Hibiskustee bei Hypertonie: Cochrane Review
Hintergrund
Arterielle Hypertonie ist ein weltweites Gesundheitsproblem und ein wesentlicher Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. Neben der medikamentösen Therapie spielen Lebensstiländerungen und diätetische Maßnahmen eine wichtige Rolle bei der langfristigen Blutdruckkontrolle.
Roselle (Hibiscus sabdariffa), auch als Hibiskustee bekannt, wird traditionell zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt. Die Pflanze enthält Anthocyane, denen in präklinischen Studien eine blutdrucksenkende Wirkung durch die Hemmung des Angiotensin-Converting-Enzyms (ACE) zugeschrieben wird.
Dieser systematische Cochrane Review (2021) untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit von Roselle im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung bei Erwachsenen mit primärer Hypertonie. Es handelt sich um ein Update eines früheren Reviews aus dem Jahr 2010.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende Kernaussagen zur Anwendung von Roselle bei Bluthochdruck:
Studienlage und Evidenzqualität
Laut den Autoren konnte nur eine einzige randomisierte kontrollierte Studie (RCT) mit 60 Teilnehmenden in die Meta-Analyse eingeschlossen werden. Die Probanden waren Erwachsene mit Typ-2-Diabetes und Hypertonie.
Die Evidenzqualität wird für alle Endpunkte als sehr niedrig eingestuft. Gründe für die Herabstufung der Evidenz sind methodische Mängel (Attrition Bias, Reporting Bias), eine geringe Teilnehmerzahl sowie eine ungleiche Ausgangsverteilung der Gruppen.
Wirksamkeit auf den Blutdruck
Es gibt derzeit keine ausreichende Evidenz, um zu beurteilen, ob Roselle den Blutdruck bei Menschen mit Hypertonie wirksam senkt. Die Ergebnisse der eingeschlossenen Studie, in der Roselle-Extrakt über acht Wochen verabreicht wurde, zeigten keine signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo.
| Intervention | Mittlere Differenz SBP (mmHg) | Mittlere Differenz DBP (mmHg) | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Roselle-Extrakt (5600 mg) vs. Placebo | +1,65 (95% CI -7,89 bis 11,19) | +4,60 (95% CI -1,38 bis 10,58) | Sehr niedrig |
Sicherheit und Nebenwirkungen
Der Review stellt fest, dass in der eingeschlossenen Studie keine Daten zu unerwünschten Ereignissen, Studienabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen oder Veränderungen der Herzfrequenz berichtet wurden.
Die Autoren betonen, dass die Sicherheit einer therapeutischen Anwendung von Hibiskustee bei Bluthochdruckpatienten derzeit nicht abschließend beurteilt werden kann. In zitierten Tierversuchen wurde bei sehr hohen Dosen (300 mg/kg/Tag) eine Hepatotoxizität beobachtet.
Implikationen für die Forschung
Es wird der dringende Bedarf an methodisch hochwertigen RCTs betont. Zukünftige Studien sollten laut Review folgende Aspekte berücksichtigen:
-
Untersuchung der kurz- und langfristigen Blutdruckeinstellung
-
Standardisierte Angaben zur Zubereitung und Dosierung von Roselle
-
Systematische Erfassung und Berichterstattung von unerwünschten Ereignissen
-
Einschluss einer breiteren Altersgruppe (18 bis 60 Jahre)
💡Praxis-Tipp
Obwohl Hibiskustee (Roselle) in der Laienpresse häufig als natürlicher Blutdrucksenker beworben wird, weist der Review darauf hin, dass es hierfür keine belastbare wissenschaftliche Evidenz gibt. Es wird betont, dass pflanzliche Präparate eine leitliniengerechte medikamentöse antihypertensive Therapie derzeit nicht ersetzen können.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem aktuellen Cochrane Review gibt es keine ausreichende Evidenz, um eine blutdrucksenkende Wirkung von Hibiskustee (Roselle) bei Menschen mit Hypertonie zu bestätigen. Die vorhandenen Daten stammen aus nur einer kleinen Studie und sind von sehr niedriger Qualität.
Die Sicherheit kann aufgrund fehlender Daten in klinischen Studien nicht abschließend beurteilt werden. Der Review merkt an, dass in tierexperimentellen Studien bei extrem hohen Dosen lebertoxische Effekte auftraten.
Roselle enthält Anthocyane, denen in präklinischen Studien eine hemmende Wirkung auf das Angiotensin-Converting-Enzym (ACE) zugeschrieben wird. Dies könnte theoretisch zu einer Vasodilatation führen, was jedoch klinisch bisher nicht ausreichend belegt ist.
Der Review liefert keine Evidenz, die einen Ersatz etablierter Antihypertensiva durch Roselle rechtfertigen würde. Es wird hervorgehoben, dass die Wirksamkeit im Vergleich zu Placebo unklar bleibt.
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Quelle: Cochrane Review: Roselle for hypertension in adults (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.