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AWMF / DGPPN2025PsychiatriePsychosomatik

S3-Leitlinie Schizophrenie 2025: Diagnostik & Therapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF / DGPPN Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose erfordert nach ICD-10 Symptome über mindestens einen Monat und den zwingenden Ausschluss organischer Ursachen.
  • Therapeutisches Drug-Monitoring (TDM) bei Clozapin ist nun eine starke Empfehlung (Grad A).
  • Bei einer Gewichtszunahme von >3 % unter Antipsychotika wird Metformin (Off-Label) stark empfohlen.
  • Die Empfehlung zur generellen antipsychotischen Monotherapie wurde auf Grad B abgeschwächt.
  • Bewegungsinterventionen und metakognitives Training erhielten eine Aufwertung zur starken Empfehlung (Grad A).
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Hintergrund

Die Schizophrenie ist eine klinisch definierte psychische Störung mit einem typischen psychopathologischen Symptomprofil aus Positiv- und Negativsymptomatik. Die Ätiopathogenese ist multifaktoriell: Neben einer genetischen Disposition (erbliche Faktoren erklären 60-80 % der Varianz) spielen Umweltfaktoren wie psychosozialer Stress, Cannabis- oder Amphetaminkonsum sowie Schwangerschaftskomplikationen eine entscheidende Rolle (Neuroentwicklungsmodell).

Epidemiologisch liegt die Punktprävalenz bei ca. 4,6 pro 1.000 Einwohner. Die Ersterkrankung tritt meist zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr auf. Betroffene haben eine um ca. 15 Jahre verringerte Lebenserwartung, bedingt durch somatische Komorbiditäten, Lebensstilfaktoren und eine erhöhte Suizidrate.

Diagnostik nach ICD-10

In Deutschland ist für die Diagnosestellung in der Versorgung weiterhin die ICD-10 verbindlich. Die Diagnose erfordert den Ausschluss organischer Ursachen und das Vorliegen spezifischer Leitsymptome über mindestens einen Monat.

SymptomgruppeErforderliche AnzahlBeispiele für Leitsymptome
Gruppe 1-4 (Spezifisch)Mindestens 1 SymptomGedankenlautwerden/-eingebung, Kontrollwahn, kommentierende Stimmen, bizarrer Wahn
Gruppe 5-8 (Unspezifisch)Mindestens 2 SymptomeAnhaltende Halluzinationen, Gedankenabreißen, katatone Symptome, negative Symptome (Apathie, Sprachverarmung)

Organische Differentialdiagnostik

Eine organische Differentialdiagnostik soll bei jeder neu aufgetretenen psychotischen Symptomatik angeboten werden (starker Konsens). Etwa 5 % aller Psychosen mit Schizophrenie-Symptomen weisen einen neurologischen Befund auf.

Warnhinweise (Red Flags) für organische GeneseWichtige organische Differentialdiagnosen
- Früher und akuter Beginn<br>- Fokalneurologische Symptome, Krampfanfälle<br>- Ausgeprägte kognitive Defizite / Verwirrtheit<br>- Optische Halluzinationen<br>- Katatonie oder fluktuierender Verlauf<br>- Fieber, Exsikkose- Autoimmunenzephalitiden<br>- Epilepsien (komplexpartiell)<br>- Zerebrale Raumforderungen<br>- Demenzielle Erkrankungen<br>- Stoffwechselstörungen (z.B. Schilddrüse)<br>- Medikamenteninduziert (z.B. Steroide, L-Dopa)

Hinweis zur Autoimmunenzephalitis: Bei subakutem Beginn (<3 Monate) von Merkfähigkeitsstörungen oder Wesensänderungen plus neurologischen Defiziten, Anfällen, Pleozytose im Liquor oder MRT-Auffälligkeiten muss an diese Diagnose gedacht werden.

Neuerungen in der Pharmakotherapie (2025)

Die S3-Leitlinie 2025 bringt wesentliche Updates in der medikamentösen Behandlung und im Nebenwirkungsmanagement:

BereichEmpfehlung / NeuerungEmpfehlungsgrad
Clozapin-TherapieTherapeutisches Drug-Monitoring (TDM) bei Clozapin-Gabe.Grad A (starke Empfehlung)
TherapieresistenzTherapieversuch mit Clozapin in Monotherapie. Falls nicht möglich: Kombination aus zwei Antipsychotika.Grad A (starke Empfehlung)
MonotherapieDie generelle Empfehlung zur antipsychotischen Monotherapie wurde abgeschwächt.Grad B (schwache Empfehlung)
NegativsymptomatikEinsatz von Cariprazin ergänzt; Olanzapin wurde gestrichen.Evidenzbasiert
GewichtszunahmeIntervention bereits bei >3 % Gewichtszunahme (zuvor 7 %). Off-Label-Gabe von Metformin wird empfohlen. Topiramat wurde gestrichen.Grad A (starke Empfehlung)

Neuerungen in Psychotherapie und psychosozialen Verfahren

Auch im Bereich der nicht-medikamentösen Therapien wurden Evidenzgrade angepasst und neue Verfahren aufgenommen:

  • Metakognitives Training: Aufgewertet auf Grad A (starke Empfehlung).
  • Bewegungsinterventionen: Aufgewertet auf Grad A (starke Empfehlung).
  • Achtsamkeitsbasierte Verfahren: Neu aufgenommen zur Reduktion der Positivsymptome (Grad A).
  • PTBS-Behandlung: Prolonged Exposure und EMDR bei komorbider PTBS neu aufgenommen (Grad B).
  • Digitale Therapieangebote: Technik-gestützte Angebote neu aufgenommen (Grad B).
  • Ergotherapie: Aufgewertet auf Grad B.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei jeder neu aufgetretenen psychotischen Symptomatik zwingend eine organische Differentialdiagnostik durch, um behandelbare Ursachen wie Autoimmunenzephalitiden nicht zu übersehen.

Häufig gestellte Fragen

Nach ICD-10 müssen die Symptome fast ständig während eines Monats oder länger deutlich vorhanden gewesen sein.
Bei therapieresistenter Schizophrenie wird ein Therapieversuch mit Clozapin in Monotherapie stark empfohlen (Grad A). Zudem wird ein therapeutisches Drug-Monitoring (TDM) stark empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt eine Intervention bereits bei einer Gewichtszunahme von >3 % (zuvor 7 %), z.B. durch die Off-Label-Gabe von Metformin.
Sie sind eine wichtige Differentialdiagnose. Bei subakutem Beginn (<3 Monate), kognitiven Defiziten, fokalneurologischen Symptomen oder Anfällen muss an sie gedacht werden.

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