über 3 Monate hinaus erwägen. Bei niedrigem Blutungsrisiko überwiegen die Vorteile der Fortführung.
  • Blutungsrisiko: Der HAS-BLED-Score kann zur Abschätzung des Risikos für schwere Blutungen genutzt werden. Bei einem Score >= 4 sollte das Absetzen diskutiert werden.

Weitere Maßnahmen

  • Cava-Filter (IVC-Filter): Nur indiziert, wenn eine Antikoagulation kontraindiziert ist oder eine LE unter laufender Antikoagulation auftritt. Sie sollten entfernt werden, sobald eine Antikoagulation wieder möglich ist.
  • Tumorsuche: Keine erweiterte Tumorsuche bei unprovozierter VTE, es sei denn, es liegen spezifische klinische Symptome vor.
  • Thrombophilie-Diagnostik: Nicht routinemäßig bei provozierter VTE oder wenn die Antikoagulation ohnehin fortgeführt wird.
  • Kompressionsstrümpfe: Nicht routinemäßig zur Prävention des postthrombotischen Syndroms empfohlen, sondern nur zur Symptomkontrolle am Bein.

💡Praxis-Tipp

Beginnen Sie bei Verdacht auf TVT oder LE und einer Verzögerung der Bildgebung von >4 Stunden sofort mit einer interimistischen Antikoagulation, noch bevor die Laborergebnisse (Nierenfunktion, Gerinnung) vorliegen.

Häufig gestellte Fragen

Die DOAKs Apixaban und Rivaroxaban sind die Therapie der ersten Wahl für die meisten Patienten mit bestätigter proximaler TVT oder LE.
Mindestens 3 Monate. Bei aktiver Krebserkrankung 3 bis 6 Monate. Danach sollte eine Reevaluation erfolgen, um über eine Fortführung oder ein Absetzen zu entscheiden.
Nur wenn eine therapeutische Antikoagulation absolut kontraindiziert ist oder eine LE unter laufender Antikoagulation auftritt. Er sollte entfernt werden, sobald wieder antikoaguliert werden kann.
Nein, eine erweiterte Tumorsuche wird nur bei Vorliegen entsprechender klinischer Symptome oder Auffälligkeiten in der Basisdiagnostik empfohlen.
Patienten mit triple-positivem Antiphospholipid-Syndrom sollten niedermolekulares Heparin (NMH) überlappend mit einem Vitamin-K-Antagonisten (VKA) erhalten.

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