Schwangerschaftshypertonie: Imagination zur Therapie
Hintergrund
Bluthochdruck in der Schwangerschaft geht mit einem erhöhten Risiko für mütterliche und fetale Morbidität sowie Mortalität einher. Medikamentöse Therapien werden bei schweren Verläufen eingesetzt, können jedoch unerwünschte Wirkungen haben und die Plazenta passieren.
Die angeleitete Imagination ist eine nicht-medikamentöse Geist-Körper-Therapie. Sie nutzt die Visualisierung mentaler Bilder, um Entspannung zu fördern und potenziell den Blutdruck zu senken.
Der vorliegende Cochrane Review (2019) evaluierte die Wirksamkeit dieser Methode im Vergleich zu Ruhepausen in Stille. Ziel war es, den Einfluss auf den Blutdruck und perinatale Endpunkte strukturiert zu bewerten.
Empfehlungen
Die Meta-Analyse formuliert folgende Kernaussagen zur Studienlage und Klassifikation:
Klassifikation hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen
Der Review zitiert die etablierte Einteilung der hypertensiven Erkrankungen in der Schwangerschaft. Folgende vier Hauptkategorien werden unterschieden:
| Kategorie | Definition |
|---|---|
| Chronische Hypertonie | Besteht vor der Schwangerschaft oder tritt vor der 20. Schwangerschaftswoche auf. |
| Gestationshypertonie | Tritt nach der 20. Schwangerschaftswoche ohne Proteinurie auf und bildet sich postpartal zurück. |
| Präeklampsie / Eklampsie | Hypertonie und Proteinurie nach der 20. Schwangerschaftswoche (Eklampsie: zusätzlich Krampfanfälle). |
| Pfropfpräeklampsie | Chronische Hypertonie mit neu aufgetretener Proteinurie oder plötzlicher Verschlechterung nach der 20. Woche. |
Unzureichende Evidenzbasis
Laut Review gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz, um den Einsatz der angeleiteten Imagination in der klinischen Praxis zu empfehlen. Die verfügbaren Daten sind sehr spärlich und basieren auf nur zwei kleinen randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 99 Teilnehmerinnen.
Fehlende Daten zu primären Endpunkten
Die eingeschlossenen Studien lieferten keine Ergebnisse zu den definierten Hauptendpunkten. Es fehlen Daten zu folgenden Parametern:
-
Schwerer Bluthochdruck (systolisch ≥ 160 mmHg oder diastolisch ≥ 110 mmHg)
-
Schwere Präeklampsie
-
Perinatale Mortalität (Totgeburten und Todesfälle in der ersten Lebenswoche)
Einfluss auf den Medikamentenverbrauch
Es liegt lediglich Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit aus einer Studie mit 69 Frauen vor. Diese deutet darauf hin, dass die angeleitete Imagination im Vergleich zu Ruhepausen kaum oder keinen Unterschied beim Einsatz von blutdrucksenkenden Medikamenten macht.
Implikationen für die Forschung
Die Autoren betonen die Notwendigkeit großer, gut konzipierter Studien. Zukünftige Untersuchungen sollten die Auswirkungen auf kurz- und langfristige gesundheitliche Endpunkte von Mutter und Kind systematisch erfassen.
💡Praxis-Tipp
Der Review zeigt, dass nicht-medikamentöse Verfahren wie die angeleitete Imagination bei schwangerschaftsinduziertem Bluthochdruck derzeit nicht durch belastbare Evidenz gestützt werden. Es wird deutlich, dass bei behandlungsbedürftiger Hypertonie weiterhin etablierte, leitliniengerechte Therapiekonzepte herangezogen werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review ist der Effekt der angeleiteten Imagination auf den Blutdruck unklar. Es gibt derzeit keine ausreichende Evidenz, die eine klinisch relevante blutdrucksenkende Wirkung belegt.
Die vorliegenden Daten von niedriger Vertrauenswürdigkeit zeigen keinen signifikanten Unterschied im Medikamentenverbrauch. Der Review kommt zu dem Schluss, dass die Intervention den Einsatz von Antihypertensiva nicht nachweislich reduziert.
Eine Hypertonie in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Präeklampsie, Eklampsie und Nierenversagen. Zudem steigt die Wahrscheinlichkeit für Frühgeburten und einen erhöhten intensivmedizinischen Betreuungsbedarf des Neugeborenen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Guided imagery for treating hypertension in pregnancy (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Cochrane Review: Setting and techniques for monitoring blood pressure during pregnancy
Cochrane Review: Calcium supplementation commencing before or early in pregnancy, for preventing hypertensive disorders of pregnancy
Cochrane Review: Calcium supplementation commenced before pregnancy for preventing hypertensive disorders and related problems
WHO recommendations on drug treatment for non-severe hypertension in pregnancy
Cochrane Review: Calcium supplementation during pregnancy for preventing hypertensive disorders and related problems
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen